Nach Country und Swing: "Purer Pop" beim Grand Prix Vorentscheid

Hamburg - Grand-Prix-Deutschland hat wieder Stoff für Diskussionen und Spekulationen: Die fünf Konkurrenten beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest haben am Dienstag in Hamburg erstmals ihre Songs präsentiert - Prognosen sind kaum möglich. Als Favoriten gehen die No Angels ins Rennen.

Doch auch die Bands Cinema Bizarre und Marquess sowie die Sänger Tommy Reeve und Carolin Fortenbacher wollen für Deutschland singen. Nach Country (Texas Lightning) und Swing (Roger Cicero) setzen die hiesigen Grand-Prix-Macher damit auf Pop, der mal schmusiger und mal kraftvoller, mal als Ballade und mal im Glam-Rock-Gewand daherkommt.

"Jetzt ist der Startschuss für die Jagdsaison", meinte Moderator Thomas Hermanns. Noch fünf Wochen bleiben den Kandidaten bis zum Vorentscheid am 6. März im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, über dessen Sieger die Zuschauer der ARD-Show wieder per Telefon und SMS abstimmen. Statt der bisherigen drei Teilnehmer gehen fünf Bewerber an den Start. "Wir wollten eine größere Bandbreite der Stilrichtungen und eine größere Auswahl bieten", sagte Ralf Quibeldey, Unterhaltungschef beim federführenden Norddeutschen Rundfunk (NDR). "Der Grand Prix muss sich immer wieder neu erfinden." Die Wahl sei auf Kandidaten gefallen, die Chartserfahrung haben. Hermanns: "Was wir in diesem Jahr auf der Bühne stehen haben, ist purer Pop."

Es sind vor allem Nummern, wie sie von den Kandidaten zu erwarten waren: Carolin Fortenbacher, fünf Jahre lang Star im Hamburger Musical "Mamma Mia!" und mit 43 Jahren die älteste unter den Teilnehmern, tritt mit einer Ballade ("Hinter'm Ozean") und dem einzigen deutschsprachigen Titel an. "Alles richtig gemacht bei dem Lied, ich höre eine große Schlussnote", bescheinigte ihr Grand-Prix-Experte Hermanns. "Ja, das ist Grand Prix!", meinte Fortenbacher. Mit dem Lovesong "Just One Woman" tritt der zweite Solo-Künstler in der Runde, Tommy Reeve, auf. Dem Schmusebarden traute Hermanns zu, dass ihm schon sein Aussehen die Sympathien der weiblichen Zuschauer sichert.

Der größte Erwartungsdruck dürfte auf Lucy, Sandy, Nadja und Jessica von den No Angels lasten, die vor einem Jahr nach einer längeren Pause in die Charts und Konzerthallen zurückgekehrt waren. Die Castingband hat Nummer-Eins-Hits und Millionen-Plattenverkäufe auf ihrem Konto stehen, bei einer Vorentscheid-Niederlage vermuten inzwischen aber viele bereits das endgültige Aus für die Band. "Disappear" (Verschwinden) heißt ihre beschwingte Popnummer - ein schlechtes Omen? "Die Performance am Abend wird entscheidend sein", meinte Sängerin Lucy. Für die Band spricht nach Ansicht Hermanns die "Megaerfahrung".

In die Charts geschafft haben es auch andere ihrer in Deutschland mehr oder weniger bekannten Grand-Prix-Kontrahenten - auf Fans im Ausland dürfte es aber eher wie No Angels contra No Names wirken. Den außergewöhnlichsten Konkurrenten, der Teenie-Band Cinema Bizarre, mangelt es noch an Live-Erfahrung im TV, wie diese auch selbst bekannten. Dafür versprechen die Glamrock-Musiker, die im Stile Tokio Hotels ausgefallene Frisuren und viel Kajal tragen, "großes Kino" bei der Darbietung ihrer Songs "Forever Or Never". "Der Titel steht für die Kernfrage des Abends", witzelte Hermanns.

Mit einem Gute-Laune-Song will das Quartett Marquess gewinnen -und hofft auch auf möglichst viele Punkte aus Spanien für seinen spanischsprachigen Latino-Pop-Song "La Histeria". "Wir wollen gern das Lächeln von Deutschland in Belgrad zeigen", meinten die Musiker aus Hannover. "Bei der WM 2006 hat man ja gehen, dass Deutsche Spaß haben können." Die Band hatte mit "Vayamos Compañeros" auch den Sprung in die ausländischen Hitparaden geschafft. Frontsänger Sascha Pierro war bereits beim Vorentscheid 2003 dabei.

Der Sieger des Vorentscheids, der diesmal mehr als fünf Millionen Zuschauer locken soll, steht beim Finale des Eurovision Song Contest am 24. Mai in Belgrad (Serbien) auf der Bühne. 2007 hatte Roger Cicero beim Finale in Helsinki den 19. Platz belegt, den Sieg holte die serbische Interpretin Marija Serifovic. Cicero hatte sich beim Vorentscheid gegen Heinz-Rudolf Kunze und das favorisierte Mädchentrio Monrose, ebenfalls eine Castingband, durchgesetzt. "Vorschusslorbeeren helfen nicht", warnte Cicero schon vor der Präsentation, "die Performance am Abend entscheidet".

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