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Mit anarchischem Übermut

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Kabarett gnadenlos: Nico Semsrott, Max Uthoff, Claus von Wagner, Matthias Egersdörfer und Simone Solga (v. l.).
Kabarett gnadenlos: Nico Semsrott, Max Uthoff, Claus von Wagner, Matthias Egersdörfer und Simone Solga (v. l.).

München - Nein, an Mut, an Lust auf Umsturz mangelt es diesen beiden nicht. Klare Worte in Richtung Regierende darf man auf diesem Sendeplatz erwarten, doch wie Max Uthoff und Claus von Wagner bei ihrem Debüt sehr elegant auch die eigene Zunft derbleckten, das war nicht von schlechten Eltern.

Ein Einbruch ins „Neues aus der Anstalt“-Studio bildete den furiosen Einstieg in ein neues Zeitalter der Satire im ZDF. Mit charmant unvollkommenen Parodien auf die ehemaligen Hausherren Urban Priol, Georg Schramm und Frank-Markus Barwasser verneigten sich die selbsternannten „Besetzer“ kurz vor dem Vorgängerformat, um sogleich („Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit...“) entschlossen neue Wege zu beschreiten.

„Die Anstalt“ heißt die Sendung nun – und nicht nur der Name hat sich geändert. Von Wagner und Uthoff haben sich vorgenommen, mit ihren Gästen das Ensemblespiel zu neuer Blüte zu führen, und das gelang ihnen bei der Premiere am Dienstagabend hervorragend. Ob in Schwarz-Weiß gehaltene Videobotschaft an „das Volk als Souverän“, doppelbödiges „Bürgercheck“-Quiz oder zynische Prüfungskommission für syrische Flüchtlinge – im Verein mit so profilierten Mitspielern bekommen Kabarettnummern nochmal eine ganz andere Wucht.

Doch auch solo waren die Neuen kaum zu bremsen – und jeder ihrer Auftritte ein Ereignis. Uthoff und von Wagner sind zum Glück weit entfernt von plumpen Schlägen auf die Köpfe, vom Runterrasseln von Namen, Parteien oder Firmen. Das zeigte sich exemplarisch an Uthoffs gut gearbeiteter Sottise gegen die „oberste Stimmungskanone“ Joachim Gauck und an von Wagners Nahaufnahme der Deutschen Bank. Auch Simone Solga, Matthias Egersdörfer und Nico Semsrott durften zeigen, was sie können. Eine bunte Truppe, die man sich in dieser Konstellation auch in mehr als einer Ausgabe vorstellen kann.

Bei allem eifrigen Tun, allem anarchischen Übermut wurde auch ein Hauch von Selbstironie spürbar (bis hin zur vorweggenommenen „Spiegel online“-Kritik). Keine schlechte Voraussetzung, sich schnell in die Herzen der Zuschauer zu spielen. Jetzt noch ein bisserl Tempo raus – und „Die Anstalt“ könnte nahtlos an die großen Zeiten von „Neues aus der Anstalt“ anschließen.

Rudolf Ogiermann

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