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Riesenbaby: Matthias Brandt spielt den schüchternen Erwin, der zusammen mit seiner Mutter (Monica Bleibtreu) eine Tankstelle betreibt.

Monica Bleibtreu: Ihr letzter Film

In „Die zweite Frau“ (ARD) spielt die verstorbene Monica Bleibtreu die Mutter eines 41-Jährigen, der noch bei der Mama lebt.

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Erwin Kobarek ist 41, doch er lebt noch immer bei seiner Mutter. Beide führen eine kleine Tankstelle an einer Landstraße irgendwo in der Provinz. Und beide halten den Zeitpunkt für gekommen, dass sich Erwin nach einer Frau umsieht – in Rumänien. Matthias Brandt spielt unter der Regie von Hans Steinbichler den schüchternen Mann in dem Film „Die zweite Frau“ (ARD, heute um 20.15 Uhr). An seiner Seite Monica Bleibtreu, die seine Mutter darstellt. Es war ihr letzter Fernsehfilm, die Schauspielerin starb vor wenigen Wochen im Alter von 65 Jahren.

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Bleibtreu litt an Krebs, schon vor zwei Jahren, bei den Dreharbeiten zu „Die zweite Frau“, der im Herbst vergangenen Jahres bereits bei Arte lief, war sie krank. In einem wenige Tage vor ihrem Tod geführten Gespräch äußerte sich Bleibtreu lobend über ihren Kollegen Brandt. Er habe „eine Gabe dafür, scheinbar tumbe Typen mit großem Feingefühl zu spielen“. Regisseur Steinbichler sei aufmerksam, er lasse den Akteuren genug Freiraum, „ohne sie aus den Augen zu verlieren“. Maria Popistasu sei „eine absolute Entdeckung“, schwärmte die Schauspielerin.

„Auf den ersten Blick mag die Mutter, die ich spiele, hart wirken, aber sie ist es nicht“, fuhr Bleibtreu fort. „Sie ist eine pragmatische Frau, die zu ihrem Sohn freundlich und herzlich ist. Zu der jungen Rumänin ist sie es weniger.“ Die Nabelschnur zum Sohn sei noch längst nicht durchgeschnitten: „Die beiden lieben sich und hängen sehr aneinander. Deshalb ist es ein besonders großer Schritt sowohl für den Sohn, sich eine zweite Frau zu suchen, als auch für die Mutter, ihn loszulassen. Ich mochte das Buch auf Anhieb. Die Idee, dass eine Mutter ihrem Sohn aus Liebe eine Frau kauft, finde ich grandios.“

In dem modernen Heimatdrama kommt Erwin mit der Krankenschwester Irina (Maria Popistasu) nach Hause, die ein bisschen Deutsch spricht. Im Katalog war sie – wie alle anderen heiratswilligen Frauen aus Rumänien – als „lieb, warmherzig und treu“, beschrieben worden. Die Abmachung ist, dass die beiden es drei Wochen lang miteinander versuchen wollen, bevor sie sich entscheiden, ganz zusammenzubleiben. Doch sie kommen kaum dazu, einander kennenzulernen, denn Erwins Mutter dominiert das Leben im Haus. Kurz vor dem Ende der Probezeit will Irina wissen, woran sie ist. Als Erwin sie vertröstet, er müsse noch mal „mit Mama sprechen“, lässt sie keinen Zweifel daran, was sie davon hält: „Bist du Mann, oder was? Scheiß auf Mama!“ Selbst als die Mutter – welch eine Ironie des Schicksals – an Krebs erkrankt und ins Krankenhaus kommt, kann sich Erwin noch nicht entscheiden.

Die 29-jährige Maria Popistasu, die als Irina zu sehen ist, machte international auf sich aufmerksam, als sie in dem britischen Zweiteiler „Sex Traffic“ die Rolle einer jungen Frau spielte, die als Sexsklavin verkauft wurde. In „Die zweite Frau“ ist die Rumänin eine ebenbürtige Partnerin ihrer deutschen Kollegen. Das Drehbuch schrieb der Österreicher Robert Seethaler. Im März dieses Jahres wurden Regisseur Steinbichler sowie die Schauspieler Brandt und Popistasu mit dem renommierten Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet.

Von Carsten Rave

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