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Alle großen Sender bieten ihre Programme in der Mediathek an. Einige Produktionen gibt es sogar zuerst online.

Wie funktioniert das neue Fernehen?

Das neue Fernsehen: Die TV-Mediatheken im Check

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    Rudolf Ogiermann
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München - Fernsehen, wann und wo ich es will – der Zuschauer hat sich längst aus dem starren Korsett des klassischen Programmschemas befreit. Wir werfen einen Blick auf die Mediatheken.

Fernsehen, wann und wo ich es will – der Zuschauer hat sich längst aus dem starren Korsett des klassischen Programmschemas befreit. Wir werfen einen Blick auf die Mediatheken, schließlich bieten alle großen Sender ihre Inhalte mittlerweile zum Online-Abruf an. ARD und ZDF, aber auch der BR und die anderen Dritten betreiben umfangreiche Angebote. Die Privaten haben ihre Mediatheken nach Sendergruppen gebündelt: RTL, Vox, RTL2 & Co. finden Sie unter „TV Now“. Bei ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und den dazugehörigen kleinen Sendern läuft die Mediathek unter dem Titel „7TV“.

Wo findet man die Mediatheken? Erste Wahl sind die Apps für Smartphone und Tablet oder die Nutzung im Browser von PC und Mac. Die wichtigsten Adressen sind: ardmediathek.de, br.de/mediathek, zdf.de, tvnow.de und 7tv.de. Häufig sind die Mediatheken auf internetfähigen Fernsehern als App installiert. Wenn Sie noch einen älteren Flachbildfernseher haben, können Sie die Mediatheken mit Google Chromecast (ab 39 Euro), Amazon Fire TV (ab 40 Euro) und Apple TV (ab 179 Euro) aufs TV-Gerät bringen.

Die Nutzung der Mediatheken funktioniert eigentlich nur in Deutschland. Mit sogenannten Proxy-Apps wie VPN Express oder SurfEasy VPN können Sie diese Sperre aber im Urlaub umgehen. Eine gute Suchmaschine für alle Mediatheken finden Sie unter mediathekensuche.de.

ARD

Vom Sender angekaufte Spielfilme, etwa Produktionen aus Hollywood, dürfen laut Rundfunkstaatsvertrag nicht in der Mediathek laufen, oft nicht einmal als Livestream gezeigt werden. Das Gleiche gilt für Sportübertragungen. Für alles andere gibt der Gesetzgeber maximale Verweildauern vor. Gibt es keine vertraglichen Einschränkungen, sind TV-Filme maximal drei Monate, der Tatort jedoch nur 30 Tage nach der Erstausstrahlung abrufbar. Nachrichten können maximal sieben Tage „nachgeschaut“ werden, Politmagazine wie Panorama zwölf Monate. Die 20-Uhr-Tagesschau gilt als zeitgeschichtlich relevant und ist länger zu sehen. Shows bleiben maximal zwölf Monate in der Mediathek, Serien maximal sechs, aber auch hier sind oft vertragliche Regelungen dafür verantwortlich, dass sie im Schnitt lediglich sieben Tage bis sechs Wochen abrufbar sind. Herausragende Produktionen wie Charité konnten sogar zuerst online angeschaut werden. Einige Sendungen, die keine Jugendfreigabe haben, sind erst ab 22 oder 23 Uhr verfügbar.

ZDF

Wie im Ersten sind Nachrichten und Dokus in der Regel zwölf Monate lang abrufbar, Kabarett sechs Monate. Reihen, Serien und Mehrteiler bleiben zwischen drei und sechs Monaten im Angebot. Fernsehfilme – wie auch die politischen Talksendungen – sind in der Regel drei Monate lang in der ­Mediathek zu sehen. Für ­besonders „bildungsrelevante Inhalte“ gilt eine maximale Verweildauer von fünf Jahren. Das ZDF bietet Produktionen „vorab im Netz“ an, so sind die Folgen zwei und drei des Mehrteilers Honigfrauen (ab kommendem Sonntag wöchentlich um 20.15 Uhr) bereits eine Woche vor der Fernsehausstrahlung abrufbar. Das gilt auch für viele Dokumentationen, Reportagen (37 Grad) und bei fast allen Krimis und Serien (Bergdoktor, Rosenheim Cops).

BR

Für den Münchner Sender gelten bezüglich der Verweildauer die gleichen Regeln wie im Ersten und im ZDF – was bedeutet, dass Spielfilme und Serien beispielsweise aus den USA tabu sind, für alles andere gelten die bereits genannten Fristen. Fans von Dahoam is dahoam setzt das neue Fernsehen seit Anfang vergangenen Jahres in die Lage, die Serie vorab in der Mediathek und dann „live“ zu sehen. Außerdem wird die sechsteilige Dramaserie Hindafing mit Maximilian Brückner in der Hauptrolle (TV-Start: 16. Mai) jeweils eine Woche vor der Ausstrahlung im Netz laufen. Der Sender entwickelt zudem gerade eine neue Mediathek, die im Herbst starten soll. Sie soll „intuitiv, leicht zu bedienen und auf PCs, Smartphones und Tablets nutzbar sein“, wie Sprecher Markus Huber erklärt. So kann der Nutzer beispielsweise bestimmte Inhalte auf sein mobiles Endgerät herunterladen und dann auch offline konsumieren. Darüber hinaus ist „seamless ­streaming“ möglich, das heißt, Inhalte können zunächst auf mobilen Geräten gestartet und andernorts fortgesetzt werden. Den Nutzern verspricht der BR außerdem „maßgeschneiderte Empfehlungen“. Für die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen gilt übrigens, dass sie prinzipiell kostenfrei sind.

RTL-Gruppe

Bei den Privaten sieht es anders aus. Bei RTL etwa gibt es eine kostenlose Version von „TV Now“, in der Formate aus der Primetime in der Regel sieben Tage nach der Ausstrahlung und Serien aus dem Tagesprogramm wie GZSZ 30 Tage zu sehen sind. „TV Now plus“ bietet für 2,99 Euro pro Monat ein umfangreiches Archiv über sieben beziehungsweise 30 Tage hinaus – auch über Smartphone und Tablet. Außerdem können herausragende Produktionen wie Winnetou vorab gesehen werden, ferner ist der Livestream aller acht frei empfangbaren Sender der Gruppe in hoher Qualität möglich.

ProSiebenSat.1-Gruppe

Bei ProSieben können ebenfalls nur die Mediatheken der Senderfamilie kostenlos genutzt werden. Sprecher Marcus Prosch verweist auf die hauseigene Videothek Maxdome, ein Pay-TV-Angebot, das „weit über die Inhalte hinausgeht, die man in den Mediatheken vorfindet“ (tz berichtete). In den Mediatheken sind Eigenproduktionen wie Magazine meist unbegrenzt verfügbar, Lizenzware in der Regel sieben Tage. Nicht zu finden sind – wie bei ARD und ZDF – dagegen internationale Blockbuster. Previews vor dem TV-Sendedarum – etwa Grey’s Anatomy – sind bei Pro Sieben-Sat.1 auch Maxdome vorbehalten. Für Formate wie Germany’s Next Topmodel bieten die Internetportale bereits vor der TV-Ausstrahlung die Möglichkeit, die Protagonisten näher kennenzulernen.

Jörg Heinrich, Rudolf Ogiermann

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