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Kommissar Hans von Meuffels ( Matthias Brandt) am "Tatort". Nach 90 Minuten ist er am Ende seiner Kräfte– der Zuschauer auch

Neuer "Polizeiruf 110": Zu brutal für 20.15 Uhr

München - Wie hart dürfen TV-Bilder sein? Wie viel Spannung darf ein Krimi haben? Vor allem, wenn er um 20.15 Uhr gesendet wird – wenn noch Kinder vor den Bildschirmen sitzen? Der neue Polizeiruf ist zu brutal für die Prime Time.

Wo es um Mord und Totschlag geht, da geht es zwangsläufig brutal zur Sache. So gesehen gehört es zum Wesen von Krimi-Reihen wie dem Tatort oder dem Polizeiruf 110, dass dort Bilder zu sehen sind, die einen schocken, verstört zurücklassen oder zumindest nachhaltig beschäftigen. Aber wie hart dürfen Bilder sein? Wie viel Spannung darf ein Krimi haben? Vor allem, wenn er um 20.15 Uhr gesendet wird – wenn noch Kinder vor den Bildschirmen sitzen?

Der Bayerische Rundfunk schickt heuer ein neues Polizeiruf 110­-Team ins Rennen. Matthias Brandt und Anna Maria Sturm spielen darin die Kommissare. Der erste Film der beiden (Cassandras Warnung) wird am 21. August im Ersten laufen, der zweite mit dem Titel Denn sie wissen nicht, was sie tun, sollte am 25. September gesendet werden, um 20.15 Uhr. Doch – daraus wird nichts.

„Der künstlerisch ausgezeichnete Polizeiruf 110 – Denn Sie wissen nicht, was sie tun kann aus Gründen des Jugendschutzes erst ab 22 Uhr gesendet werden“, erklärte der BR am Montag auf Nachfrage der tz. Fernsehdirektor Gerhard Fuchs folge damit der „dringenden Empfehlung“ der Jugendschutzbeauftragten des BR, Dr. Sabine Mader. „Es handelt sich“, so Fuchs weiter, „um eine Entscheidung zum Schutz von Kindern.“ Im Klartext: Der Film ist zu brutal für Zuschauer unter 16 Jahren. Denn da liegt die Grenze: Filme, die um 20.15 Uhr ausgestrahlt werden, müssen für Kinder ab zwölf geeignet sein, ab 22 Uhr dürfen Filme gezeigt werden, die Zuschauer ab 16 schauen können.

Sabine Mader hatte ihre Einschätzung des Films Ende Juni gegeben. Darin heißt es: „Die Vielzahl der schrecklichen Bilder nach dem Selbstmordattentat im Tunnel (die Schlüsselszene des Films, Anm. d. Red.) und die durchgängig gehaltene Spannung durch die Angst vor einem weiteren Attentat sind für Kinder als problematisch anzusehen. Entspannende Momente finden kaum statt.“

An dem Punkt hat Mader recht. Wer den Film sieht (einen neuen Sendetermin gibt es noch nicht), der wird über 90 Minuten mit sterbenden Menschen konfrontiert. Ein Attentäter hat nahe der Allianz Arena eine Bombe gezündet. Dutzende Menschen sind verletzt, zum Teil schwer, einige bereits tot. Man hört Schreie, sieht Blut und Menschen, die leblos am Boden liegen. Wie ein Kammerspiel hat Regisseur Hans Steinbichler den Film inszeniert. Es gibt keine Nebenhandlung, nichts. Nicht mal eine kleine Frotzelei à la Batic und Leitmayr, den Kollegen vom Tatort.

Die Handlung dieses Polizeirufs konzentriert sich ausschließlich darauf, ein zweites Attentat zu verhindern. Denn die Polizei weiß: Es gibt einen zweiten Täter.

Tatort: Die Kommissare vom Kultkrimi

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Das ist Spannung pur, mitunter tatsächlich schwer zu ertragen. Es sind harte Bilder. Aber – so ist es halt. Filme aus den Reihen Tatort und Polizeiruf haben die Zuschauer selten geschont (die Polizei, das LKA und den Verfassungsschutz, die allesamt nicht gut wegkommen im Film, im übrigen auch nicht). Man hat in Tatort-Filmen mit Axel Milberg als Kommissar gesehen, wie einem Mann frontal in den Kopf geschossen wurde. Man hat in Polizeiruf-Filmen mit Edgar Selge gesehen, wie er verzweifelt nach dem Mörder eines kleines Kindes gesucht hat. Das ging auch alles unter die Haut, das hat man nach 90 Minuten auch nicht vergessen.

Der nun ins Visier der Jugendschützer geratene Polizeiruf unterscheidet sich von anderen Krimis höchstens in der Beständigkeit der Spannung. Der Zuschauer kommt hier nicht zum Durchatmen, das stimmt. Und das ist anstrengend. Zwölfjährige sollten diesen Film tatsächlich nicht anschauen. Aber daran gemessen dürften die wenigsten Tatort- und Polizeiruf-Filme um 20.15 Uhr laufen.

thy

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