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Das Komödienstadl

Jubiläum:

Ratschkathln und Hallodris: 50 Jahre Komödienstadel 

München - Der Bayerische Rundfunk feiert 50 Jahre Komödienstadel: Anlässlich des Jubiläums findet im Münchner Funkhaus eine Ausstellung statt.

Wenn im Bayerischen Fernsehen der Großbauer mit dem Häusler aneinander gerät, der arme Schlucker sich in die reiche Hoferbin verliebt, der Moralapostel seine Jugendsünden beichten muss und am Ende vieler Verwechslungen doch noch mindestens eine Doppelhochzeit gefeiert wird, dann hat man es höchstwahrscheinlich mit dem „Komödienstadel“ zu tun. Seit 50 Jahren gehen hier die Erbschleicher und Brautwerber, die Wilderer und Lausbuben, die Ratschkathln und Hallodris ihren teils dunklen, aber unterhaltsamen Geschäften nach.

Der Bayerische Rundfunk (BR) feiert das Jubiläum gleich doppelt. Zum einen mit einem langen Komödienstadel-Abend am 13. Juni, an dem unter anderen Liesl Karlstadt, Michl Lang oder Ludwig Schmid-Wildy im ersten dieser munteren TV-Schwänke zu sehen sind, zum anderen mit einer kleinen, charmanten Ausstellung im Marmorfoyer des Münchner Funkhauses.

Neben dem Konterfei des Komödienstadel-Erfinders und damaligen BR-Unterhaltungschefs Olf Fischer reihen sich all die vielen Regisseure und beliebten Volksschauspieler mit ihren Kurzbiografien aneinander. In Vitrinen harren Reliquien wie ein Hut von Beppo Brem oder eine Pfeife, die Erni Singerl beim „Ehestreik“ raucht, ihrer Bewunderung. Programmzeitschriften, Bühnenbildmodelle und Filmausschnitte haben die Mitarbeiter des historischen Achivs zusammengetragen. Und eine veritable, liebevoll ausgestattete Bauernstube lädt zum Verweilen und zum Studieren der Drehbücher ein.

Eigentlich haben die immerwährenden Komödienstadel-Querelen um Geld und Liebe ja ein paar Jahre mehr auf dem Buckel. Im Jahr 1954 bekam Olf Fischer den Auftrag, eine volkstümliche, bayerische Familiensendung fürs Wochenende zu entwickeln. Und zwar fürs Radio, denn einen Fernseher konnten sich damals noch die wenigsten leisten. Fischers Idee war es, die Hörstücke – Bearbeitungen von alten Volksstücken oder Auftragswerke – vor Publikum spielen und teilweise live senden zu lassen. Dass das heitere Intrigenraten fünf Jahre später ins Fernsehen übernommen wurde, ist übrigens einem gewissen Robert Lemke zu verdanken, der in den Fünfzigern stellvertretender Fernsehprogrammdirektor war und begeistert von einem Komödienstadel-Besuch.

Am 16. Mai 1959 ging die erste Ausgabe vor Kameras über die Bühne. Gezeigt wurde sie in Ermangelung weiterer Programme noch im Ersten, was dem Stadel und seinen Protagonisten größte Bekanntheit bescherte. Zwei Einakter waren in eine Rahmenhandlung gebettet, „Der zerbrochene Krug (Nicht von Kleist)“ und „Späte Entdeckung“. Die Umbaupausen überspielten Maria Hellwig und „Die drei lustigen Moosacher“, was eine neue Tradition gebar. Die Volksmusik gehörte von nun an zum Fernsehschwank wie der Gekreuzigte zum Herrgottswinkel. Was Rang und Namen hatte in der Branche, fand sich zwischen den aufwändigen ländlichen Kulissen wieder.

Und selbstverständlich fast sämtliche großen Volksschauspieler wie Maxl Graf, Karl Tischlinger, Max Grießer, Gustl Bayrhammer, Toni Berger , Marianne Lindner oder Christiane Blumhoff. Gesprochen wurde übrigens schon immer ein bereinigtes Bairisch – ein Tribut an die Allgemeinverständlichkeit und Stein des Anstoßes für die Sprachpfleger. Möglicherweise ist deshalb auch diese Zeitung unter der Rubrik „Am Samstag ferngesehen“ beim ersten Komödienstadel zu dem Urteil gekommen: „Das Ganze wird serviert wie Münchner Bier in Konservenbüchsen“, gleichwohl sei es vorzüglich gespielt.

Waren es in den Anfangszeiten zwei Stücke im Jahr, werden heute immerhin vier produziert. Noch immer erreichen sie im Bayerischen Fernsehen zweistellige Marktanteile und schafften es in einer Studie zur Beliebtheit von BR-Sendungen zuletzt auf Platz sieben, gleich hinter „Ottis Schlachthof“, wie Pressesprecher Rudi Küffner bei der Ausstellungseröffnung vermelden konnte.

Ein klares Signal zum Weitermachen. Auch wenn man generationenübergreifende Motive wie die Beatmusik verwende, „den schönen Schwankregeln bleiben wir treu“, versicherte der verantwortliche Redakteur Hubert Haslberger. Ein junger Regisseur, der bereits in zwei Produktionen eine neue Farbe bringen durfte, ist Matthias Kiefersauer, Kolumnist dieser Zeitung. Seinen ersten Komödienstadel habe er, wie viele seiner Generation, wohl beim Opa im Wohnzimmer gesehen. Ob er nicht lieber wilde Sachen drehen wolle, fragte Küffner. „Man bot mir an, einen wilden Komödienstadel zu machen“, antwortete Kiefersauer schlitzohrig. Mit Regisseuren wie ihm könnte es der Komödienstadel auf nochmal 50 Jahre bringen.

Die Ausstellungzum Komödienstadel mit dem Titel „Von braven Sündern, Kuckuckskindern und verkauften Großvätern“ ist bis 19. Juni montags bis freitags von 10–18 Uhr im Funkhaus, Eingang Hopfenstraße, zu besichtigen. „Der lange Komödienstadel-Abend“ im Bayerischen Fernsehen läuft am 13. Juni ab 20.15 Uhr.

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