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Die Münchnerin Marion Gaedicke (52) hat ihre Erlebnisse in dem Buch Wunschkind verarbeitet.

Interview mit Adoptivmutter

Münchnerin liefert Vorlage für ARD-Film „Wunschkind“

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München - Der sehnliche Wunsch nach einem Baby erfüllt sich nicht. Davon handelt der berührende ARD-Film Wunschkinder. Ein Interview mit der Münchnerin, deren Geschichte die Vorlage lieferte. 

Viele Paare kennen das: Man ist eine Weile zusammen, vielleicht verheiratet, irgendwann geht es um das Thema Kinder. Während es bei manchen sofort klappt, gehen andere durch die Hölle, wenn der sehnliche Wunsch nach Nachwuchs nicht Wirklichkeit werden will. Davon erzählt der berührende Film Wunschkinder, der am Mittwochabend (25. Januar) im Ersten läuft. Marie (Victoria Mayer) und Peter (Godehard Giese) stehen im Mittelpunkt der ­Geschichte. Weil Marie auf ­natürlichem Wege nicht schwanger wird, versuchen es die ­beiden mit künstlicher ­Befruchtung. Als auch das nicht das erhoffte Ergebnis bringt, ­entscheiden sie, ein Kind ­adoptieren zu wollen. Eindrucksvoll wird im Lauf der 90 Minuten vom Hoffen und Bangen erzählt, von Enttäuschung, Verzweiflung, von bürokratischen Hindernissen, letztlich vom langen Kampf ums große Glück. Die Vorlage für den Film lieferte die Münchnerin Marion Gaedicke. 

Szene aus dem Film Wunschkinder.

Die 52-Jährige, die in einer Immobilienfirma arbeitet und vereinzelt als Producerin fürs Fernsehen tätig ist, hat ihre Erlebnisse in dem Buch Wunschkind verarbeitet, das 2009 erschienen ist. Wie die Geschichte des Films ausgeht, wollen wir nicht verraten. Die Geschichte von Marion Gaedicke und ihrem Mann ging gut aus – sie sind stolze Eltern zweier (adoptierter) Töchter, die inzwischen 16 Jahre alt sind. Wir sprachen mit der gebürtigen Berlinerin. 

Frau Gaedicke, Sie haben den Film gesehen. Was ist das für ein Gefühl, seine eigene Geschichte anzuschauen? 

Marion Gaedicke: Ich habe den Film mehrfach gesehen, das erste Mal mit der wunderbaren Regisseurin Emily Atef, einigen Kollegen und dem Produzenten des Films, Michael Polle. Der stellte zu Beginn der Vorführung eine ganze Packung Taschentücher auf den Tisch – und am Ende habe nicht nur ich geweint, sondern wir alle. 

Bei Ihnen kamen die Gefühle wieder hoch? 

Gaedicke: Ja. Ich war so überwältigt, dass ich zunächst nichts sagen konnte. Gerade die Szenen mit den Kindern in dem russischen Heim, wo meine beiden Kinder bis zur Adoption gelebt haben – sind mir sehr nahegegangen. Der Anfang des Films indes, der von unserem unerfüllten Kinderwunsch erzählt, von den Versuchen der künstlichen Befruchtung und den vielen Enttäuschungen, wenn es wieder nicht geklappt hatte, hat mich weit weniger berührt. 

Warum?

Gaedicke: Die Erinnerung daran bereitet mir keinen Schmerz mehr. Wir sind ja ­inzwischen eine Familie. 

Wie lange haben Sie ­versucht, ein Kind zu bekommen, bis es schließlich mit der Adoption klappte? 

Gaedicke: Sechs, sieben Jahre. Es war ein langer Weg. 

Gab es Momente, in denen Sie keine Kraft mehr hatten? 

Gaedicke: Ja, die gab es. Vor allem in der Zeit, als wir unsere ältere Tochter bereits im Heim kennengelernt hatten und die Adoption wegen willkürlicher bürokratischer Hürden zu scheitern drohte. 

Was hat Ihnen geholfen, durchzuhalten?

Gaedicke: Die Liebe zu diesem einen Kind. Mein Mann und ich hatten das Gefühl, dass wir gar nicht mehr zurückkönnen. 

Sie haben all das in einem Buch verarbeitet. Was hat Sie bewogen, diese so privaten Erlebnisse öffentlich zu machen? 

Gaedicke: 2009 gab es noch mehr Vorurteile über das Thema Adoption als heute. Nach dem Motto: Reiche Ausländer fliegen um die Welt und kaufen sich Kinder. Das hat mich geärgert. Ich wollte erzählen, wie so eine Adoption bei vielen wirklich abläuft, mit welchen Beschränkungen etwa im Hinblick aufs Alter man zu tun hat und so weiter. Und ich wollte Mut machen. Wir alle stehen im Leben immer wieder vor Situationen, die unsere ganze Kraft erfordern, wo wir denken: Ich schaffe es nicht. Ich glaube aber, dass man viel mehr schaffen kann, als man denkt. Ich möchte den Menschen zurufen: Traut euch was zu! Es lohnt sich zu kämpfen. 

Ihre Töchter, die unterschiedliche leibliche Eltern haben, sind heute 16 Jahre alt. Wann haben Sie ihnen gesagt, dass sie adoptiert sind? 

Gaedicke: Als die Große drei Jahre alt war und meine schwangere Freundin sah, wollte sie wissen, ob sie bei mir im Bauch gewesen sei. Da habe ich ihr alles erklärt. So hat der Umstand, dass die beiden ­adoptiert sind, unser Leben begleitet. Es kamen immer wieder Fragen auf, und wir ­haben sie nie tabuisiert und verdrängt. Das war uns wichtig. Wir sind sicher durch besondere Umstände ­eine Familie geworden. Aber wir sind eine Familie. Das ist alles, was zählt.

Das Erste sendet den Film „Wunschkinder“ an diesem Mittwoch (25. Januar) um 20.15 Uhr. 

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