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Thomas Schmauser als Rudolph Moshammer in „Der große Rudolph“.

Filmkritik und Interview

Moshammer-Film in der ARD: Er lässt Mosi wieder leben

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Moshammer-Film in der ARD: Thomas Schmauser spielt den Modezaren in „Der große Rudolph“ - und lässt Rudolph Moshammer wieder leben.

Gute Quoten für den Rudolph-Moshammer-Film „Der große Rudolph“ am Mittwoch in der ARD: Insgesamt 4,11 Millionen Menschen schalteten bei der Erstausstrahlung ein. Das entspricht , 14,6 Prozent Gesamtmarktanteil entsprach. „Der große Rudolph“ funktionierte auch beim jungen Publikum: 0,76 Millionen 14- bis 49-Jährige schalteten ein. (Gesamtmarktanteil von 8,5 Prozent in diesem Segment).

Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen zum Rudolph-Moshammer-Film und 

Rudolph-Moshammer-Film: So sehen Sie „Der große Rudolph“ im Stream in der ARD Mediathek

Haben Sie den Film „Der große Rudolph“ am Mittwochabend im TV verpasst? Kein Problem: Sie können den Rudolph-Moshammer-Film im Stream in der ARD Mediathek schauen.

Der große Rudolph: Die beantwortet die wichtigsten Fragen zum Rudolph-Moshammer-Film 

Der Film war sicher anders, als viele erwartet haben. Der große Rudolph war keine Biografie über Rudolph Moshammer im eigentlichen Sinn, sondern eine Gesellschaftssatire und Porträt. Die tz beantwortet die Fragen, die Sie sich nach dem Anschauen vermutlich gestellt haben.

Warum kommen Mosis Schwulsein und der Mord nicht vor?

Autor und Regisseur Alexander Adolph: „Ich wollte Rudolph Moshammer auf keinen Fall auf seine Homosexualität reduzieren.“ Das wäre seiner Ansicht nach aber passiert, wenn man Mosis Ende in die Geschichte mit eingebaut hätte.

War Mosi wirklich ständig pleite?

Zu Beginn seiner Karriere ja. Der Film spielt ja in den 80ern. Mosi kam aus sehr einfachen Verhältnissen, der Vater war Trinker, versoff das Geld. Mit dem Erfolg der Mode kam dann der Reichtum.

Gab es ein Mädchen wie Evi in Mosis Leben?

Nein, die Figur, die von Lena Urzendowsky gespielt wurde, ist eine Erfindung. Es gab laut dem BR keine Frau, die von Mosi zwecks Kundenbindung angestellt war.

"Mama" Else Moshammer (Hannelore Elsner) und "Rudi" Rudolph Moshammer (Thomas Schmauser) in einer Szene von „Der große Rudolph“.


„Der große Rudolph“: Thomas Schmauser (spielt Rudolph Moshammer) im Interview

Es ist sicher einer der Filme des Jahres – zumal fürs bayerische Publikum. Der große Rudolph erzählt vom München der 80er-Jahre, von Sein und Schein, von der neureichen Schickeria und natürlich von ihm: Rudolph Moshammer (1940- 2005). Thomas Schmauser spielt den Modezaren.

Und man kann nur staunen, was der 45-Jährige, der 2003 für Furore sorgte, als er einen nervtötenden fränkischen Kollegen von Udo Wachtveitl und Miro Nemec im Tatort spielte (Der Prügelknabe), da wieder abliefert. Wir sprachen mit dem Wahl- Münchner, der seit 2017 zum Ensemble des Residenztheaters gehört, über die „poetische Komödie“ (Schmauser über Der große Rudolph) und die Frage, was ihn persönlich an Mosi so fasziniert.

Herr Schmauser, wie sind Sie zu Mosi geworden?

Thomas Schmauser: Man kann es pathetisch beantworten und sagen: mit Liebe. Denn mit Fleiß allein ist da nichts zu machen (lacht). Dafür war Moshammer viel zu eigen. Wenn man sich aber einmal in die Idee verliebt hat, die Rolle zu spielen, kann man viel bewerkstelligen. Also habe ich versucht, alle Sachen, die mich an ihm faszinieren, irgendwie zu verstehen. Und nicht zu imitieren – das ist wichtig.

Was fasziniert Sie denn an der Figur Moshammer?

Schmauser: Ich hatte das Gefühl, dass er von sich immer eine Art von Aufrichtung verlangt hat. Für sich! Ich habe mir Interviews angeschaut mit Hannelore Elsner und Thomas Schmauser (Foto o.) spielen mit großer Hingabe Mutter und Sohn in „Der große Rudolph“ (li.) Fotos: ARD ihm – man sieht ihn nie ohne Haltung. Auch wenn er selbst nicht im Fokus stand, wenn er zum Beispiel in Talksendungen mit anderen Leuten zu Gast war – saß er immer aufrecht. Das hat mich fasziniert, weil ich mich frage: Wie muss jemand sich selbst empfinden, wenn er immer diese Haltung bewahrt, auch wenn er nicht im Fokus steht? Für mich strahlt das eine große Einsamkeit aus.

