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Paradiesvogel: Rudolph Moshammer (1940–2005) mit Schoßhund Daisy, nach dem Tod von Mutter Else ständige Begleiterin des Münchner „Modezaren“.

Münchner Filmemacherin über ihre Doku zum Mord an Rudolph Moshammer

München - Der Film „Rudolph Moshammer – Der einsame Tod des Modemachers“ von Danuta Harrich-Zandberg und Walter Harrich eröffnet am Montag eine neue Staffel der Reihe „Die großen Kriminalfälle“ (ARD, 21 Uhr).

Die Münchner Filmemacherin Danuta Harrich-Zandberg spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über ihre ARD-Doku zum Mord an Rudolph Moshammer.

Frau Harrich-Zandberg, es gibt ein Zitat von Erich Lejeune in diesem Film: „Er war ein einsamer Mensch auf der Suche nach Liebe.“ Was war Rudolph Moshammer für Sie?

Ich kann mich Erich Lejeunes Urteil nur anschließen. Rudolph Moshammer wollte um jeden Preis auffallen durch seine schrille Art, seine Selbstinszenierung, aber im Grunde ging es ihm um die Anerkennung als Person. Wenn man die Bilder sieht von den Weihnachtsfeiern mit den Obdachlosen, diese kitschige, aber auch heimelige Atmosphäre – er wollte sich geborgen fühlen, er wollte, dass die Menschen ihn aufrichtig lieben.

Die Münchner Kriminalpolizei hat gerne mit Ihnen zusammengearbeitet, wie Ihr Werk eindrucksvoll dokumentiert...

Ja, man kennt sich schon ziemlich lang...

...aber wie sah es mit den Menschen aus dem Umfeld Moshammers aus? So viele bekommt man in Ihrem Film nicht zu sehen...

Ich habe viele, die zu seinen Lebzeiten seine Nähe gesucht haben, angefragt. Aber es wollten nur wenige vor die Kamera. Ich nenne hier seinen Hausarzt Dr. Arnulf Borchers, seinen Chauffeur Andreas Kaplan und Roberto Blanco, mit dem Moshammer lange befreundet war. Kaplan hat mir gesagt, dass er für unseren Film zum letzten Mal ein Interview zu seinen elf Jahren mit Moshammer gegeben habe. Nun wolle er sein eigenes Leben leben.

Wie begegnet München „Mosi“ heute – nachdem durch den Mord auch die dunkle Seite seines Lebens bekannt wurde?

Wir, mein Mann und ich, haben bei unseren Recherchen kein böses Wort gehört über ihn. Wir haben vor einigen Jahren auch den Film über den Mord an dem Schauspieler Walter Sedlmayr gemacht, von dessen Homosexualität die Öffentlichkeit nichts ahnte. Da war es anders. Die Münchner haben ihm übel genommen, dass es auch diesen Walter Sedlmayr gab, auch wenn es kein Stricher war, der ihn umbrachte, wie man weiß. Aber – ein Bilderbuch-Bayer und dann schwul? Das ging nicht! Aber zwischen dem Mord an Sedlmayr und dem an Moshammer liegen 15 Jahre. Vielleicht hat sich die Einstellung zur Homosexualität seitdem geändert.

Was hat Sie am meisten überrascht oder erschüttert am Fall Moshammer?

Moshammer war sehr in unserer Nähe. Nicht persönlich, wir kannten uns nicht, sondern dadurch, dass er auch in Grünwald wohnte und oft in dem Restaurant aß, das sich in der Nähe unseres Büros befindet. Ich bin sogar an jenem Tag, als er seinen Mörder traf, zufällig noch ein Stück hinter ihm hergefahren. Und dieser Mensch, den man jeden Tag gesehen hat, ist nun einem Mord zum Opfer gefallen. Das hat mich erschüttert. Aber ich wollte keinen Film über einen Mordfall machen. Es sollte eine Hommage werden, das Porträt eines Paradiesvogels, an dem sich die Geister schieden.

Sedlmayr, Moshammer, Ingrid van Bergen, der eine weitere Folge der aktuellen Staffel gewidmet ist – wie kommt es, dass in München so viele Promis ermordet werden oder sogar selbst morden?

Also – die Morde haben natürlich nichts mit München zu tun. Die Biografien Sedlmayrs und Moshammers schon, glaube ich. Es ist diese Doppelmoral. Einerseits das Konservative, Traditionsbewusste, Religiöse, andererseits die gesellschaftlich nicht akzeptierte Form der Sexualität. Die Unvereinbarkeit dieser Extreme, das ist typisch für diese Stadt.

Woran arbeiten Sie im Moment?

Es gibt ein Projekt, das uns sehr am Herzen liegt. Es geht um das Oktoberfest-Attentat vor 30 Jahren. Ein Dokudrama. Ich wünsche mir, dass es verwirklicht wird. Im Interesse der Opfer und ihrer Angehörigen.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann

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