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Claus Kleber und Gundula Gause moderierten um 22 Uhr das "heute- journal" im neuen Studio.

Pannenfreier Start für virtuelles "heute"-Studio

Mainz - Ohne Pannen und mit großem Zuschauerinteresse hat das ZDF am Freitag die ersten “heute“-Nachrichten aus seinem neuen digitalen Studio gesendet.

Die Revolution ist aus Kirschbaumholz und hat die Form eines leicht verdrehten Kreuzes. Diese Rampe steht im neuen ZDF-Nachrichtenstudio, von dem aus seit Freitag „heute“ und „heute-journal“ gesendet werden. Sonst steht dort nicht viel, da die meisten Neuerungen virtueller Natur sind. Dafür der Moderator. Vor einem 3D-Modell oder am Holzkreuz in der Mitte des Raumes. Man sieht also die Beine von Steffen Seibert oder Claus Kleber!

Vor allem daran muss man sich als Konsument deutscher Nachrichtensendungen erst gewöhnen. Was weniger an deren Extremitäten liegt als an der Tatsache, dass das legere Anlehnen an den futuristisch geschwungenen Kirschholzblock angesichts der bislang propagierten, Fakten-diktierten Nüchternheit ungewohnt locker erscheint. Bei den hiesigen Privatsendern und in anderen Ländern ließ es sich längst beobachten, dass die Nachrichtensendungen immer „magaziniger“ wurden, dass eine Coffeeshop-ähnliche Wohlfühl-Atmosphäre die Koepckesche Ära des steifen Meldungen-Ablesens abgelöst hatte.

Erfahrungsgemäß dauerte es immer ein wenig, ehe Trendwellen über den großen Teich schwappten. Nun ist auch diese da. Endlich. Denn bei aller Skepsis muss man bereits nach einem Tag im neuen ZDF-Nachrichten-Outfit konstatieren: Es wurde höchste Zeit. Zeit, um mit dem ermüdenden Ritual des Nachrichten-Vorlesens zu brechen und sich darauf zu konzentrieren, womöglich nicht mehr alle Nachrichten eines Tages servieren zu können. Diese wenigen aber klug strukturiert, kenntnisreich und anschaulich. Junge Leute sehen keine Nachrichtensendungen mehr, sie wollen unterhalten werden, heißt es. Am besten so schlicht, wie viele private Sender es rund um die Uhr offerieren.

Wie angenehm seriös und informativ erscheint einem da Steffen Seibert neben der 3D-Animation des maroden Kernkraftwerks Krümmel. Nicht nur diese neuartigen 3D-Animationen sind eine wunderbare Erfindung – das gesamte Studio mit seinem klaren Design und den leicht unterkühlt wirkenden Farbwelten macht einen frischen, modernen Eindruck. Die gesamte Kameraarbeit, besonders der Zoom auf das Standbild und die Standbildübergänge sind hervorragend. Die sich leicht bewegenden weißen Linien hinter den eingeblendeten Bildern sollen vermutlich einen dynamischen Eindruck machen, irritierend allerdings eher. Weniger ist oft mehr.

Das gilt auch für die ständig wechselnden Positionen von Claus Kleber. Vermutlich wollte man bei der Premiere einfach mal alles zeigen, was man jetzt so draufhat: Kleber sitzend, lehnend, stehend, es wimmelt nur so von 3D-Animationen und Tortengrafiken. Mit der Zeit werden die zahlreichen Neuheiten hoffentlich moderater eingesetzt. Vielleicht kümmert sich auch noch einmal jemand um die störenden Flimmerlinien rund um die Konturen der Moderatoren und um eine bessere Lesbarkeit der weißen Schrift auf orangefarbenem Grund.

Insgesamt ist der erste Eindruck aber durchweg positiv. An vieles wird man sich gewöhnen, manches dürfte noch korrigiert werden. Hoffentlich auch die Intro. Ohne Kennmelodie fängt die Sendung eher unvermittelt an. Da darf ruhig etwas grafisch Markantes her wie bei CNN oder BBC – die antiquierte „Tagesschau“ mag man ja jetzt wirklich nicht mehr als Vorbild nennen.

von Ulrike Frick

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