Als Olivenbauer versagt

München - Es ist die Geschichte einer alten Beziehung und einer neu erwachenden Liebe: Sabine Postel und Peter Sattmann sind die Protagonisten in "Einmal Toskana und zurück" (ARD, heute, 20.15 Uhr), einem modernen Ehe-Märchen, das als Scheidungsdrama beginnt. Dritter im Bunde ist der Münchner Liedermacher Konstantin Wecker, der sich nach längerer Zeit wieder als Schauspieler betätigt und als Olivenbauer den zukünftigen Ex-Ehemann eifersüchtig macht.

-Was bewegt einen Intellektuellen und Revoluzzer, in einem harmlosen Familienfilm mitzumachen?

Die Toskana natürlich. So eine Rolle, die quasi in der Nachbarschaft spielt, kann ich doch nicht ablehnen. Mein eigenes Haus liegt nur 40 Kilometer vom Drehort entfernt. Die Toskana ist Teil meines Lebens. Und in dieser Rolle bin ich auch noch ein aus München ausgewanderter Olivenbauer. Da hat vieles gepasst.

-Haben Sie Erfahrung mit der Olivenernte?

Ich hab's versucht, aber bald aufgegeben. Ich habe an den Trieben rumgeschnipselt, das war eine Katastrophe. Die alten Bauern haben sich heimlich ins Fäustchen gelacht. Aber ein paar 200 Jahre alte Olivenbäume stehen noch.

-Wie Ihre Filmfigur sind Sie eine Art Pensionswirt, vermieten Ihr Landhaus an Toskana- und Konstantin-Wecker-Fans. Enthält der Film eine Werbebotschaft?

Wenn Sie so wollen! Ich habe viele Stammgäste, weil die Adresse so musikerfreundlich ist. In meinem Haus und im Gästehaus steht je ein Flügel. Wer spielen mag, kann sich dort austoben. Ich selber bin nur in den Ferien da, weil meine beiden Söhne ja noch in München zur Schule gehen.

-Die Toskana ist seit 28 Jahren Ihre zweite Heimat. Wie hat sich das Leben dort verändert?

Das Schöne an dieser Landschaft ist: Äußerlich ist alles gleich geblieben, das Dorf, die Gemäuer, die alte Bar ­ Menschengenerationen kommen und gehen, aber der Blick bleibt. Trotzdem wird es nie langweilig, sich umzuschauen, weil sich alles durch das toskanische Licht jeden Tag, fast jede Stunde wandelt.

-Hat sich diese Landschaft auf Ihr künstlerisches Schaffen ausgewirkt?

Zwangsläufig, weil fast all' meine Kompositionen und Texte, weiche wie zornige, in der Toskana entstanden sind. Ich kann den Raum der Inspiration, den ich zum Arbeiten brauche, dort leichter betreten.

- Ihre Söhne sind in München geboren. Sehen sie Italien auch schon als zweite Heimat an?

Gar nicht. Als sie klein waren, fühlten sie sich in Bassum bei Bremen zuhause, wo ihre Großeltern mütterlicherseits leben. Mittlerweile sind sie am liebsten in München, weil die Großstadt ihnen so viele Vorteile bietet.

-Auf Ihrer Homepage sind 63 Filme aufgelistet, in denen Sie mitgespielt haben. "Einmal Toskana und zurück" ist nicht dabei. Schämen Sie sich dafür?

Der Titel fehlt nur, weil der Film noch nicht ausgestrahlt wurde. Sie wissen, dass ich selbst zu Jugendsünden stehe, sonst wäre zum Beispiel "Der Ostfriesen-Report" aus meiner Vita getilgt.

-Vor Dummheiten ist man nie gefeit. Wie würden Sie Ihr Mitwirken in den Sexfilmchen Anfang der 70er- Jahre benennen?

Diese Zeit mit dem legendären Produzenten Alois Brummer ("Graf Porno") möchte ich nicht missen. Ich habe das nie als Beruf gesehen, sondern wie einen Studentenjob. Die Filme waren eine ehrliche Arbeit, auch wenn sie alle strunzdumm waren. Ich habe dann damit aufgehört, obwohl ich in Geldnöten war und die Gagen gut hätte gebrauchen können. Aber ich hatte wirklich Angst zu verblöden. Da hab' ich dann lieber in Kneipen Klavier gespielt und versucht, mit ernsten Liedern Fuß zu fassen.

- Sie haben ein Vermögen gemacht und durch ihre Sucht und Prozess- und Anwaltskosten verloren. Sind Sie nun schuldenfrei?

Fast! Ich habe in den vergangenen Jahren einen unglaublichen Schuldenberg abtragen müssen. Deswegen habe ich in den letzten zehn Jahren wie verrückt gearbeitet. Aber es hält lebendig.

Das Gespräch führte Harald Heinzinger

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