Nassschnee an Neopren

- "Elf Medaillen, davon fünf goldene - was ist das Erfolgsgeheimnis?" Fragen wie diese an Fritz Fischer, Trainer der deutschen Biathleten, prägen Sendungen, in denen Sportereignisse des Tages am Abend mit Studiogästen "nachbereitet" werden. Insofern ähneln sich solche Formate doch sehr. Das Besondere an "Waldi und Harry" ist die Kombination aus Kumpelhaftigkeit und alles zersetzender Ironie im Moderatorenteam.

Ob man die gemeinsame Verpflichtung von Waldemar Hartmann und Harald Schmidt durch die ARD unter diesen Voraussetzungen schon als "Erfolgsgeheimnis" bezeichnen kann, bleibt nach den Auftritten des Duos während der Olympischen Winterspiele in Turin fraglich. Denn Waldi bleibt einfach Waldi, der durch die Anwesenheit des unberechenbaren Partners allerdings noch mehr als sonst eine verkrampfte Fröhlichkeit ausstrahlte - obwohl Schüsse aus dem Hinterhalt beim Finale am Samstag ausblieben. Sein "Geheimnis" ist die mit mundartlichen Brocken unterfütterte Jovialität, die forsch wirken soll, an den Sportlern jedoch zumeist abgleitet wie Nassschnee an Neopren. Wie immer eben, irgendwie passend zur stets präsenten olympischen Flamme im Studio-Hintergrund, die anmutete wie das Kaminfeuer auf der Hütte. Und da geht's bekanntlich gemütlich zu.

Und Harald Schmidt? Ätzte gelegentlich mit Fragen wie der an den Vater von Olympiasieger Michael Greis, ob er schon eingestellt sei auf "das Gesindel von der Zeitung", das jetzt daheim vor der Tür stehe. Das ist der Zyniker, wie man ihn kennt - doch hier ist Schmidt nicht bei sich daheim, wo er auf niemanden Rücksicht nehmen muss, sondern auf fremdem Terrain. Vielleicht wirkte er deshalb oft einfach deplatziert. So einer taugt eben nicht zum "Andrack vom Waldi". Er ist der Chef.

Das Beste an "Waldi und Harry" aber waren ohnehin die Einspielfilme - weniger die gelegentlich bemüht lustigen aus der Rubrik "Avanti Harry" als die "ernsten". Starke Bilder sagen eben oft mehr als tausend Worte, auch wenn da so schöne dabei waren wie das von Viererbob-Mitfahrer Kevin Kuske: "Jede Medaille hat seinen Reiz".

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