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Für die Sender ist sie ein Quotengarant, für ihre Kritiker ein rotes Tuch. Christine Neubauer, das Vollweib vom Dienst im deutschen Fernsehen im Interview.

Großes Interview

Neubauer: "Ich will mehr zur Ruhe kommen"

München - Für die Sender ist sie ein Quotengarant, für ihre Kritiker ein rotes Tuch. Christine Neubauer, das Vollweib vom Dienst im deutschen Fernsehen im Interview.

Zwischenzeitlich war die Schauspielerin so häufig auf dem Bildschirm zu sehen, dass es ihr sogar selbst zu viel wurde – sie nahm eine mehrmonatige Auszeit. Jetzt ist die inzwischen ziemlich schlank gewordene Münchnerin wieder da, ihr erstes großes Filmprojekt nach der Drehpause ist die dreistündige Familiensaga „Die Holzbaronin“, zu sehen heute um 20.15 Uhr im ZDF. Die Rahmenhandlung der im Schwarzwald gedrehten Produktion ist im Jahr 1953 angesiedelt. Neubauer spielt die machtbewusste Elly Seitz, Chefin des familieneigenen Forstimperiums, die des Mordes an ihrem Mann beschuldigt wird. Im Verhör erinnert sich die Unternehmerin an ihr Leben – von der Kaiser- bis in die Nachkriegszeit. In weiteren Rollen sind Henriette Confurius, Michael Mendl, Nicole Heesters, Catherine Flemming und Florian Bartholomäi zu sehen.

Frau Neubauer, in Ihrem neuen Film spielen Sie die Chefin einer traditionsreichen Holzdynastie, gedreht wurde im Schwarzwald. Sind Sie gerne im Wald?

Ja, schon. Da, wo ich früher gewohnt habe, ist der Wald in der Nähe, da bin ich immer gemeinsam mit meiner Mutter gejoggt. Und ich habe wunderschöne Kindheitserinnerungen, wie ich mit meinen Eltern und Großeltern zum Schwammerlsuchen gegangen bin.

Demnach gehören Sie nicht zu den Leuten, die eine Tanne nicht von einer Eiche unterscheiden können?

Eine absolute Expertin bin ich zwar nicht, aber ich kann zumindest die gängigen Baumarten unterscheiden.

In „Die Holzbaronin“ spielen Sie eine Frau, die es im vorigen Jahrhundert gegen erhebliche Widerstände zur Chefin des Familienunternehmens bringt. Was hat Sie daran gereizt?

Es war eine große Herausforderung für mich, diese Frau zu spielen. In den Verhörszenen, die als Klammer für das Familienepos dienen, wird sie als richtiger Eisschrank geschildert. Das darzustellen, war für mich als sehr emotionale Schauspielerin etwas ganz Neues. Mich hat außerdem die Geschichte dieser Frau, der ganze Themenkomplex Gleichberechtigung, sehr bewegt. Dass es bis ins 20. Jahrhundert hinein legal war, dass ein Mann seine Frau schlägt, hat mich richtig schockiert.

Haben Sie sich jemals benachteiligt gefühlt, weil Sie eine Frau sind?

Nein, in meinem Beruf hatte ich natürlich keine Schwierigkeiten, denn die Schauspielerei ist ja keine Männerdomäne, in der man sich als Frau durchboxen muss.

Also hat das Thema Emanzipation für Sie nie eine große Rolle gespielt?

In meinem persönlichen Leben nicht, aber in meinem Rollenleben sehr. Gerade in den historischen Stoffen musste ich mich schon öfter mit Frauenfiguren auseinandersetzen, die sich die Gleichberechtigung erst erkämpfen müssen.

Was hat Ihnen diese lange Drehpause gebracht?

Sehr viel. Ich habe in dieser Zeit ja auch eine große Reise gemacht, und die Pause war ausgesprochen notwendig. Ich wollte Abstand gewinnen zum Rummel in den Medien und auch meine große Präsenz auf dem Bildschirm zurückfahren. Das ist leider trotz meiner Abwesenheit nicht immer gelungen, wegen der ganzen Wiederholungen.

Wollen Sie künftig weniger drehen?

Ja, ich habe für mich und mein Leben künftig mehr Pausen geplant. Ich will jetzt weniger drehen, nur noch ausgewählte Projekte, um einfach mehr zur Ruhe zu kommen.

Werden Sie auch bei der Auswahl der Stoffe etwas ändern?

Jein. Die Angebote ändern sich ja auch mit dem Alter, und es freut mich, dass Stoffe wie „Die Holzbaronin“ dabei sind, oder „Hannas Entscheidung“, ein Film, den ich vergangenes Jahr gedreht habe und für den ich sehr viele internationale Preise als beste Schauspielerin bekommen habe. Ich würde sehr gerne weiter in dieser Richtung der hochwertigen historischen Stoffe arbeiten. Ich will aber auch das, was bewährt ist, und was das Publikum so an mir liebt, weiter verfolgen. Ich glaube, ich habe eine Begabung zur Komödie, und ich bin stolz, wenn eine Komödie gut gemacht ist – das möchte ich nicht missen.

Sie haben zuletzt ja erheblich abgenommen und sind jetzt ein ganz anderer Typ als früher. Hat sich das auf die Rollenangebote ausgewirkt?

Zufälligerweise war meine Gewichtsabnahme für „Die Holzbaronin“ ein großer Gewinn. Für die Verhörszenen hatte ich beim Lesen des Drehbuchs als Vorbild gleich Frauenfiguren wie aus den Hollywoodfilmen der Fünfzigerjahre vor Augen – das geht mit einer gewissen Optik einher, eine perfekte Figur in eleganten Kostümen. Wenn ich nicht sowieso abgenommen hätte, hätte ich deshalb für die Rolle eine Diät gemacht. Und was andere Projekte angeht – ob man mir früher Sachen wie die RTL-Show „Shooting Stars“ angeboten hätte, bezweifle ich. Es kommen auch andere Sender auf mich zu, Privatsender. Nicht nur für Shows, sondern auch für Filme.

Wieso haben Sie sich trotz erfolgreicher Diät für „Die Holzbaronin“ in ein Korsett gezwängt?

Es war ja kein Korsett, in das ich richtig eingepresst wurde, und ich habe es nicht getragen, um eine schmalere Taille zu haben. Ich habe das Korsett getragen, um eine gewisse Körperhaltung zu bekommen, die einfach zu dieser Chefin in einer Männerdomäne gehört, die sich in ihrer Zeit behaupten muss.

Sie zeigen sich neuerdings mit Ihrem Lebensgefährten, dem chilenischen Fotografen José Campos, in der Öffentlichkeit. Sieht er sich Ihre Filme eigentlich an?

Ja, und er versteht die Filme über die Emotionen. Sprachlich hat er vielleicht noch Schwierigkeiten, aber er arbeitet daran und lernt gerade Deutsch.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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