"Niemand will mein T-Shirt"

München - So ein Zufall ­ auch in der Jubiläumsfolge der Krimireihe "Unter Verdacht" (ZDF, Samstag, 20.15 Uhr) geht es um den Chef einer Landesbank. "Das Geld anderer Leute" erzählt die Geschichte eines Mannes, der aus Mauscheleien zwischen einem Bankier und einem Bauunternehmer Kapital schlagen will ­ mit tödlichen Folgen. Zum zehnten Mal ermittelt Eva Prohacek (Senta Berger) unter anderem auch wieder in den eigenen Reihen. An ihrer Seite wie immer Rudolf Krause (43) als ihr Assistent André Langner.

Schauspieler Rudolf Krause über "Unter Verdacht" (ZDF), Realismus im Krimi und die Versuchung, unethisch zu handeln

Auch wenn es im Krimi vor allem um Mord und erst in zweiter Linie um Spezlwirtschaft geht ­ sind Sie nicht manchmal selbst erstaunt darüber, wie nah die Fiktion an die Wirklichkeit heranrückt?

Ein paar Jahre lang habe ich Improvisationstheater gespielt. Eines Abends hat uns nach der Vorstellung jemand gesagt, wir hätten in der Szene ­ es ging da um ein Segelboot ­ genau seine Geschichte gespielt, dabei könnten wir das doch eigentlich gar nicht wissen. Da staunt man ­ und freut sich. Denn dieser Mensch geht ja besonders berührt aus dem Theater. Manchmal trifft man intuitiv etwas, das als Realität zwar nicht offensichtlich ist, aber bereits irgendwie vorhanden. Manche Dinge liegen in der Luft, und jemand, der seine Antennen ausfährt, erwischt, ohne es zu ahnen, einen ganzen Fetzen Realität. Das kann auch einem Autor passieren, der an einem Stoff arbeitet. Aber natürlich waren viele Geschichten, die in "Unter Verdacht" bis jetzt erzählt wurden, angeregt durch reale Ereignisse.

Wie wichtig ist Ihnen, dass es fast immer um Themen wie Erpressung, Korruption, um krumme Touren in den höchsten politischen Kreisen geht?

Das ist ein Bereich, der, glaube ich, nicht so häufig beleuchtet wird. In "Unter Verdacht" sind die Verbrechen oft durch die Zugehörigkeit zu einem Netz von Menschen motiviert, die sich irgendwelche Vorteile verschaffen wollen. Da ist es viel schwieriger, eindeutig "Gute" und "Böse" auszumachen. Aus welchem Lebenszusammenhang und welcher Überzeugung heraus fängt jemand an, ganz bewusst zu einem unethischen Verhalten überzugehen? Wann wird jemand verstrickt in solche Tendenzen? Was verspricht er sich davon? Ich finde es bereichernd, so ein Thema zu behandeln.

Wie ist man auf Sie gekommen?

Es gab Castings in München und in Berlin. Auf die Charakterbeschreibung der Rolle hin ist eine Vermittlerin der Zentralen Bühnen-, Film- und Fernsehvermittlung (ZBF) auf die Idee gekommen, mich einzuladen. Der Regisseur Friedemann Fromm, mit dem ich dann an einer Szene gearbeitet habe, hat sich dafür eingesetzt, dass ich die Rolle bekomme.

Assistenten führen in Krimis oft ein Schattendasein ­ man denke nur an den ewigen Harry Klein in "Derrick". Haben Sie nicht am Anfang befürchten müssen, bloßer Stichwortgeber für Senta Berger zu sein?

Nein, überhaupt nicht! Denn ich bekam ein Drehbuch zu lesen, in dem sofort zu erkennen war, dass es sich um einen Menschen mit einem Eigenleben und deutlich erkennbaren Charaktereigenschaften handelt. Wunderbar geschrieben und erfunden vom damaligen Autor Alexander Adolph.

Können Sie sich noch unerkannt bewegen?

Ja, ich bin nicht so bekannt, dass jeder gleich guckt. Ich habe sehr nette Begegnungen auf der Straße, im Zug, im Konzert und bekomme auf diese Weise mit, wer eigentlich gerne unsere Filme anschaut. So wie es jetzt ist, komme ich gut damit zurecht. Niemand klopft mir auf die Schulter oder will mein T-Shirt.

Wie würden Sie das Verhältnis Eva Prohaceks zum von Ihnen gespielten André Langner beschreiben?

Das sind zwei sehr gegensätzliche, mit sich selbst beschäftigte Menschen, von denen man meint, dass sie vielleicht gar nicht miteinander arbeiten können. Was die Arbeit nicht erleichtert. Zumal man sich von allerhöchster Stelle erhofft, dass ihre Ermittlungen möglichst nicht von Erfolg gekrönt sein mögen. Trotzdem haben sie Sympathie füreinander. Das sind zwei, die ganz ohne Verbündete dastehen und trotz des hohen Drucks und aller Widerstände einiges zustande bringen.

Wie war die Zusammenarbeit mit Senta Berger. Brauchte es Zeit, bis Sie sich aneinander gewöhnt hatten?

Gott sei Dank war es nicht so! Ich wurde sehr kollegial und herzlich in der Arbeit willkommen geheißen, und dann ging's los. Darüber war ich sehr froh.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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