Odyssee nach Norwegen

ZDF zeigt „Ein Mann ein Fjord“ mit Jürgen Tarrach in der Haupt- und Hape Kerkeling in diversen Nebenrollen

Seit Hape Kerkeling mit „Ich bin dann mal weg“ einen Bestseller gelandet hat, buhlen die großen Sender noch mehr als früher um den Meister der Comedy. Während die ARD Kerkelings Pilgerbuch verfilmen will, präsentiert das ZDF jetzt „Ein Mann, ein Fjord!“, ein niedliches Roadmovie nach dem gleichnamigen Hörbuch von Kerkeling, seinem Lebensgefährten Angelo Colagrossi, der bei der Fernsehadaption auch Regie führte, und Angelina Maccarone.

Kerkeling spielt in der Reisekomödie gleich mehrere Nebenfiguren und setzt als Schmuddeljournalist Horst Schlämmer oder als abgehalfterte Schlagersängerin hinreißende Glanzlichter. „An extremeren Charakteren habe ich einfach mehr Spielfreude“, erklärt Kerkeling. Die Hauptrolle des sympathisch-naiven Arbeitslosen Norbert Krabbe überließ der 44-Jährige deshalb gerne dem Schauspieler Jürgen Tarrach, der idealen Besetzung für die Figur.

Norbert Krabbe ist ein Verlierertyp, der bei jedem Gewinnspiel mitmacht, aber nie den Jackpot knackt – seine Ehefrau Birgit (Anneke Kim Sarnau) ertränkt den Alltagsfrust in Flaschenbier. Als Krabbe einen Fjord gewinnt, bricht er heimlich mit Tochter Ute (Olga von Luckwald) nach Norwegen auf. Kaum ist Norbert weg, findet Birgit in der Post die Nachricht, dass er 500 000 Euro gewonnen hat, die er aber schleunigst persönlich abholen muss – mit dem Mut der Verzweiflung reist sie ihrem Mann hinterher.

Mit allen möglichen Vehikeln von der Fähre über ein Mofa bis zum Heißluftballon kämpfen sich die Krabbes die 1800 Kilometer bis zum Ziel in Norwegen durch, verlieren und finden sich und erleben Verwicklungen, die zwar turbulent sind, aber nie laut oder albern. „Ein Mann, ein Fjord!“ könnte stellenweise vielleicht sogar etwas mehr Tempo vertragen, ist aber origineller als fast alles, was man sonst im Fernsehen sieht, und enthält viele hübsche Details. Die Dreharbeiten waren für die Filmcrew, die samt Ausrüstung dieselbe Reiseroute hatte wie Familie Krabbe, nicht immer leicht. „In Bergen hat es die ganze Zeit nur geregnet und ich habe für einen einzigen Satz 16 Stunden im kompletten ,Schlämmer‘-Outfit warten müssen“ klagt Kerkeling.

Eine lange Reise von der ersten Idee zum fertigen Film hat auch die Story hinter sich. Das Ganze sollte zunächst ein Filmdrehbuch werden, doch kein Sender habe an die Idee geglaubt, erzählt Angelo Colagrossi. Deshalb wurde aus der Geschichte nur ein Hörspiel, bei dem Hape Kerkeling zwölf Rollen sprach und auch die Regieanweisungen vorlas. Bei der ersten Lesung saß eine ZDF-Redakteurin im Publikum und war so begeistert, dass sie die Geschichte noch am gleichen Abend „kaufte“. Als das Hörbuch dann zum Hit wurde, hätten plötzlich alle anderen großen Sender Interesse angemeldet, so Colagrossi: „Aber da kamen sie zu spät.“

Von Cornelia Wystrichowski

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