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Streikvorbereitungen: Julia (Jule Ronstedt, r.) und ihre Kollegin Rosi (Vera Baranyai) in „Genug ist nicht genug“.

Wenn 23 Millionen Menschen streiken

„Genug ist nicht genug“ (ARD) schildert, was passieren würde, wenn ehrenamtliche Helfer ihre Arbeit niederlegen

„Was wäre, wenn es uns einfach nicht mehr gibt?“, fragt Julia ihre Freundin Rosi. „Das totale Chaos“ entgegnet diese. Denn oftmals vermisst man Menschen oder Dinge erst dann, wenn sie nicht mehr da sind. Bis dahin gilt ihre Präsenz als selbstverständlich. Davon können ehrenamtliche Helfer mehr als nur ein Lied singen. Damit ihre Stimmen nun auch bundesweit Gehör erhalten, widmet sich die ARD-Themenwoche noch bis Samstag dem Ehrenamt in all seinen Facetten. Mit „Genug ist nicht genug“, zu sehen heute um 20.15 Uhr im Ersten, steuert der Bayerische Rundfunk (BR) den einzigen fiktionalen Beitrag zur Themenwoche bei.

Dabei werfen Regisseur Thomas Stiller und Autor Oliver Frohnauer die (noch) hypothetische Frage auf, was den passieren würde, wenn alle Menschen, die ein Ehrenamt bekleiden, plötzlich streiken würden. Das wären dann rund 23 Millionen Menschen, immerhin ein Drittel der Bevölkerung. „Solch ein Streik wäre katastrophal. Der Film ist ein Szenario, das zeigt, was passieren könnte, wenn sich alle ehrenamtlichen Helfer dazu entschließen würden“, sagt Stiller.

Der Aufstand im Fernsehfilm findet zwar „nur“ im kleinen, fiktiven Ort Freyling an der Isar statt, doch die Aussage bleibt die Gleiche, egal ob Dorf, Landkreis oder Metropole. Würden die Ehrenamtlichen streiken, wäre Deutschland lahmgelegt. Kein Schiedsrichter mehr auf dem Fußballplatz, keine Freiwillige Feuerwehr, keine engagierten Altenbetreuer oder Mitarbeiter in sozialen Einrichtungen.

„Das Ehrenamt ist ein riesiges Feld, wir haben uns auf einen Bereich spezialisiert, der die notwendige Dramatik in die Handlung bringt“, so Stiller. In „Genug ist nicht genug“ wird die Geschichte der Hausfrau und Mutter Julia Holmer (Jule Ronstedt) erzählt, die sich in ihrer Freizeit als Betreuerin für pflegebedürftige Menschen engagiert. In einer Zeit, die von der Wirtschaftskrise gezeichnet ist, geht es allen schlecht. Das Geld sitzt nicht mehr locker, die Banken geben keinen Kredit mehr und auch der lokale Großarbeitgeber droht, den Standort Freyling zu verlassen. Wen interessieren da noch die Probleme der freiwilligen Helfer? Doch Julia und ihre Kollegin Rosi (Vera Baranyai) kämpfen trotz heftigen Widerstands gegen die Kürzungen im Sozialbereich und für mehr Anerkennung.

„Es ist die Emanzipationsgeschichte einer einfachen Hausfrau, die mit der Geschichte wächst. Aber alle Probleme kann sie auch nicht lösen“, sagt Stiller. Aber sie versucht es wenigstens. „Die Pflegedienste sind ebenfalls Leidtragende der momentanen Lage. Es geht dem Film nicht darum, Buhmänner zu finden, schließlich haben alle ihre eigenen Nöte, sondern darum, auf die Taten der vielen ehrenamtlichen Helfer aufmerksam zu machen“, betont der 47-jährige Regisseur, dessen Krimi „Zwölf Winter“ vergangene Woche im ZDF zu sehen war.

„Als ich gefragt wurde, ob ich den Film machen will, habe ich spontan zugesagt, obwohl die Thematik von der meiner sonstigen Filme ziemlich abweicht.“ Aber warum stellt Stiller solch ein großes Thema am Beispiel einer kleinen Familie dar? „Große Themen können über Einzelschicksale besser transportiert werden. Der Zuschauer identifiziert sich eher mit konkreten Figuren.“ Der Filmemacher hofft, dass sich die Themenwoche positiv auf das Ehrenamt auswirken wird.

Ob er denn auch selbst ehrenamtlich tätig ist? „Leider fehlt mir die Zeit, aber Vera Baranyai betreut ehrenamtlich krebskranke Menschen. Das beeindruckt mich sehr.“

von Barnabas Szöcs

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