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Dominik bei einem seiner Auftritte.

Am Samstag auf RTL

DSDS: Ist Dominik zu nett für Bohlens Welt?

DSDS-Kandidat Dominik Büchele ist bei der Jury um Dieter Bohlen in Ungnade gefallen – Dieter Bohlen findet ihn zu langweilig. Doch ist das eine Beleidigung?

Dass man beim Anblick eines hübschen, braungelockten Jungen aus dem südlichen Baden zunächst an Dieter Bohlens Hoden denken muss, ist zwar nicht besonders appetitlich, aber kaum zu vermeiden: „Bei deinem Gesang schlafen mir meine Ostereier ein“, ließ Bohlen am vergangenen Samstag den DSDS-Teilnehmer Dominik Büchele wissen. Der nahm es hin, etwas bedröppelt dreinblickend, aber gefasst. Hatte er es schließlich schon erahnen können, seit Wochen hat Bohlen keine warmen Worte mehr für den 18-Jährigen übriggehabt.

„Langweilig, langweilig, langweilig“ sei er, sein Auftritt mit dem Ich&Ich-Hit „Stark“ nannte Bohlen eine „Valium-Show“, das Lied aus der Woche davor war gleich der „allerletzte Lutscher“. Dieter Bohlens Vergleiche bewegen sich ja bekanntlich gerne unter der Gürtellinie – das ist Teil der Marke „Deutschland sucht den Superstar“. Der Zuschauer ist bei seinen verbalen Missgriffen inzwischen nur noch ein bisschen entsetzt.

Dominik Büchele aber ist kein hartgesottener Medienprofi. Er ist ein 18-Jähriger aus dem 5000-Seelen-Ort Kappel-Grafenhausen in der Nähe von Freiburg. Um nach der Mittleren Reife seinen Traum von der Ausbildung an einer renommierten Musikschule zu erfüllen, hat er das letzte Jahr im Europark Rust Teller gewaschen. Ansonsten spielt er mit seiner Band „Umleitung“ am liebsten James-Blunt-Covers – handgemachte Musik, gemütlich ohne Riesenbässe, nennt er das. Ein netter Junge, der nicht so recht weiß, was er halten soll von hunderten Briefen verliebter Mädchen einerseits und der stänkernden DSDS-Jury andererseits. „Ich weiß gar nicht, was ich denken soll“, sagt Dominik.

Dass all das Gepöbel großenteils einfach Teil der RTL-Show ist, weiß Dominik natürlich auch. Ernst nehmen muss er die Kritik aber trotzdem, findet er. Was also bedeutet es einem jungen Menschen wie Dominik Büchele – voller Träume vom Showbusiness und von der großen Karriere –, wenn einer wie Dieter Bohlen ihn vor der versammelten Fernsehnation zur Schnecke macht? „Sehr große und sehr tiefe Narben“ habe es hinterlassen, vernahm man letzten Samstag bei DSDS. Fragt man ihn eine knappe Woche später selber, gibt er sich schon etwas abgebrühter: „Das erste Mal war schon echt hart, beim letzten Mal war es aber schon nicht mehr schlimm.“ Na, das ist doch schön, wenn es das Privatfernsehen schafft, nette Jungs ein bisschen abzuhärten.

Im Fernsehen sehen, wie Bohlen ihn niederstänkert, mag Dominik aber trotzdem nicht. „Ich schau’ mir das hinterher nicht mehr an, ich versuche, das einfach abzuhaken.“ Und er versucht, es beim nächsten Mal besser zu machen. Muss doch möglich sein, schließlich war der Jury-Rüpel anfangs schwer begeistert vom James-Blunt-Verschnitt Dominik Büchele. Aber was genau er anders machen soll, um Bohlens Körperteile wachzuhalten, weiß Dominik auch nicht. „Ich probier’s halt wieder“, sagt er, „aber zu viel darf ich auch nicht machen, ich muss ja noch ich selber bleiben.“

Wie das auf Dauer möglich wäre, das mit dem Sich-selber-treu-bleiben, das scheint er noch nicht so genau zu wissen. Wenn das Publikum sich am Ende wirklich für Dominik entscheiden und ihn zum Superstar machen sollte. Wenn dann Bohlens Plattenfirma seine Lieder komponiert und ein Charts-taugliches Produkt aus ihm bastelt. „Ich muss ja nicht genau das gleiche machen wie Marc Medlock“, sagt er, „vielleicht geht Bohlen auf meinen Stil ein.“ Oder eben Dominik auf den von Dieter Bohlen. Was würde er denn zu Bohlen sagen, wenn er ihm mal die Meinung geigen dürfte? „Na, so begeistert bin ich dann auch nicht“, platzt es im breitesten Badisch aus ihm heraus. Dann zögert er kurz – solche Sätze sind nicht karrierefördernd. Schnell schiebt er hinterher: „Das ist eben Geschmackssache.“ Wer will denn schon demjenigen ernsthaft ans Bein pinkeln, der verspricht, dich zum Star, nein, zum Superstar zu machen?

Und dann sagt Dominik, dass er am liebsten wieder mit seiner Band Musik machen möchte. Seine handgemachte Musik. Auch wenn Bohlen am Samstag fand, Dominik gehöre eher auf „Landmusikwettbewerbe mit Grillen und Gitarrespielen“. Sicher, Dominik will gewinnen. Dennoch kann man sich nur schwer des Eindrucks erwehren, dass er da gar nicht hingehört. „Sympathisch, aber vielleicht eben doch nicht wie ein Superstar“, schreibt ein Blogger im Internet über Dominik Büchele. Und vielleicht ist das ja gar keine Beleidigung.

von Katharina Riehl

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