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Sandra Maischberger in ihrer Sendung.

Publikumsdebatte bei Maischberger

„Minarett am Ortseingang? Ein Gebetsraum ist doch genug“

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München - Sandra Maischberger hat ihren TV-Talk am Mittwoch erstmals mit einer „Publikumsdebatte“ aufgefrischt. Das passte zum Thema der ARD-Sendung, hatte aber auch Nachteile.

Sandra Maischberger hat in ihrem TV-Talk am Mittwoch zum Thema "Angst vor dem Islam: Alles nur Populismus?" erstmals Bürger aus ganz Deutschland ins Studio eingeladen. Mit dem Experiment der „Publikumsdebatte“ will sie ihre Studiogäste stärker einbeziehen. Das passt zum Thema der ARD-Sendung, hat aber auch Nachteile.

Maischberger hatte bereits vor ihrer 500. Sendung Anfang Oktober angekündigt, dem Publikum zumindest in einigen Ausgaben die Gelegenheit zu geben, die Talkshow durch Fragen und Einwürfe mitzugestalten – sie hielt Wort. Am Mittwochabend warf sie die Frage auf, ob nach dem Wahlsieg von Donald Trump Werte wie Religionsfreiheit und Toleranz in Gefahr sind und sich die Islamdebatte auch in Deutschland verschärft. 

Neben zahlreichen Studiobesuchern lud sich Maischberger CSU-Politiker Andreas Scheuer, Aydan Özoğuz (SPD) als Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration und Islam-Expertin Susanne Schröter ein. Sie saßen mitten unter den Studiogästen. Maischberger machte auch an Scheuer gewandt schnell klar: „Heute werden wir nicht so viel miteinander reden können.“

Der Einstieg der Sendung hatte Klassenzimmer-Charakter. „Was sagen Sie zur Trump-Drohung, Migranten auszuweisen?“, stellte etwa „Lehrkraft“ Maischberger die Frage, die Schüler antworten per Handzeichen. „Passt der Islam zu unserer Gesellschaft?“ – Fragen zum Warm werden. Das brauchte es nicht, denn die Studiogäste liefen bereits heiß. Es war die passende Diskussion zu all den Gesprächen, die sie in den vergangenen Wochen und Monaten mit ihren Nachbarn, Bekannten oder Verwandten geführt hatten. Die Argumente Für und Wider kamen blitzschnell.

Youtuber fordert mehr Offenheit von Muslimen

„Die Silvesternacht in Köln hätte es ohne diese Veränderung hin zu einer muslimischeren Gesellschaft nie gegeben“, behauptete einer. Aydan Özoğuz sah es so: „Die Diskussion in Deutschland über den Islam hat nichts mit der Religion zu tun, sondern mit Extremismus und Terrorismus.“

Nach der Einstiegsrunde wurde Maischberger konkreter. Sie wollte schließlich der Frage "Angst vor dem Islam: Alles nur Populismus?" näherkommen. Es ging um den Moscheenbau bei Erfurt gegen den es arge Proteste gibt. Ein Bürger der betroffenen Gemeinde meinte: „Ich habe nichts gegen den Islam, gehöre nicht den Rechten an, aber am Ortseingang und dann mit Minarett? Ein Gebetsraum ist doch genug.“

Vernünftig erschien der Vorschlag von Ali, der den Youtube-Kanal „Hotline für besorgte Bürger“ gegründet hat. „Die Muslime müssen raus auf Straße, sich zeigen“, sagte er, „und das nicht nur am Tag der offenen Moschee“. Expertin Schröter fordert ebenso: „Mit den Bürgern sprechen, wenn man einen Moscheebau plant und nicht nur eine Baugenehmigung durchsetzen.“

Scheuers spitze Bemerkung

Der nächste Themenblock beschäftigte sich mit dem Burkaverbot. Langsam meinte man, dieses Thema sei ausdiskutiert. Nicht so für das Publikum bei Maischberger. Bei diesem Punkt schossen die meisten Hände nach oben. Jeder wollte etwas sagen. Özoğuz durfte: „Die Burka ist ganz schrecklich, ich kenne keine Frau, die das gerne trägt. Ich bin dennoch gegen ein Verbot, weil man an die Frauen rankommen muss. Bei einem Verbot verschwinden sie von der Straße.“ Ein berechtigter Einwand. Scheuer bemerkte spitz: „Die Bundesbeauftragte ist für die Unterdrückung der Frau.“

Jeder hatte hier seine Erfahrung gemacht. Der eine ist dafür, der andere dagegen. Die Argumente längst ausgetauscht und bekannt. Im Kern sind sich viele einig, dass eine Vollverschleierung für eine Integration nicht förderlich ist.

Gute Abwechslung zu gewöhnlichen Runden

Maischberger begann ihren letzten Block („Wer soll sich an wen anpassen“) mit einem Blick in den Leitantrag der CSU zur Leitkultur. Schweinefleisch solle weiter gegessen werden, St.-Martins-Züge weiterhin so heißen dürfen, genauso wie der Christkindlmarkt weiter so genannt wird, hieß es da. „Wer kommt, muss sich an unsere Hausordnung halten“, erklärte Scheuer, der sich an diesem Abend sehr moderat gibt. Und weiter: „Spezialdiskussionen wie ein Schweinefleischverbot in Kantinen kann auch nicht im Sinne der Muslime sein.“ Alle sind sich einig.

Teilweise mit unbrauchbaren Äußerungen, teils mit Zwischenrufen extrem engagierter Bürger und mit Diskussionen, wie sie fast jeder aus seinem Bekanntenkreis kennen dürfte – doch die „Publikumsdebatte“ mit Bürgern, welche die Gesellschaft ordentlich repräsentierten, brachte viele Alltagsaspekte- und sorgen auf den Tisch, die sonst oft fehlen. „Gratulation zu solch einer Sendung, das hätte es vor fünf Jahren nicht gegeben“ lobte CSU-Mann Scheuer.

Dem darf man sich getrost anschließen. Eine Abwechslung zu den gewöhnlichen Talkrunden und vielleicht eine Inspiration für andere Formate.

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