München sucht die „Popstars“

In der achten Staffel der Pro-Sieben-Show wird ein Gesangs-Duo gecastet – 600 Teilnehmer in der Alten Kongresshalle.

Massencastings sind mittlerweile kaum noch aus der heutigen Fernsehlandschaft wegzudenken. Kaum ein Sender, der ohne ein entsprechendes Format auskommt, kaum eine Sparte, die nicht via Jury ausgesucht wird. Die Palette ist fast unüberschaubar, denn gesucht wird alles: Musiker, Schauspieler, Tänzer, Idole, Löffelverbieger und Models. Besonders die Musikbranche ist von dem modernen Castingwahnsinn befallen.

Als Pionier solcher Talentschauen gilt „Popstars“ auf Pro Sieben, die sich seit dem Jahr 2000 aufmacht, junge Künstler zu entdecken, auszubilden und natürlich zu vermarkten. Zusammengewürfelte Bands wie No Angels, Bro’Sis oder Monrose sind – teilweise mit beachtlichem Erfolg – bereits der Show entsprungen.

Zum Castingstart der achten Staffel von „Popstars“ (die Ausstrahlung ist für August geplant) fanden sich in der Alten Kongresshalle in München mehr als 600 Kandidaten ein, um sich von den Juroren Detlef D! Soost, Alex Christensen und Michelle Leonard für gesangstauglich erklären zu lassen. Weitere Castings werden in Stuttgart, Düsseldorf und Berlin stattfinden. Getreu dem neuen Motto „Du & Ich“ wird ein Duo gesucht, bei dem diesmal beide Geschlechter für die Castings zugelassen sind. „Wir werden auch dieses Jahr viele Bewerber haben, aber nur zwei können es diesmal schaffen“, sagt Jurymitlied und Choreograf Soost.

Und so sind haben sie sich alle vor der Kongresshalle eingefunden, meist kräftig gestylt: ob das Haar hochtoupiert, unfassbar geglättet, ob mit Kappe, Hut oder Sonnenbrille. Alles ist vertreten. Schließlich kann dies der erste Schritt ins heißgeliebte Showgeschäft sein. Doch zunächst heißt es warten. Punkt 14 Uhr wird die Menschenmenge in die Halle gelassen, um dann, wie am Reißbrett konzipiert, ordentlich und für die Kameras vorteilhaft im gesamten Raum verteilt zu werden.

Ein Popstar-Animateur – mit einen unglaublich lautem Megaphon ausgestattet – koordiniert und lenkt die Teenies, die wie auf Knopfdruck klatschen, schreien oder winken. Die Anspannung ist spürbar, denn jede Minute wird die dreiköpfige Jury auf der kleinen Bühne erwartet, welche in der Eingangshalle aufgebaut ist. Schnell nochmal den Lippenstift nachziehen, die Frisur erneut richten und das Outfit zurechtrücken. Während die meisten sich viel von diesem Casting erhoffen, sind andere aus reinem Spaß an der Freude gekommen. Wie etwa Kim (16) und Nadja (17) aus Nürnberg, die im Internet vom Castingtermin erfahren haben: „Das war eine ganz spontane Aktion. Wir wollten einfach mal dabei sein.

Aber ein bisschen nervös sind wir nun doch.“ Ein wenig anders sieht es bei der 17-jährigen Jil aus. Sie ist mit ihrer Mutter fünf Stunden aus Osnabrück angereist, um vor der Jury zu performen: „Ich erhoffe mir schon etwas, sonst wäre ich ja nicht so weit gereist“, sagt Jil, die schon bei einigen Castings dabei war. Auch die 18-jährige Kandidatin Olivia gilt mit drei Castingversuchen bereits als alter Hase. Selbstbewusst sagt sie: „Es ist eine große Chance für mich. Und ich weiß, ich kann es schaffen.“ Um vor der erfahrenen Jury auftreten zu dürfen, mussten alle Kandidaten am Morgen durch ein „Vor-Casting“. Mittlerweile hat sich die Jury auf der Bühne eingefunden, und der Jubel kennt keine Grenzen. Es wird (natürlich) geklatscht, geschrien und gewunken. Nach diesem kurzen Intermezzo ist wieder warten angesagt.

Nicht ohne Grund wurden überall in der Halle Sofas und sonstige Sitzgelegenheiten positioniert. „Das kann locker drei Stunden dauern“, weiß Jil zu berichten. Sie muss es wissen. Tatsächlich verzögert sich das Vorsingen beträchtlich. Mittlerweile ist es nach 17 Uhr, und die Castings haben immer noch nicht begonnen.

Auch vor der Halle wird gewartet und natürlich gesungen. Denn vor der Jury muss alles perfekt klappen. Dabei klingt der Ablauf zunächst recht unkompliziert: Gruppen mit jeweils 40 Kandidaten werden in den Castingraum geführt, um sich dann zu viert auf einer Bühne vor der Jury aufzustellen. Dann darf jeder einzeln seinen einstudierten Songs zum Besten geben. Oft dauert das Ganze jeweils nicht länger als 30 Sekunden. Wenn alles gut läuft, wird man am nächsten Tag zum „Recall“ eingeladen, bei dem das Lied vorgegeben ist.

Wer sich auch dort beweist, darf an den zahlreichen Workshops und Bandphasen teilnehmen. Wer weiß, ob wir Jil, Olivia, Nadja oder Kim im August dann in der TV-Show wiedersehen. Für Jils Mutter ist jetzt schon klar: „Ihr Seelenglück hängt davon nicht ab. Außerdem hat die Schule Vorrang, schließlich werden am Ende der Staffel eh nur zwei ausgewählt.“

von barnabas szöcs

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