Närrisches Treiben auf allen Kanälen

- Zum Duell der Titanen Thomas Gottschalk und Dieter Bohlen, zum Kampf um die Mehrheit der Zuschauer, gar zur ultimativen Entscheidungsschlacht in Sachen guter gegen schlechten Geschmack war dieser Samstagabend zuvor stilisiert worden.

Und ist das Ergebnis nach absoluten Zahlen auch einigermaßen eindeutig, so lässt es sich doch ­ wie sonst nur Wahlergebnisse in der Politik ­ trefflich interpretieren. Mindestens zwei Sieger im Quotenduell gab es am zurückliegenden Wochenende, möglicherweise sogar drei, denn bereits am Freitagabend brach die "Fastnacht in Franken" im Bayerischen Fernsehen alle Rekorde.

Knapp vier Millionen Zuschauer amüsierten sich beim närrischen Treiben aus dem unterfränkischen Veitshöchheim, das ist laut BR der höchste Wert, den je eine Sendung des Münchner Senders bundesweit erreichte. Auch auf den Freistaat bezogen, erwies sich "Fastnacht in Franken" mit Sitzungspräsident Bernd Händel auf dem Podium und vielen illustren Gästen aus Showbusiness und Politik im Parkett als Straßenfeger. Mit etwas mehr als zwei Millionen Fans übertraf die 19. Ausgabe der Live-Show an Zuspruch alle bisherigen Übertragungen.

Weitere Zahlen unterstreichen, dass es neben der Liebe zum Fasching an sich vor allem Patriotismus ist, der immer mehr Bayern an den Fernseher fesselt, wenn Frankens Narren in die Bütt' steigen. Die drei heuer bisher ausgestrahlten Formate "Karnevalissimo" (ZDF), "Fastnacht an Neckar, Rhein und Bodensee" sowie "Wider den tierischen Ernst" (beide ARD) erreichten im Freistaat jeweils nicht einmal eine Million Zuschauer.

Während die BR-Verantwortlichen um Fernsehdirektor Gerhard Fuchs den Fasching als Quotengarant buchen können, muss sich das ZDF von immer neuen Rekorden für "Wetten, dass...?" verabschieden. Zwar erzielte Thomas Gottschalk, der sich diesmal (fast) ausschließlich männliche Gäste auf die Couch lud, am Samstagabend das gewohnte zweistellige Ergebnis, doch fesselten die "Dschungelshow" und "Deutschland sucht den Superstar" beim Konkurrenzsender RTL auch noch sechs beziehungsweise sechseinhalb Millionen Fans.

Dabei handelt es sich vor allem um Jüngere, wie die Statistik ausweist. Bei den 14- bis 49-Jährigen schaffte "DSDS" 33,2 Prozent Marktanteil, der Sieg von Ex-"Brosis"-Sänger Antony Ross in "Ich bin ein Star ­ Holt mich hier raus!" kam sogar auf einen Marktanteil von 36 Prozent. Zahlen des ZDF aus dieser Altersgruppe lagen am Sonntag nicht vor.

Gottschalks Ritual aus mehr oder weniger harmlosen Plaudereien und skurrilen (Zauber-)Kunststücken (Kann man die Farbe von Buntstiften am Malgeräusch erkennen?) ­ ein Auslaufmodell? Der Verzehr von Krokodilspenissen, Känguruhhoden und sonstigen Delikatessen durch sogenannte Promis ­ die Zukunft der Show im deutschen Fernsehen? Möglicherweise kommen der ZDF-Chefetage und dem großen Blonden die Medienwächter zu Hilfe. Deren Eingreifen fordern zumindest Fernsehschaffende, die noch ausreichend Publicity haben. "Die Privaten sollten nicht alles senden dürfen, nur weil das Publikum es annimmt und sie Menschen finden, die mitmachen", fordert Schauspielerin Uschi Glas in einer Sonntagszeitung, Moderator Jörg Pilawa orakelt sogar: "Ich warte eigentlich nur darauf, dass irgendwann Menschen vor laufenden Kameras den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden."

Für RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer ist dagegen, was die "Dschungelshow" und "DSDS" betrifft, die Welt in Ordnung. Alle Teilnehmer hätten zuvor mehrere Staffeln der jeweiligen Formate gesehen und sich selbst beworben.

Wer "Wetten, dass...?" regelmäßig sieht, weiß, dass da gelegentlich Stars singen, tanzen oder nackt durch die Halle rennen müssen, die das besser nicht täten. Und dennoch ­ oder gerade deswegen ­ stehen sie nach wie vor Schlange.

Gérard Depardieu übrigens floh am Samstag nicht aus der Sendung, weil er in der Garderobe heimlich die "Dschungelshow" anschauen wollte. Nach Angaben des ZDF musste der Schauspieler dringend seinen Flieger erreichen. Nach 23 Uhr hätte er nicht mehr aus Salzburg ausgeflogen werden können. "Und da ist er nervös geworden", so Sprecher Walter Kehr am Sonntag.

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