Prof. Christoph Neuberger ist Medienexperte der LMU

Interview mit Prof. Christoph Neuberger

Münchner Medien-Experte: „Das Fernsehen muss seine Rolle neu definieren“

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Wie sieht in Zeiten des Streamings die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender aus? Ein Gespräch mit Professor Dr. Christoph Neuberger vom Institut für Kommunikations- und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität.

Wissen Streaming-Dienster wie Netflix besser, wer ihre Kunden sind?

Ja. Wie alle Internetdienste verfügen sie über Daten, die an der Kinokasse nicht erfasst werden können. Streaming-Dienste haben einen tieferen Blick in die Präferenzen ihrer Nutzer, auch von den demografischen Profilen her. So können sie ihr Angebot optimieren.

Schadet das der Qualität?

Nein. Zum Teil sind das ausgezeichnete Produktionen. Das sogenannte Quality TV ist ja nicht neu. Darüber hat man schon vor 20 Jahren beim Bezahlfernsehen gesprochen. Das hat zum Boom neuer Erzählformen geführt mit teils sehr komplex angelegten Serien.

Kommt das klassische Fernsehen da noch mit?

Die großen Sender sind experimentierfreudiger geworden, orientieren sich am Quality TV mit eigenen Serien oder Jugendangeboten im Internet. Natürlich bleibt das Traumschiff das, womit ich das Massenpublikum erreiche. Das Durchschnittsalter ist bei ARD und ZDF relativ hoch. Die kann man mit komplexen Erzählformen kaum erreichen. Ein Spagat ist nötig. Aber man ist aufgewacht.

Lesen Sie dazu auch: Die Fernseh-Revolution: Gehören Netflix & Co. die Zukunft?

Wie sieht die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender aus?

Es geht vor allem darum, zu klären, was in Zeiten des Internets der Auftrag ist. Wir haben durch die föderale Struktur häufig Mehrfachproduktionen. Ein Klassiker sind auch Sportübertragungen. Brauche ich jedes einzelne Biathlon-Rennen, um meinem Auftrag gerecht zu werden? Auch im Unterhaltungsbereich kann ich fragen, wie viele Serien einer bestimmten Art nötig sind.

Wie würden Sie denn argumentieren?

Die Argumentation kann lauten, dass wir in vielen Bereichen des Internets auch unschöne Erscheinungen haben – Hasssprache zum Beispiel. Man braucht Orte, wo Meinungsbildung so stattfindet, wie wir es uns in einer Demokratie vorstellen. In diese Richtung würde ich den Auftrag entwickeln. Eine moderierende, navigierende Funktion. Im Internet braucht es jemanden, der den gesellschaftlichen Diskurs zusammenführt. Es geht also nicht mehr nur um Produktion. Das erfordert ein Weiterdenken. Welche gesellschaftlichen Ansprüche richten sich an das Internet? Informationsqualität, Freiheit, Vielfalt, Meinungsmacht. Da sehe ich die Öffentlich-Rechtlichen.

Interview: Wolfgang Hauskrecht

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