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Präsentiert die „bestmögliche Bank“: Thomas Gottschalk ist mit „Wetten, dass...?“ (ZDF, 20.15 Uhr) an diesem Samstag zu Gast in der Münchner Olympiahalle.

Thomas Gottschalk: „Wir leben in einer anderen Welt“

Thomas Gottschalk freut sich auf München und erklärt, warum er auch mit weniger Zuschauern zufrieden ist.

Thomas Gottschalk ist zurück in München – und auch wenn der winzige (Neben-)Raum, in dem an diesem Tag die obligatorische Pressekonferenz stattfindet, so gar nichts Erhabenes hat, ist die Olympiahalle doch „heiliger Grund“ für den 58-Jährigen. Hier hatte er im Jahr 1972 ein erstes „Date“ mit seiner späteren Ehefrau Thea, ein Konzert von Deep Purple.

Doch nicht Nostalgie treibt den großen Blonden diesmal an die Isar, sondern sein Job. An diesem Samstagabend gastiert „Wetten, dass...?“ in München, zum ersten Mal seit sieben Jahren und zum zweiten Mal überhaupt in der bald dreißigjährigen Geschichte der ZDF-Show. „Ich habe keinen Einfluss auf die Spielorte“, beteuert Gottschalk und bekennt, dass München „Segen und Fluch“ zugleich für ihn sei. Er genieße „einen gewissen Heimvorteil“, müsse sich aber „auf die Zehenspitzen stellen“, um das hiesige Publikum für sich zu gewinnen.

Deswegen haben der Mainzer Sender und der Moderator bei den Gästen „nachgebessert“. Kim Catrall, Star der Kultserie „Sex and the City“, bringt ein wenig internationales Flair auf die berühmte Couch. Mit Iris Berben, dem FC-Bayern-Fußballer Franck Ribéry, Sänger Rolando Villazon und Komiker Mario Barth hat Gottschalk die „bestmögliche Bank“ zusammen. Das sei aber, so schiebt er gleich nach, nichts Besonderes, denn „ich habe immer das Bestmögliche“.

"Wetten, dass...?": Bilder vom Aufbau

Die Münchner Sendung ist die 181., die Zeit vergeht, doch alte Liebe rostet nicht, ob es sich um Thea handelt, um Deep Purple oder um Helden der Komik. Über Otto Waalkes könne er immer noch lachen, gesteht der Entertainer, über Mario Barth nicht so, anders als das junge Publikum, das er ja nicht an die Privaten verlieren will. Und „wenn ich ihn kriege, dann nehme ich ihn“.

Unterhalter sei er, kein Politiker, betont Gottschalk, und doch sucht er Mehrheiten – und beschwört dabei die gute alte Zeit der Samstagabendshow für die ganze Familie herauf. „Zielgruppe“ dürfte ein Wort sein, das er gar nicht gerne hört und in den Mund nimmt. Stattdessen will er ein „Missionar“ sein, der alle zu „Wetten, dass...?“ bekehren will, von den Kindern, die sich freuen, wenn Gleichaltrige bei der Kinderwette Höchstleistungen bringen, bis zu den Opernfans, die einschalten, um Rolando Villazon zu erleben.

Er liebt sein Publikum – und das Publikum liebt ihn, das hat er vor ein paar Tagen in einem Münchner Café wieder erfahren dürfen, als sich die Jugend jubelnd um ihn scharte. Ein Erlebnis, das ihn glücklich macht, weshalb er es auch den versammelten Journalisten gerne anvertraut: „Dass 14-Jährige noch so ein Theater machen wegen mir, ist untypisch.“

Bei „Wetten, dass...?“ schart sich immer weniger Jugend um ihn, ein Trend, der ihn, bei aller zur Schau getragenen Lässigkeit, doch nicht ganz kalt lässt. Vor zehn Jahren habe er sich noch Sorgen gemacht, als er nur noch 16 statt 18 Millionen Zuschauer gehabt habe, sagt Gottschalk zwar, und dass er sich jetzt keine mehr mache: „Ich habe Zahlen, bei denen sich andere in den Armen liegen würden.“ Und deshalb sollten – gerne unterstützt von den Medien – nicht die, die nur die Hälfte schaffen, behaupten, sie hätten gewonnen.

Zehn Millionen fesselt er noch immer, doch Gottschalk liefert bereits Argumente dafür, dass auch weniger noch akzeptabel seien. „Wir leben in einer anderen Welt“, sagt der Mann mit den langen, noch immer ziemlich blonden Haaren. Früher habe es zwei Sender gegeben, jetzt gebe es zu allem (TV-)Überfluss auch noch das Internet: „Aber solange ich eindeutig mehr Zuschauer habe als alle anderen, mache ich mir keine Sorgen.“ Und der König des Samstagabends erzählt genüsslich, dass Journalisten ihm schon im Jahr 1989 bescheinigt hätten, „dass die Sendung am Ende ist“.

Kritik nimmt Gottschalk nach eigenen Worten gerne an, vor allem, wenn er selbst wisse, dass er nicht gut war. Besonders nachdenklich machen ihn die subtilen Worte seiner Frau, die ihm sage, sie habe eine bestimmte Szene nicht gesehen, weil sie gerade draußen war. Dabei grinst er, und trotzdem darf man vermuten, dass er erst zufrieden ist, wenn am Ende dieses Samstags mindestens zehn Millionen Zuschauer keine Minute der Show verpasst haben.

Von Rudolf Ogiermann

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