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„Ich bin sehr froh, dass Raab mir diese Chance gegeben hat“ – mit Auftritten in Stefan Raabs „TV total“-Show wurde Enissa Amani bekannt. Nun übernimmt sie seinen Sendeplatz.

Neue Comedy am Montag

Raab-Nachfolgerin Enissa Amani: Mal politisch, mal ulkig

Köln - Komikerin Enissa Amani übernimmt mit ihrer Show „Studio Amani“ ab 7. März den Montags-Sendeplatz von Stefan Raab.

Sie versucht sich als Nachfolgerin von Stefan Raab: Enissa Amani moderiert ab 7. März auf dem alten Montags-Sendeplatz von „TV total“ die neue Show „Studio Amani“ (ProSieben, 23.15 Uhr). Die Komikerin will sich mit aktuellen Themen aus Gesellschaft, Unterhaltung und Politik befassen. Enissa Amani ist die Tochter eines iranischen Literaten, der in seiner Heimat politisch verfolgt wurde – die Familie floh in den Achtzigerjahren nach Deutschland. Amani kam im Iran zur Welt und wuchs in Frankfurt auf. 2015 erhielt sie den Deutschen Comedypreis als bestes Nachwuchstalent. Einem breiten Publikum wurde sie 2015 auch mit ihrer Teilnahme bei der RTL-Show „Let’s Dance“ bekannt.

Stefan Raab ist weg, jetzt bekommen Sie eine Show auf seinem alten Sendeplatz. Sind Sie Raab in gut aussehend?

Also erstens finde ich, dass Stefan Raab auch gut aussieht. Und zweitens sind das viel zu große Fußstapfen für mich. Ich bin selber ein Riesenfan von Raab und würde mich nie mit ihm vergleichen. Ich bin sehr traurig, dass er Schluss gemacht hat.

Sie vermarkten sich als Vollblut-Tussi mit Grips. Empfinden Sie das als schmeichelhaftes Etikett?

Das wurde mal über mich gesagt, und ich habe das gerne übernommen. Das mit der Tussi kommt daher, dass ich einfach auch gerne Frau bin und ein Faible für Mode habe. Natürlich ist mir der Grips wichtiger, inhaltliche Dinge haben eine höhere Wertigkeit als oberflächliche. Aber es wäre ja zu doof, wenn ich mich entscheiden müsste, was wäre das denn für eine Welt? Das eine muss das andere nicht ausschließen.

Sie haben schon Miss-Wahlen gewonnen und bei einem Verkaufskanal Mode präsentiert…

Ich habe viele verschiedene Sachen gemacht und bin auf alle stolz. Ich habe ein halbes Jahr lang bei QVC als Gastmoderatorin gearbeitet, während meines Studiums. Ich habe bei McDonald’s gearbeitet, und ich habe 2014 auf dem Weihnachtsmarkt an einem Stand einen Monat lang Pfeffer verkauft.

In so kurzer Zeit von der Pfeffer-Verkäuferin zur Moderatorin mit eigener Show – wie kam es zu diesem Karriereschub?

Ich hatte im Sommer 2013 ein paar Auftritte in Cafés, habe ein Video davon an die Redaktion der ARD-Comedysendung „Nightwash“ geschickt und durfte dort auftreten. Das war mein Sprungbrett. Danach wurde ich zu „TV total“ eingeladen, ich hatte mehrere Auftritte bei Stefan Raab, und der zweite ging im Internet total ab. Plötzlich konnte ich nicht mehr unerkannt auf die Straße gehen. Ich bin sehr froh, dass Raab mir diese Chance gegeben hat, dadurch ging es wirklich von null auf hundert bei mir. Es ist sehr aufregend.

Ihr Vater wurde im Iran verfolgt, Ihre Familie floh nach Deutschland. Als Komikerin sind Sie ein Musterbeispiel für Integration. Wie haben Sie das geschafft?

Deutschland ist meine Heimat, ich bin hier aufgewachsen, ich musste gar nicht erst ankommen. Ich tue mich mit dem Begriff Integration generell schwer und finde, dass die Herangehensweise an das Thema hierzulande sehr unmodern ist. Es stört mich vor allem, wenn Integration an oberflächlichen Dingen wie sprachlichen Fähigkeiten festgemacht wird. Nur weil jemand kein perfektes Deutsch spricht, kann man doch nicht sagen, er sei nicht integriert. Ich kenne Leute mit Migrationshintergrund, die ein hervorragendes Deutsch sprechen, ich kenne Leute ohne Migrationshintergrund, die sprechen ein beschissenes Deutsch. Andere sprechen mit starkem Akzent, befassen sich aber intensiv mit deutscher Kultur, andere sprechen akzentfrei, haben aber noch nie im Leben von Goethe gehört.

Was bedeutet denn für Sie Integration?

Für mich ist jemand integriert, der in Deutschland lebt, seine Steuern zahlt und einen tollen Beitrag zur Gesellschaft leistet. Er ist ein Teil der Gesellschaft und Deutscher wie ich auch.

Würden Sie sich zur Riege der politischen Comedians zählen?

Es wird so über mich gesagt, und ich bin ein großer Fan von Kabarettisten wie Volker Pispers oder Hagen Rether, aber ich sehe mich nicht in dieser Liga. Aber ich bin ein Mensch, der eine Haltung hat und Stellung bezieht. Ich halte viel von Höflichkeit und Respekt, auch jemandem gegenüber, der in einer Sache anders denkt als ich, aber ich halte nicht viel von Diplomatie. Ich sage gerne klar, was ich denke.

Wie politisch wird Ihre Show sein?

Das kommt auf die Themen der Woche an. Es kann sehr politisch werden, aber auch mal sehr oberflächlich, chaotisch, ulkig sein. Mich interessieren politische und gesellschaftliche Themen ebenso sehr wie die neueste Rap-CD oder Mode. Mein Traum wäre erfüllt, wenn ich einen Philosophen wie Richard David Precht auf dem Sofa sitzen hätte und zwei Minuten später den Rapper „Haftbefehl“.

Muten Sie dem Publikum da nicht zu viel zu?

Ich will, dass die Leute Spaß haben, fröhlich ins Bett gehen und sich freuen, über Themen diskutieren zu dürfen – aber in Freundschaft. Mal werden die Leute meiner Meinung sein, mal nicht. Die Zuschauer erwartet eine kleine Show mit ganz viel Herzblut, echter Meinung und wenig Diplomatie. Wir werden tolle Gäste haben, tolle Spiele, viel Chaos, viel Herzlichkeit und viel Lachen.

Könnten Sie sich vorstellen, dass Ihre Sendung häufiger als nur einmal pro Woche läuft?

Daran denke ich jetzt noch nicht. Vielleicht läuft es ja auch gar nicht mit der eigenen Show, dann hätte ich auch kein Problem, wieder auf dem Weihnachtsmarkt zu arbeiten. Jetzt lebe ich zwar diesen großen Cinderella-Traum von der eigenen Show. Aber dadurch, dass ich in meinem Leben schon so vieles gemacht habe, habe ich eine Grundbodenständigkeit, die mich schützt.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

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