Nicht nur neureiche Schickimickis

München - Stars der Volksmusik singen München ein Ständchen - so könnte man die Show charakterisieren, die der BR heute ab 19.45 Uhr aus Anlass des 850. Geburtstags der bayerischen Landeshauptstadt ausstrahlt.

Und wenn es nach dem Sender und vor allem nach der "Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der musikalischen Unterhaltungskultur" (ARGE) geht, so sollen die aus diesem Anlass präsentierten "Lieder für München" über den Tag hinaus im Ohr bleiben. Insgesamt fünf Songs, die eine Jury aus 30 eingereichten Titeln ausgewählt hat, werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Moderatorin der Show "Ein Lied für München - Bayern gratuliert" ist - neben Gerd Rubenbauer - Sabine Sauer.

-Welche Titel hat die Jury ausgewählt?

Angela Wiedl singt "München leuchtet", die Münchner Zwietracht verrät: "Ich mag München", Stefan Mross ist mit "Servus München" zu hören, die Jungen Tenöre mit "Der Himmel auf Erden", und schließlich besingt Wolfgang Herrmann den "Sommer in München". Aber das ist noch nicht alles an Musik. Aus jedem Regierungsbezirk kommen musikalische Grüße, außerdem haben wir illustre Gäste wie Prinzessin Ursula von Bayern, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude und das "Münchner Kindl".

-Es gibt ja schon das "Isarmärchen" von Bally Prell und "Solang der alte Peter...". Braucht's da denn überhaupt eine neue Stadthymne?

Naja, sicherlich könnte München auch ohne neues "Lied für München" weiterleben - aber sind nicht die schönsten Dinge im Leben die, die man eigentlich nicht braucht? Insofern stellt sich diese Frage für mich nicht.

-Es kommen viele Prominente in die Sendung, es kommt aber auch Renate Platzöder mit ihrem Dackel Wotan. Was hat es mit diesem Auftritt auf sich?

Wotan ist der Dackel, der auf den Geburtstagsplakaten der Stadt München zu sehen ist und auf diese Weise in die Fußstapfen von Waldi tritt, der im Jahr 1972 das Maskottchen der Olympischen Spiele war. Der Dackel steht für Gemütlichkeit, er ist der Begleiter seines Herrchens oder Frauchens, wenn die in den Biergarten gehen.

-Ist das nicht eigentlich ein Klischee?

Vieles, was mit München zusammenhängt, ist mit Klischees behaftet, aber manche pflegt man ja ganz gerne. Und das ist ein besonders nettes, außerdem steckt hinter jedem Klischee ja etwas Wahrheit.

-Was ist für Sie das schrecklichste Klischee an und über München?

Das schrecklichste Klischee ist das, was vor allem die Berliner immer gern verbreiten, dass nämlich München ausschließlich von neureichen Schickimickis bevölkert sei. Da werde ich immer leidenschaftlich und patriotisch, weil ich finde, dass das überhaupt nicht stimmt. Schickimickis gibt's in jeder Stadt, auch in Berlin. Und dass man München immer nur auf die Cabriofahrer reduziert, das ärgert mich.

-Was ist Ihnen in München besonders ans Herz gewachsen?

Ich habe während meiner Studienzeit in den Sommersemestern meine Mittagspause immer gerne im Innenhof der Glyptothek verbracht, habe da Kaffee getrunken und Kuchen gegessen. Diese heißen Sommernachmittage im Innenhof der Glyptothek sind für mich bis heute das Schönste an München, weil es da ganz still und ganz südlich ist. Man ist in München und könnte genauso gut in Griechenland oder Italien sein. Wunderbar finde ich auch den Nymphenburger Park zu allen Tages- und Jahreszeiten. Und dann gibt's in meinem Stadtviertel ein paar kleine Geschäfte, die mir ans Herz gewachsen sind. Für mich ist München gar nicht so sehr die große, imposante Kulisse, sondern es sind diese verschwiegenen Orte, an denen mich diese Stadt verzaubern kann.

-Viele alte Münchner beklagen den Ausverkauf der Mundart, auch Dialektologen prognostizieren, dass es in 50 Jahren keinen gebürtigen Münchner mehr gibt, der Bairisch spricht.

Das glaube ich nicht. Das wird nie und nimmer passieren. Ich höre in München noch ganz viele Leute ein sehr schönes Bairisch sprechen, und zwar überall. Da habe ich überhaupt keine Sorge.

-Was wünschen Sie München zum Geburtstag?

Ich wünsche München, dass es weiter so normal bleibt - trotz aller Verrücktheit. Das Schöne an München ist ja, dass es trotz allem sehr echt geblieben ist, trotz aller Klischees. In München sind ja sogar die Klischees irgendwie echt. Ich wünsche mir, dass das so bleibt, dann kann dieser Stadt nichts passieren, egal von wem sie regiert wird. Aber die nächsten 100 Jahre wird das sowieso Christian Ude sein. (Lacht.)

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

Sendetermin der Show "Ein Lied für München" ist heute ab 19.45 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

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