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Günther Jauch sitzt am Sonntag (11.09.2011) mit Marcy Borders, einer Überlebenden der Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center, im Studio der Sendung "Günther Jauch" im Gasometer in Berlin.

Nachtkritik: So war das Jauch-Debüt

München - Wer den ARD-Verantwortlichen in den letzten Tagen zugehört hat, der musste fast damit rechnen, dass die Premiere von Günther Jauch als Gesprächsrundenleiter ein Desaster wird.

Ob Programmdirektor Volker Herres, NDR-Intendant Lutz Marmor oder Günther Jauch selbst: Alle versuchten sie, die hohen Erwartungen zu dämpfen. Warum eigentlich?

Gestern hat Günther Jauch einen ordentlichen Start hingelegt. Dabei ist er, und das verwundert doch ein wenig bei so einem Medienprofi wie ihm, anfangs doch tatsächlich nervös. Die erste Moderation kommt noch etwas steif daher, auch das erste Gespräch mit Marcy Borders, der durch ein Pressefoto berühmt gewordenen „Staubfrau“ von 9/11, ist steril – selbst wenn Jauch nach guter alter „Stern TV“-Manier interessante Fragen stellt. Was ansonsten direkt auffällt: Sound und Design der Show sind hochmodern und das Gasometer, ein Industriedenkmal, eine ziemlich coole Location im Vergleich zu den sterilen Studios von Anne Will und Reinhold Beckmann. Einzig am Hall könnte Jauchs Team noch basteln.

Es dauert nicht lange, bis Günther Jauch seine Nervosität ablegt. Er zitiert Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) zwar falsch („Deutschlands Freiheit wird am Hindukusch verteidigt“ anstatt von „Deutschlands Sicherheit...“), kontert dann aber souverän: „Wenn in der SPD einer was sagt und der andere stimmt zu, dann ist das schon gut genug.“

Jauch ist, das wird nun deutlich, akribisch vorbereitet. Und er hat sich, clever, wie er ist, ein dankbares Thema und redegewandte Gäste für den Einstieg in die Talk-Welt ausgesucht. Viele seiner Kollegen sind in der Vergangenheit an der Herausforderung gescheitert, die Euro-Krise in verständliche Worte zu packen. Jauch dagegen spricht über den 11. September und die Frage „War es richtig, in den Krieg zu ziehen?“ Eine Frage, zu der jeder ohne Weiteres eine Meinung haben kann.

Jauch moderiert gewohnt souverän, er zeigt uns ein Foto, das wir immer schon mal sehen wollten (Jürgen Klinsmann in Bundeswehruniform) und stellt auch mal andere Fragen, etwa diese: „Wären Sie nach Afghanistan gegangen, Herr Struck?“ Dann aber zeigt er (leider), dass er von den Privaten kommt. Der Einspieler zu dem Sohn von Tanja Menz, der in Afghanistan gestorben ist, sieht arg nach RTL aus (und klingt auch so). Schade.

Fazit: Günther Jauch hat einen guten Einstieg hingelegt. Vielleicht hat er die Sendung zu voll gepackt (zu viele Gäste, zu viele Einspieler), aber das darf man gerne als Kinderkrankheit abtun. Dass die Sendung nur einen mäßigen Erkenntnisgewinn abgeworfen hat, darf man ihm erst recht nicht ankreiden: In den anderen Talkshows ist es meist nicht viel besser.

Thierry Backes

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