Mutige Themenwahl, beste Qualität

Grimme-Preise: - Es bleibt nicht bei einem Preis für den Dokumentarfilm des vergangenen Jahres. Für "Deutschland. Ein Sommermärchen" erhält Regisseur Sönke Wortmann nach dem "Bambi" nun auch den Adolf-Grimme-Preis. Das teilte die Jury der renommiertesten deutschen Auszeichnung im Bereich Fernsehen gestern in Düsseldorf mit.

Auch Entertainer Jürgen von der Lippe ("Extreme Activity") und die Macher der Multikulti-Serie "Türkisch für Anfänger" können sich freuen. Sie wurden in der neuen Kategorie Unterhaltung geehrt. Der Publikumspreis ging heuer an Jo Baiers Fernsehfilm "Nicht alle waren Mörder" nach den Erinnerungen von Schauspieler Michael Degen.

Mutige Themenwahl, formale Innovationen und beste Qualität hätten den "Jahrgang" bestimmt, so der Direktor des Grimme-Institutes, Uwe Kammann. Insgesamt seien es solide Leistungen. "Aber es gab in der Spitze eine Reihe von ganz herausragenden Sendungen." Kammann forderte die Sender auf, mehr Mut bei der Platzierung guter Sendungen zu zeigen und diese so zu präsentieren, dass man dafür ein größeres Publikum gewinnen könne.

Die großen Abräumer sind erneut die Öffentlich-Rechtlichen. Allein acht der zwölf Auszeichnungen gehen in diesem Jahr an die ARD. Zwei Grimme-Preise kann das ZDF (zusammen mit Arte) verbuchen. Als einziger Privatsender erhält Pro Sieben zwei der begehrten Trophäen.

Sönke Wortmann, der in der Kategorie Information geehrte wird, war erst nachträglich nominiert worden. Der Regisseur gab sich gestern bescheiden. Der Erfolg des Filmes sei stark vom Auftreten des deutschen Teams abhängig gewesen: "Aber ich nehme den Preis natürlich trotzdem gern." Ein weiterer Gewinner stand schon vor der Bekanntgabe fest. Hape Kerkeling erhält die zusätzlich zu den regulären Preisen vergebene "Besondere Ehrung" des Deutschen Volkshochschulverbandes (DVV) für seine Verdienste um das Genre Unterhaltung im deutschen Fernsehen. Der Komiker stehe für glänzende und unverwechselbare Unterhaltungskunst, hieß es in der Begründung.

Neben Präsentator Jürgen von der Lippe wurden für "Extreme Activity" auch die Regisseure Kurt Pongratz und Catharina Niens-Klees sowie Formatentwickler Ool Osenbrügge ausgezeichnet. Die Spielshow wolle nichts anderes als unterhalten, lobte die Jury. Von der Lippes Moderation bewege sich souverän zwischen intelligenten Anspielungen und Kalauern. In der Kategorie Fiktion setzte sich mit "Er sollte tot" nach "Der scharlachrote Engel" eneut eine BR-Episode der Krimireihe "Polizeiruf 110" durch.

Gleich drei preisgekrönte Produktionen befassen sich mit dem Thema Integration. Die Macher hätten es in ganz unterschiedlichen Formen und ohne politische Korrektheit aufgegriffen, erklärte Kammann: "Der Zugriff ist mutiger geworden." Die ARD-Serie "Türkisch für Anfänger" und der Pro Sieben-Film "Meine verrückte türkische Hochzeit" hätten humorvoll und jenseits von Klischees Unterschiede und Gemeinsamkeiten thematisiert. Das deutsch-türkische Drama "Wut", das im September mit Hinweis auf den Jugendschutz auf den späten Abend verschoben worden war, bezeichnete Kammann als "mutigen, packenden und schmerzhaften Film von außerordentlicher Qualität". Das Drama schildert die Angriffe einer türkischen Jugendgang auf einen Jungen aus gutbürgerlichen Verhältnissen.

Die Preisverleihung findet am 30. März in Marl statt.

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