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Operation am offenen Zuschauerherzen

Wenn "Dr. House" zynisch Diagnosen stellt, die "Desperate Housewives" um die Wette zicken oder bei "CSI" grausige Verbrechen aufgedeckt werden, schauen Millionen zu. Wollen aber deutsche Ärzte, Hausfrauen oder Ermittler in Serie gehen, tun sie sich deutlich schwerer.

Wie zuletzt "Dr. Molly & Karl" oder "Plötzlich Papa - Einspruch abgelehnt" (beide Sat.1) werden eigenproduzierte Serien von den Sendern häufig nicht einmal bis zum Ende der Staffel ausgestrahlt - mangels Quote verschwinden fertige Folgen ungesehen in der Versenkung.

"Das Etablieren einer deutschen Serie beim jungen Publikum war in den letzten Jahren tatsächlich nicht leicht", gesteht Sat.1-Sprecherin Kristina Faßler ein: "An der Qualität liegt das aber nicht." Eher sei die starke Konkurrenz durch amerikanische Serien das Problem, da diese ihr festes Stammpublikum hätten. "Das ist aber kein Grund, das Handtuch zu werfen", so Faßler. Den eigenen Serien einfach länger Zeit zu geben, damit sich das Publikum an sie gewöhnt, sei allerdings keine Option. "Wir haben sehr viel Geduld bewiesen", betont Faßler: "Wenn sich aber überhaupt kein positiver Trend zeigt, ist eine Reaktion auch im Interesse der Zuschauermehrheit leider manchmal notwendig."

Trotzdem setzt Sat.1 weiter auf Eigenproduziertes und schickt ab heute jeweils donnerstags um 22.15 Uhr seine neue Krankenhausserie "Klinik am Alex" ins Rennen, die frappierend an den amerikanischen Quotenknüller "Grey’s Anatomy" erinnert. Im Mittelpunkt stehen sechs junge Assistenzärzte, die mit dem harten Alltag in der Chirurgie konfrontiert werden.

Eigentlich hätte die "Klinik am Alex" schon Anfang des Monats starten sollen, doch nach der Pleite von "Dr. Molly & Karl" wollte man wohl etwas Zeit verstreichen lassen bis zum nächsten Start einer Medizinerstory. Den Erwartungsdruck reduziert das freilich nicht, auch wenn die Münchner Schauspielerin Eva-Maria Reichert, die in der Serie die Rolle der Assistenzärztin Hülya Gül spielt, betont, dass sie das kalt lässt: "Jede neue Rolle ist ein Wagnis, egal ob im Theater oder beim Film. Wir versuchen, bei der ,Klinik am Alex‘ die Leute niveauvoll zu unterhalten, geben dafür alle unser Bestes und lassen uns nicht von irgendwelchen Pessimisten beeinflussen." Auch den Vorwurf, die "Klinik am Alex" sei ein deutscher Abklatsch von "Grey’s Anatomy" weist die sympathische Münchnerin strikt von sich: "Ich seh’ das nicht so. Es gab schon viele Serien, in denen es um Assistenzärzte ging. Außerdem versuchen wir, ein ganz eigenes Profil zu etablieren."

Diese Hoffnung teilt auch Kristina Faßler. Denn nur mit ausländischen Serien lässt sich das Programm kaum füllen - die Zahl der für den deutschen Markt tauglichen Serien aus USA sei schließlich begrenzt, erläutert die Sat.1-Sprecherin. Deshalb investiert Sat.1 - trotz der Misserfolge der letzten Jahre - immer wieder in eigene Produktionen. "Sollte es gelingen, eine deutsche Serie zu etablieren, hat man für lange Zeit eine stabile Versorgung auf einem Sendeplatz", so Faßler. "Es lohnt sich, dafür zu arbeiten."

Melanie Brandl

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