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Führte ein Doppelleben: Rudolph Moshammer.

Doku über Moshammer-Mord: Tragisches Ende einer Kultfigur

München - Zum Start der achten Staffel der ARD-Reihe "Die großen Kriminalfälle" rückt ein Mord in den Blickpunkt, der vor fünf Jahren in München für große Bestürzung sorgte: Der gewaltsame Tod des Modemachers Rudolph Moshammer.

Vor zehn Jahren, am 11. Mai 2000, hatte in der ARD die Dokumentationsreihe „Die großen Kriminalfälle“ Premiere. Im Lauf der Zeit entwickelte sie sich zu einer echten Marke. Das Konzept: Gegen den Trend TV-tauglicher Dramatisierung und Effektsteigerung die Wirklichkeit sprechen zu lassen, die ihre eigene spannende Dramaturgie hat. Am 5. Juli geht das Format in die nunmehr achte Staffel (montags um 21 Uhr) und wartet gleich zu Beginn mit einem Mordfall auf, der in München vor fünf Jahren wochenlang für Gesprächsstoff sorgte.

Unter dem Titel „Rudolph Moshammer – Der einsame Tod des Modemachers“ beleuchten Danuta Harrich-Zandberg und Walter Harrich jene Umstände, die am 14. Januar 2005 zum tragischen Tod des Originals führten. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Präzise, seriös, faktenreich und dennoch fähig, jene Emotionen zu transportieren, die (nicht nur) die Landeshauptstadt für Wochen in Atem hielt.

„Bei der Arbeit am Film hatte ich sofort dieses Gefühl von Nähe“, sagt Regisseurin Harrich-Zandberg im Hinblick auf die Person Moshammers, den sie persönlich gar nicht kannte. Und vielleicht spricht sie damit unbewusst jenes Verhängnis an, dem der Münchner (wie viele andere) zum Opfer fiel. Als populäre Kultfigur von vielen geliebt, war er Zeit seines Lebens einsam, ein Mensch, der nur im Schutze einer glamourösen Rolle funktionierte, gleichzeitig aber an ihr zerbrach. Dessen Homosexualität offenes Geheimnis und zugleich gesellschaftliches Tabu war. Dass der Film dieser Doppelbödigkeit gerecht wird, zeichnet ihn aus und gehört zugleich zum Konzept der ARD-Reihe. „Unsere Fälle müssen immer auch ein gesellschaftliches Phänomen miterzählen“, betont Esther Schapira, die zuständige Redakteurin. Dass das Phänomen ,Schein statt Sein‘ auch und gerade heute in manchen Gesellschaftskreisen zum guten Ton gehört, unterstreicht die Aktualität des Falles Moshammer.

Trotz aller gebotenen Pietät verschweigen die Filmemacher nicht, dass die schnelle Aufklärung des Mordes ein großer Ermittlungserfolg für die Münchner Polizei war. „Der Fall hat was bewegt“, erklärt Harald Pickert, damals Leiter der Ermittlungskomission und meint die binnen 48 Stunden erfolgte Überführung des Täters per DNA-Abgleich, die eine Diskussion über die Ausweitung von Gen-Analysen in Gang setzte.

Fehlt eigentlich nur eines: die Stimme des Täters. Zwar setzte sich Danuta Harrich-Zandberg mit dem zum Tatzeitpunkt 25-jährigen Iraker Herisch A. in Verbindung. Ein Interview kam jedoch nicht zustande. Esther Schapira stört das nicht weiter. Schließlich gehöre es auch zur Idee der Reihe, Tatmotive aufzuzeigen, ohne den Täter durch allzu ausufernde Analysen im Nachhinein zum Opfer zu machen. Ob Erklärungsversuche immer gleich den Keim der Entschuldigung in sich tragen, sei dahingestellt. Im Rahmen des gelungenen Films ist diese Leerstelle zu akzeptieren.

Auch der zweite Film der neuen Staffel befasst sich mit einem Mord im Umkreis von München. Ulrike Brincker und Rüdiger Lietke rollen den Fall Ingrid van Bergen nochmals auf. Die Schauspielerin hatte im Jahr 1977 in Starnberg ihren Geliebten Klaus Knaths erschossen.

Markus Mäckler

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