NDR: Fernsehfilm-Chefin soll heimlich als Autorin kassiert haben

Hamburg - Die suspendierte NDR-Fernsehfilm-Chefin Doris Heinze soll den Sender auch materiell geschädigt haben.

Der Norddeutsche Rundfunk berichtete am Montag von konkreten Anhaltspunkten, dass die 60-Jährige selbst unter Pseudonym zwei Drehbücher und ein Treatment geschrieben und dies ihrem Arbeitgeber verheimlicht habe. Heinze hat demnach die Verträge über externe Produktionsfirmen für den NDR abgewickelt. “Hätte Frau Heinze den Sachverhalt offengelegt, hätte sie deutlich weniger Honorar erhalten“, heißt es in der Pressemitteilung. Einzelheiten könne der NDR wegen der laufenden Ermittlungen derzeit noch nicht mitteilen.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft leitete Vorermittlungen ein, wie ihr Sprecher Wilhelm Möllers der AP sagte. Dabei gehe es um den Verdacht auf Korruptions- und Betrugsdelikte. Der NDR steht nach eigenen Angaben in enger Verbindung mit der Staatsanwaltschaft. Am Donnerstag vergangener Woche hatte der Sender Doris Heinze suspendiert, nachdem sie eingeräumt hatte, dass sie ihrem Ehemann unter Ausnutzung ihrer beruflichen Position über Dritte außerhalb des NDR persönliche Vorteile verschafft hatte.

Heinzes Mann soll unter dem Pseudonym Niklas Becker fünf Drehbücher verfasst haben, von denen vier von der Münchner Produktionsfirma AllMedia für den NDR verfilmt wurden.

Fristlose Kündigung wird vorbereitet

Der Sender bereitet eine fristlose Kündigung Heinzes vor. Diese ist noch nicht ergangen, weil zuvor der Personalrat angehört werden muss. Er stellt sich auf eine arbeitsrechtliche Auseinandersetzung mit Heinze ein. Der NDR prüft auch mögliche Schadensersatzforderungen gegen Doris Heinze. Kritik äußerte Pressesprecher Martin Gartzke an dem Vorstandsmitglieds des Verbandes Deutscher Drehbuchautoren, Pim Richter. Er wird im “Spiegel“ mit der Aussage zitiert, sein Verband habe schon seit fast drei Jahren Hinweise auf “Niklas Becker“.

Gartzke sagte: “Wenn der Verband Wissen, das der Sender nicht hat, zurückhält, dann ist das für die Aufklärung des Sachverhalts nicht hilfreich. Der Verband muss sich bei einer solchen Untätigkeit nach seinem Selbstverständnis fragen lassen.“ Der Sender sei den Hinweisen, die ihn durch Recherchen der “Süddeutschen Zeitung“ erreicht hatten, unverzüglich nachgegangen, sagte Gartzke. 

ap

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