Starke Frauen

Das ZDF zeigt Martin Enlens Drama „Ein Dorf schweigt“ über das Schicksal einer Heimatvertriebenen.

Dem Schicksal der Heimatvertriebenen widmete das ZDF bereits den Mehrteiler „Die große Flucht“ (2001) aus der Werkstatt Guido Knopps. Nun beschäftigt sich ein fiktionaler Fernsehfilm mit dieser Thematik.

Martin Enlens Streifen „Ein Dorf schweigt“ nach dem Drehbuch von Henriette Piper, zu sehen am Donnerstag um 21 Uhr, erzählt die Geschichte der Schlesierin Johanna (Katharina Böhm), die mit ihren beiden Kindern Ulrike und Fritzchen nach dem Krieg in einem hessischen Dorf landet.

Die Einheimischen machen kein Geheimnis daraus, dass die Neuankömmlinge nicht willkommen sind. Sie nennen sie wenig schmeichelhaft „Kartoffelkäfer“. Johanna soll Quartier im Pfarrhaus beziehen, doch der Pfarrer (Uwe Kockisch) verweigert der kleinen Familie den Zutritt. Der Bürgermeister bringt sie daher im Haus seiner Schwester Gisela (Inka Friedrich) unter.

Die hat gerade durch einen tragischen Unglücksfall ihren Sohn verloren und will keine Fremden im Haus. Doch langsam freunden sich die Frauen miteinander an, Johanna hilft Gisela in deren Friseurgeschäft. Ihr Verhältnis ändert sich schlagartig, als Giselas Mann Paul (Stephan Kampwirth) aus Kriegsgefangenschaft heimkehrt.

Die attraktive Johanna kann als ehemaliger Flüchtling Pauls schreckliche Kriegserlebnisse besser teilen als Gisela, die die gesamte Kriegszeit in ihrem Heimatdorf verbracht hat. Als Johanna, ohne es zu ahnen, an einem wohlgehüteten Geheimnis rührt, spitzt sich die Situation dramatisch zu.

Enlen verwebt in seinem Film das typische Schicksal einer Flüchtlingsfrau im frühen Nachkriegsdeutschland mit einer Dreiecksgeschichte und spart auch das Erbe der nationalsozialistischen Herrschaft nicht aus.

Nicht nur für den Regisseur war der Film eine Art Vergangenheitsbewältigung. Auch die Drehbuchautorin, die Redakteurin und die Produzentin des Films sind nach Angaben des ZDF Kinder oder Enkel von Heimatvertriebenen.

Hauptdarstellerin Katharina Böhm, Tochter des Schauspielers und „Menschen für Menschen“-Gründers Karlheinz Böhm, empfindet große Bewunderung für die Frauen, die gezwungen waren, mit einer auf den Kopf gestellten Rollenverteilung zu leben und plötzlich selbst für den Unterhalt der Familie zu sorgen: „Es muss furchtbar gewesen sein, den eigenen Kindern sagen zu müssen, dass es nichts zu essen gibt und sie hungern müssen“, so die 44-Jährige, die sich durch Gespräche mit Älteren und die Lektüre von Büchern zum Thema auf die Rolle vorbereitete.

„Diese Zeit darf nicht vergessen werden“, findet Katharina Böhm, und auch der Regisseur versteht seinen Film als eine Art Denkmal. Er endet mit der Widmung: „Für unsere Mütter und Großmütter, die uns durch ihren Mut und ihre Kraft eine Zukunft gegeben haben.“

Rudolf Ogiermann

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