Sie haben sich für Ihre Vorbereitung wahrscheinlich all seine öffentlichen Auftritte angeschaut, oder?

Schmauser: Ich habe mir alles angeschaut, was man im Internet über ihn finden kann. Aber das hat mir ehrlich gesagt gar nicht so viel gebracht. Viel beeindruckender waren für mich die alten Originalfotos. Wo man sieht, wie er im Verhältnis zur Mutter steht. Wie er die Mutter hält. Wie er sie und seine Umwelt beobachtet. Diese Schnappschüsse sind manchmal besser als bewegtes Bild. Da spürt man, wie ein Moment, ein Gedanke wie festgefroren ist.

Das klingt alles tatsächlich sehr liebevoll. Haben Sie Sympathien für Moshammer?

Schmauser: Ich bin nicht der Anwalt. Aber ich habe Sympathie für alle Menschen, die etwas versuchen. Für alle, die etwas ausprobieren, was nicht der Norm entspricht. Und das hat er. Eindeutig.

Schmauer: Darum spart der Film den Mord an Rudolph Moshammer und sein Schwulsein aus

„Der große Rudolph“ spart den Mord an Moshammer wie auch sein Schwulsein aus. Finden Sie das richtig?

Schmauser: Ja, es wäre falsch gewesen, einen Film über sexuelle Eskapaden zu drehen, über die wir ja eh nichts wissen. Denn Moshammer führte – obwohl er so stark in der Öffentlichkeit stand – ein heimliches Leben. Die Art, wie er im Film Männer beobachtet, verrät aber schon eine Sehnsucht. Sie wird nur nicht szenisch ausgelebt. Der Film hat von dem Moment an Wellen geschlagen, als bekannt wurde, dass es ihn geben wird. Hatten Sie damit gerechnet, dass Mosi auch heute noch für Schlagzeilen sorgt?

Der Film hat von dem Moment an Wellen geschlagen, als bekannt wurde, dass es ihn geben wird. Hatten Sie damit gerechnet, dass Mosi auch heute noch für Schlagzeilen sorgt?

Schmauser: Nein, mir als Schauspieler war das nicht klar, und solche Sachen sind mir auch nicht wichtig. Ich bin ja nicht der, der das ganze Projekt verantwortet, sondern agiere eher als Guerillakämpfer. Mein Job ist dieser eine Bereich, diese eine Flanke, die ich abdecke. Und das versuche ich so intim wie möglich zu tun.

Sie haben den Film ja schon geschaut. Was ist das für ein Gefühl, wenn Sie sich da als Moshammer sehen?

Schmauser: Mich beruhigt das irgendwie (lacht). Weil ich das Gefühl habe, dass es funktioniert. Ich finde, dass man vieles erkennt, woran wir gearbeitet haben. Darüber bin ich glücklich. Denn mir war natürlich klar: Die Gefahr des Missverständnisses ist bei so einer exponierten Figur sehr groß. Die Fallhöhe! Für mich war es wichtig, dass wir Rudolph Moshammer mit diesem Film nicht entlarven. Oder sagen wollen, wie er angeblich wirklich war. Das fände ich vermessen und unangemessen. Bei uns ist es, wie wenn ein guter Musiker eine tolle Partitur nachspielt. Wenn man denkt: Schumann… war schon ein geiler Typ (lacht). Wenn uns das mit dem Film gelänge, wäre es am tollsten.

Haben Sie Moshammer jemals persönlich erlebt?

Schmauser: Ich erinnere mich an eine Situation als Schüler. Ich kannte ihn nicht, sein Name war mir kein Begriff. Aber ich ging an dem Laden vorbei. Er steht da drin, und ich denke: Eigenartig. Das werde ich nie vergessen.

Hannelore Elsner über ihre Rolle als Rudolph Moshammers Mutter Else

Thomas Schmauser ist die Idealbesetzung für Mosi – das Gleiche gilt für Hannelore Elsner als dessen Mutter Else. „Ich war sofort Feuer und Flamme, als mir diese Rolle angeboten wurde“, sagt Elsner der tz. Die Beziehung der beiden habe „die Wucht einer griechischen Tragödie“. Diese „übergroße Liebe, die der Sohn zu seiner Mutter empfunden hat“, fasziniere sie bis heute. Elsner: „Allein die Geschichte, wo die beiden herkommen… dass der Vater alles versoffen hat, dass sie alles verloren haben, das war, denke ich, ihr Antrieb im Leben. Else wollte nie wieder arm sein und wollte auch, dass ihr Sohn niemals arm ist.“ Persönlich gekannt hat Elsner die Moshammers übrigens nicht. „Nein“, sagt Elsner. „Meine Welt war Yves Saint Laurent.“

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