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"Eine für alle" - eine Zwischenbilanz

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Eine für alle
Grazien im Blaumann: Yasmina Djaballah, Katharina Schubert, Katharina Kaali und Anna Hopperdietz (v. l.) in der ARD-Vorabendserie „Eine für alle“. © ARD

Zwischenzeugnis: Die aufwändig beworbene neue ARD-Vorabendserie „Eine für alle“ ist bieder inszeniert und nur leidlich gut gespielt.

Werktags ab 18 Uhr ist die Welt noch in Ordnung. Zumindest im ARD-Vorabendprogramm. Da gibt es Hausfrauen, Friseurinnen, Lehrerinnen und – Gipfel der Emanzipation – Ärztinnen. Kein Wunder also, dass eine Flutwelle männlicher Entrüstung aufbrandete, als vor gut einer Woche ausgerechnet in einer öffentlich-rechtlichen Serie ihr Weltbild ins Wanken gebracht wurde. Von Grazien im Blaumann, die sich am durch und durch maskulinen Beruf des Schweißers vergreifen. Titel und Werbeplakate der Serie „Eine für alle – Frauen können’s besser“ (werktags um 18.50 Uhr) ließ die Herren der Schöpfung über „Männerverachtung pur“ klagen.

Und alles nur, weil in der mehr als harmlosen Seifenoper vier befreundete Kolleginnen (Katharina Schubert, Yasmina Djaballah, Katharina Kaali und Anna Hopperdietz) körperlich hart arbeiten, schließlich auch noch für den symbolischen Euro die heruntergewirtschaftete Klitsche kaufen, in der sie malochen, und sich am Stammtisch nicht nur über Kinder, sondern auch über Motoren und Sex unterhalten.

Doch der zum Sendestart verursachte Wirbel hat „Eine für alle“ bislang nicht geholfen. Die neue Mammutserie, als Rettung für den zuletzt zuschauerschwachen Vorabend gedacht, darf bereits als Misserfolg gelten. Sogar der legendäre Quotenflop „Bruce – Eure Stylingshow“ lief besser. Kein Wunder. Frauen an der Werkbank sind kein täglich 30 Minuten füllendes Thema, und ansonsten hat die bieder inszenierte und nur leidlich gut gespielte Serie nichts zu bieten.

Von einem niveauvollen Drehbuch, das mit Überraschungen oder gar einem Spannungsbogen von Folge zu Folge aufwartet, ganz zu schweigen. Was die Frauen nun eigentlich besser können (außer neckisch einen Hosenträger von der Schulter rutschen zu lassen), bleibt offen. Besonders der Soundtrack von „Eine für alle“ verströmt die Verzweiflung, die dem gesamten Projekt vermutlich seit dem ersten Treatment innewohnt. Jung und peppig soll es zugehen, verkündet die Musik, durchweg aus Top Ten-Titeln zusammengestellt, allerdings aus solchen von vor ein paar Monaten.

Hier lässt sich die Tragödie erkennen, die sich derzeit bei der ARD abspielt. Das junge Zielpublikum sieht zwischen 18 und 20 Uhr lieber „Die Simpsons“, „Anna und die Liebe“ oder „Das perfekte Dinner“ als „Großstadtrevier“ oder auch „Soko“. Die Öffentlich-Rechtlichen haben den Kampf um die werberelevante Jugend scheinbar schon fast verloren. Vorbei die Zeiten, in denen „Aus heiterem Himmel“, „Nicht von schlechten Eltern“, „Berlin, Berlin“ oder „Türkisch für Anfänger“ für gute und gleichzeitig massentaugliche Unterhaltung sorgten. Der frühere ARD-Programmchef Günter Struve erinnert mit seinen tragischen Fehleinkäufen oder floppenden Eigenkreationen schon fast an die Vorstandsetage des FC Bayern. Und wer weiß – vielleicht wird auch das so hoffnungsvoll angepackte Projekt „Eine für alle“ sozusagen vor Ablauf des Vertrags abgesetzt.

von Ulrike Frick

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