Die Palette ist breiter geworden

- Iris Berben verdreht den Tschechen die Köpfe. Wenn die Schauspielerin in diesen Tagen bei Dreharbeiten in Prag barfüßig über das Kopfsteinpflaster der Altstadt flaniert, wenden sich zahlreiche Bewohner der Metropole nach ihr um. Will sie mit Macht ihre oft beschriebene jugendliche Ausstrahlung demonstrieren?

"Unsinn", winkt Berben ab: "Ich habe durchaus meine dünnhäutigen Momente, in denen es nicht leicht für mich ist, 55 zu sein." Das Älterwerden ist auch ein Thema des Films, den sie in Prag dreht. In "Der russische Geliebte" hat sie eine Affäre mit einem 20 Jahre jüngeren Mann. In weiteren Rollen spielen unter anderen Anne Weinknecht, Marlen Diekhoff, Ursula Andermatt und Edgar M. Böhlke.

Der Neunzigminüter nach einem Roman von Maria Nurowska soll noch heuer im ZDF zu sehen sein. Er erzählt die Geschichte der aus Frankfurt/Oder stammenden Julia (Berben). Die 49-Jährige erhält ein Gastprofessur an der Pariser Sorbonne. Jedoch gerät die durch das lange Singledasein streng gewordene Literaturwissenschaftlerin dort zunehmend in den Bann ihres russischen Kollegen Sascha (Ronald Zehrfeld).

"Julia bleibt zwar eine erwachsene Frau, lässt mit einem Mal aber eine Weichheit zu", beschreibt Iris Berben ihre Rolle. "Das ist nicht die übliche Geschichte vom hässlichen Entlein, das zum Schwan wird, sondern ein durchaus sperriger Stoff." Weniger als zwei Millionen Euro koste der Film, sagt Regisseur Ulrich Stark. Möglich sei dies auch, weil man in Tschechien statt in Frankreich drehe. "Solch filigrane Studiobauten wie hier kannst du in Paris nicht bezahlen", weiß Berben. Man arbeite aber nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen an der Moldau: "In Prag werden Filme traditionell mit außerordentlicher Sorgfalt gemacht. Hier zu drehen, ist ein Hochgenuss."

Armdicke Stromkabel führen einen Steinwurf von der Karlsbrücke entfernt in die reich verzierte Bibliothek des Clementinums. Im Lesesaal des ehemaligen Jesuitenkollegs bereitet Kameramann Peter von Haller eine Szene vor. Bis es soweit ist, führt Berben im Hof mit hochgesteckter Frisur, tiefblauem Rock und beiger Bluse ihren Hund Paul Gassi. Der jagt ein paar Tauben, dann muss die auf "graue Maus" geschminkte Schauspielerin zum Dreh zurück.

"Das ist nicht die übliche Geschichte vom hässlichen Entlein, das zum Schwan wird, sondern ein durchaus sperriger Stoff."

Iris Berben

Am nächsten Tag trägt sie am Set im zentralen Gemeindehaus ein elegant geschnittenes rotes Kleid und die Haare schulterlang.

"Der Altersunterschied ist für Sascha kein Problem, für Julia jedoch ein großes", meint Berben. "Es ist zwar kein offenherziger Film, aber es gibt Szenen, die sehr viel mit Berührung zu tun haben. Und wenn man Mitte 50 ist, ist Körperlichkeit nicht ohne Scham." Elegant schlendert sie zwischen "Pariser" Straßenmalern und deren Zeichnungen des Eiffelturms. Markisen und die Trikolore wehen über einer Imitation des Restaurants "Le Consulat", das sich im Film auf dem Montmartre befindet.

"Für mich werden mit der Zeit jene Themen immer interessanter, die mit einer nachvollziehbaren Gefühlswelt zu tun haben und sich insofern aus der Beliebigkeit von Fernsehstoffen herauswühlen", betont die Schauspielerin, die aus Detmold (Nordrhein-Westfalen) stammt. Dazu zählt für sie auch der Dreiteiler "Afrika mon amour", in dem sie 2007 zu sehen sein wird.

"Es ist ja nicht so, dass ich mich gar nicht mit meinem Alter beschäftige", gesteht Berben erneut. "Dabei geht es aber nicht darum, etwas nicht mehr spielen zu können, im Gegenteil. Es geht um den Gewinn, bestimmte Rollen erst jetzt voll ausfüllen zu können. Das hat sicher damit zu tun, dass ich souveräner geworden bin, auch genauer. Die Palette ist breiter geworden. Ich spüre einfach, wie ich in andere Möglichkeiten hineinwachse."

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