Nach Österreich-Wahl

"heute show" wegen Hakenkreuz-Gag verklagt

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München - Derzeit wird hierzulande viel darüber diskutiert, was Satire darf. Jetzt ist der Zoff um Meinungs- und Pressefreiheit um ein Kapitel reicher. Diesmal geht es allerdings nicht um Böhmermann und Erdogan.

Als kürzlich Jan Böhmermanns umstrittenes Schmähgedicht über den türkischen Staatschef Erdogan gesendet wurde, brachte ihm das nicht nur eine doppelte Klage des Präsidenten ein, auch hunderte andere zeigten den Moderator des ZDF-"Neo Magazin Royal" an. Offensichtlich will sich die ZDF-"heute show" auf dem Gebiet nicht lumpen lassen: Der Redaktion rund um Oliver Welke ist jetzt ebenfalls eine Anzeige ins Haus geflattert. 

Rechtsruck in Österreich bei den Präsidentenwahlen

Darin geht es allerdings nicht um den Boss vom Bosporus, sondern um die Österreicher. 35 Prozent von ihnen hatten am vergangenen Wochenende bei der Wahl für das Amt des Bundespräsidenten Norbert Hofer, dem Kandidaten der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), ihre Stimme gegeben. Auch wenn erst am 22. Mai in einer Stichwahl der endgültige Sieger entscheiden wird, sorgte der Rechtsruck im Alpenland bei vielen Beobachtern des politischen Geschehens weltweit für einen ordentlichen Schock. So auch für die Macher der "heute show". 

Mit der fassungslosen Frage "Was ist verkehrt mit euch, liebe Nachbarn?" versehen, postete die Sendung am Montag ein Bild auf ihrem Facebook-Profil. Das zeigt ein paniertes Wiener Schnitzel in Hakenkreuz-Form, daneben ist der Spruch zu lesen: "Österreicher wählen eben so, wie sie es vom Schnitzel kennen: Möglichst flach und schön braun." 

Post der "heute show" geht viral

Mehr als 8700 Mal wurde der Gag geteilt, knapp 38.500 Facebooker reagierten darauf, die Mehrheit von ihnen mit einem nach oben gereckten Daumen oder einem lachenden Smiley. Allerdings gab es auch nicht wenige, die nicht über den Witz lachen konnten - unter ihnen auch ein Jura-Student aus Tirol.

Emanuel F., der nach eigenem Bekunden selbst einmal der FPÖ angehörte, erstattete Anzeige - und das ist kein Witz. Auch er beruft sich auf die Paragrafen 185 ff. (Beleidigung), 130 (Volksverhetzung) und 103 StGB (Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten).  "Es ist mir ernst“, zitiert die Tiroler Tageszeitung den Innsbrucker. Er habe die Aktion zwar „alleine durchgezogen“, mittlerweile hätten ihm aber „viele Freunde und politisch Aktive“ ihre Unterstützung zugesagt. 

"Verfahren gegen 'heute show' bereits eingeleitet"

Auf dem Nachrichtenportal oe24 erklärte der angehende Rechts-Experte, Hofer sei Parteimitglied einer demokratisch legitimierten Partei, der sich selbst noch nie irgendwelche Vergehen oder gar Verbrechen anlasten musste. Im Bereich der Wiederbetätigung beziehungsweise des Nationalsozialismus erst recht nicht. Nach F.s Aussage sei das Verfahren gegen die "heute show" bereits eingeleitet worden.

Die "Freiheitlichen" selbst hätten ebenfalls mit der Idee einer Klage gegen die "heute show" gespielt, so die tt, diese allerdings schnell wieder verworfen: Die Aussichten auf Erfolg sein gering, da ja nicht Hofer selbst beleidigt worden sei, sagte demnach der Pressesprecher der Partei.

hn

Rubriklistenbild: © screeshot facebook

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