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Der neue Kommissar im ZDF: Ulrich Noethen spielt Tabor Süden vom Vermisstendezernat.

„Das klappt, wenn Noethen das spielt“

 Der Münchner Autor Friedrich Ani über die Verfilmung seines „Kommissar Süden“, seine Pläne und seine Gedichte

Tabor Süden, die Hauptfigur in bislang zehn Romanen des Münchner Autors Friedrich Ani, ist kein Kommissar wie man ihn erwartet. Das liegt auch daran, dass Ani seinen Helden, dem nichts Menschliches fremd zu sein scheint, im Vermisstendezernat arbeiten lässt. Jetzt wurden zwei Bücher der Erfolgsreihe verfilmt – mit Ulrich Noethen in der Titelrolle. Das ZDF zeigt „Süden und das Geheimnis der Königin“ diesen Samstag um 20.15 Uhr. Ein Gespräch mit dem 50-jährigen Autor.

-Die Filmrechte an „Kommissar Süden“ lagen lange brach. Wie kam es doch noch zur Verfilmung?
Produzent Oliver Berben hat mich einfach überzeugt. Mit unglaublicher Geduld und mit großem Charme ist es ihm gelungen, mich zu ermutigen, dieses Projekt nochmal in Angriff zu nehmen. Obwohl ich eigentlich keine Lust mehr hatte. Das ganze Projekt, dass die Filme im ZDF laufen und die Besetzung sind sein Verdienst und die große Leistung von Oliver Berben.

-Bei „Süden und der Luftgitarrist“, den das ZDF am 20. April zeigt, haben Sie auch das Drehbuch geschrieben. Anders bei „Das Geheimnis der Königin“, der diesen Samstag läuft.
Zu dem Zeitpunkt war ich leider mitten in einem Roman. Ich habe aber festgestellt, dass es doch besser ist, wenn ich die Drehbücher künftig selber schreibe, weil ich einfach die Figuren am besten kenne.

Friedrich Ani plant einen neuen "Süden“-Roman.

-Besetzung und Auswahl der Regisseure waren Berbens Sache?
Ja. Wobei er mir sehr früh gesagt hat, dass er Ulrich Noethen als Süden im Kopf hat. Ich habe mich dann mit Noethen getroffen. Das war sehr eindrucksvoll, weil er sich bereits damals sehr viele Gedanken über die Figur gemacht hat. Das war sehr überzeugend für mich. Ich dachte mir: Das klappt, wenn der das spielt. Ich finde aber allgemein, dass das Team gut besetzt ist. Die Typen gefallen mir sehr. Die Figuren strahlen alle Professionalität aus – und wirken dennoch empathisch. Wenn man Vermisste sucht, muss man ja die Menschen mögen, muss sich vieles anhören, viele seltsame Geschichten, viele Lügen und man muss viele seltsame Zimmer betreten. Hier traut man das den Charakteren zu.

-Ist es Ihnen schwergefallen, Ihre Bücher einem anderen Kreativen in die Hand zu geben? Sie können als Autor ja die Verfilmung nicht komplett kontrollieren.
Nein. Überhaupt nicht. Weil ich keine Berührungsängste mit Fernsehen oder Kino habe. Ich habe da volles Vertrauen – gerade wenn ich die Bücher jemandem wie Oliver Berben gebe. Da weiß ich, dass das klappt. Man kann aber auch reinfallen, wenn man zu früh den falschen Leuten vertraut.

-Ist man als Autor besser beraten, nicht allzu oft bei den Dreharbeiten aufzutauchen?
Bei einem Filmdreh stehen schon genug Leute rum. Da muss nicht auch noch der Autor rumstehen. In meinem Fall war es so, dass die beiden Regisseure Martin Enlen und Dominik Graf wollten, dass ich in jeder Folge kurz auftauche. Ich bin also jeweils einen Tag rumgesessen und habe gewartet, bis ich dran war.

-Wie war es, zum ersten Mal den fertigen Film zu sehen?
Als ich die erste Schnittfassung im Sommer vor zwei Jahren gesehen habe, war ich tief berührt. Ich fand die Schauspieler sehr nah an meinen Figuren. Das hat mich beeindruckt.

-Sie schildern in den Romanen München nicht aus der gelackten Reiseführerperspektive. Findet sich dieses Stadtbild auch in den Filmen wieder?
Absolut. Allein die Tatsache, dass Dominik Graf Regie führte, der ja sowieso immer auf der Suche nach einem anderen München-Bild ist, sorgte dafür, dass das gelingt.

-Zwei Filme sind jetzt fertig. Geht es weiter?
Von uns aus schon. Der Sender steht natürlich auf der knallharten Position: „Wir müssen die Quoten abwarten.“

-Und wo liegt da die Messlatte?
Das ist eine gute Frage, die ich an Ihrer Stelle dem ZDF stellen würde. Ich habe sie gestellt und darauf keine klare Antwort bekommen.

-Was wäre für Sie ein Erfolg?
Ein Erfolg ist, wenn es weitergeht. Und wenn viele Leute die Filme sehen und sie ihnen gefallen. Erfolg ist, wenn man ein solches Projekt weiterentwickeln darf – noch dazu mit diesen Schauspielern. Es gibt bereits ein ausgearbeitetes Exposé für den dritten Film, der auf „Süden und das verkehrte Kind“ basiert.

-Wer würde die Regie übernehmen?
Das ist noch offen. Eigentlich wollte Dominik Graf die ganze Reihe machen. Dann kamen allerdings ein paar Projekte dazwischen, an denen er auch schon länger arbeitete. Das war sehr schade. Aber er hat signalisiert, dass er auf jeden Fall weitermachen will.

-Aber es wird kein neuer „Süden“-Roman erscheinen?
Doch, diese Möglichkeit besteht. Ich habe ein neues Konzept, das allerdings noch relativ geheim ist. Es gibt Pläne, den Süden in einem Roman zurückzuholen – allerdings nicht als Polizist, denn er ist ja aus dem Polizeidienst ausgeschieden. Das möchte ich auch so belassen. Er kommt zurück, weil sein Vater aufgetaucht ist – und wird von einer Detektei angesprochen, die sich auf Vermisste spezialisiert hat, und soll da weiterarbeiten.

-Gerade haben Sie außerdem Ihren ersten Gedichtband vorgelegt.
Ich hatte halt das Angebot, einen Gedichtband zu machen, und das war wunderbar. Ich komme ja eigentlich vom lyrischen Schreiben und habe mich gefreut, zu meiner alten Profession zurückkehren zu können.

-Mit Gedichten erreicht man – im Unterschied etwa zu Krimis – aber nicht unbedingt die breite Masse.
Nein. Die Masse ist eher schmal. (Lacht.) Aber es ist toll. Und vor allem ist das nicht irgendein Spleen, etwas Hobbymäßiges. Nein, es ist Teil meiner Arbeit, und das ist jetzt dokumentiert. Ich freue mich irrsinnig darüber.

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

Friedrich Ani: „Mitschnitt. Gedichte“.

Zsolnay, Wien, 125 S.; 14,90 Euro.

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