Mehr als nur ein Kostüm: Diese und viele andere Frauen verkleiden sich als Meerjungfrauen, weil sie sich in dieser Rolle stärker fühlen als sonst.
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Mehr als nur ein Kostüm: Diese und viele andere Frauen verkleiden sich als Meerjungfrauen, weil sie sich in dieser Rolle stärker fühlen als sonst. 

Mythos Meerjungfrau: Arte-Doku zu „Mermaiding“

Viele Frauen verkleiden sich als Meerjungfrauen, weil sie sich in dieser Rolle stärker fühlen als sonst. Die Arte-Doku „Meerjungfrauen“ zeigt den Trend „Mermaiding“:

VON KATHARINA ZECKAU

Da sitzen als Wassernixen verkleidete Frauen am Pazifik-Strand, und eine von ihnen sagt: „Wir sind einfach nur wir selbst!“ Was wie ein Widerspruch klingt, wird im Laufe des Films zu einer stimmigen Erzählung: Sich in eine Meerjungfrau zu verwandeln, verschafft den Hobby- und Profi-Mermaids die Verbundenheit mit Gleichgesinnten – etwa beim sogenannten Meerjungfrauentag in Kalifornien. Die verschworene Gemeinschaft und der ungewöhnliche Lebensstil geben den Frauen Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein. Und damit letztlich die innere Freiheit, wirklich sie selbst zu sein.

Die Doku „Meerjungfrauen“, die Arte an diesem Sonntag um 22.45 Uhr ausstrahlt, nimmt den Mythos und vor allem den „Lifestyle“ Meerjungfrau in den Blick, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Die kanadische Filmemacherin Ali Weinstein stößt bei ihrer Recherche auf zutiefst versehrte Menschen, die durch die Beschäftigung und Identifikation mit den Fabelwesen zu neuer Stärke gefunden haben.

Etwa Cookie aus New York: Als Kind wurde sie sexuell missbraucht; viele Jahre litt sie unter Depressionen und Panikattacken. Beim Schwimmen mit Fischschwanz hingegen fühlt sie sich inzwischen „sicher und unbesiegbar“. Sie und Ehemann Ralph sind ein munter drauflos plapperndes Pärchen, das eine große, anrührende Liebe lebt.

Auch die Transgender-Frau Julz, die als Junge auf die Welt kam, ist eine begeisterte Hobby-Nixe. Lange hatte sie versucht, den Wunsch zu unterdrücken, eine Frau zu sein: ging zum Militär, zeugte Kinder mit unterschiedlichen Frauen. Und bekannte sich eines Tages schließlich doch zu ihrem „wahren“ Geschlecht. Julz spricht einen der bewegendsten Sätze des an Emotionen nicht eben armen Films: „Das Beste an den Meerjungfrauen ist: Untenrum sind sie alle gleich!“

Und dann ist da noch Vicky, eine 76-Jährige, die seit den 1950ern als „Weeki Wachee Mermaid“ im gleichnamigen Unterwasserzirkus in Florida ihre Kunststücke zeigt: Sie schwärmt von dem Zusammenhalt der Weeki-Wachee-Nixen bis ins hohe Alter. Ihre Erinnerungen zeugen von einer Welt, in der es vor allem um Anmut, Akrobatik und klassische Schönheit ging.

Neben der sensiblen Herangehensweise punktet die Doku mit zarter Poesie: Berückende Unterwasseraufnahmen schwerelos dahinsegelnder Meerjungfrauen sowie aus dem Off vorgetragene Nixen-Märchen aus aller Welt vermitteln eine Ahnung von der Faszination, die die Fabelwesen auf ihre Anhänger ausüben. Ein sehenswerter Film, der deutlich mehr bietet als nur einen Einblick in einen aktuellen Trend.

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