Peter Steiner: Reden, wie der Schnabel gewachsen ist

München - Dass das Spielen seine "Passion" sei, dass er sich als "Menschendarsteller" verstehe, der sein Publikum "verwandeln" wolle, nein, solche Formulierungen würden diesem Mann wohl nie in den Sinn kommen, wenn er über seinen Beruf spricht. "Wenn der Vorhang aufgeht, dann geht mir auch das Herz auf" - so heißt das bei Peter Steiner.

Heute wird der Volksschauspieler und Regisseur, Sänger und Moderator 80 Jahre alt, doch der Drang auf die Bühne ist ungebrochen. Und so wird Steiner auch im nächsten Jahr wieder mit seinem "Theaterstadl" auf Tournee gehen, mit einem Stück, das "Kreszenzia - Die Göttin der Liebe" heißt und schon einiges über das Selbstverständnis des Münchners aussagt.

Denn so kernig, wie Steiner im Gespräch mit unserer Zeitung den Begriff "Bauerntheater" ausspricht, so spitz klingt andererseits das Wort "modern" (Betonung auf der zweiten Silbe) aus seinem Mund. So kamen dem Kaufmannssohn die Stücke vor, für die er ans Residenztheater engagiert wurde und mit denen der Absolvent der Münchner Falckenbergschule schon als junger Bursche nicht viel anzufangen wusste. Und weil ihm ein Regisseur auch noch anschaffte, er müsse "ein anderes ,a sprechen", landete er schon bald nach dem Krieg endgültig beim Volkstheater: "Ich wollte lustig, wollte bayerisch sein, wollte reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist."

Solche Instinkt-Schauspieler brauchte diese Sparte, und so ging's mit Steiners Karriere bald steil bergauf. Vom "Platzl", wo er neben dem Weiß Ferdl, neben Erni Singerl und Michl Lang auftrat, führte der Weg zum "Komödienstadel" und zum "Königlich Bayerischen Amtsgericht" und damit zum (Bayerischen) Fernsehen.

Anfang der Siebzigerjahre wurde sogar das Kino auf ihn aufmerksam - allerdings mit einem eher obskuren Angebot. Steiner, der "gstandene Bayer", das kracherte "Original", zu dem er sich selbst stilisiert hatte, sollte in einem Softporno mit dem Titel "Liebesgrüße aus der Lederhose" mitwirken. Aus dem einen Film (Regie: Franz Marischka) wurde eine Reihe, die "ein Riesenerfolg war", wie Steiner betont. Weitere Streifen mit einschlägigen Titeln ("Lass jucken, Kumpel") kamen dazu. Sein Engagement in diesem Genre, das in seiner weiß-blauen Spielart den Bayern stets als einfältigen Lüstling verkaufte, der pausenlos fensterlt, bereut er keine Sekunde: "Das waren Kindermärchen im Vergleich zu den Schweinereien, die man heute zu sehen bekommt." Er stehe dazu, "im Gegensatz zu vielen anderen, die damals mitgemacht haben und davon heute nichts mehr wissen wollen".

In den Achtzigern erfüllte sich Steiner mit der Gründung des "Theaterstadls" im Münchner Stadtteil Giesing den Wunsch nach einer eigenen Bühne. Und ausgerechnet via RTL - sonst jeglicher Avancen ans ältere Publikum unverdächtig - schaffte Steiner die Rückkehr ins Fernsehen. Mit Stücken wie "Die drei Eisbären" und "Sei doch net so dumm, Opa" sowie der Serie "Zum Stanglwirt", einer frühen "Sitcom" im Dialekt, erzielte der Privatsender bis weit in die Neunzigerjahre hinein Höchstquoten. Dass die Kölner Konkurrenz und nicht der BR bei seinem urigen "Theaterstadl" zugriff, führt der Prinzipal nicht zuletzt auf seine "Jugendsünden" zurück: "Erst hab' ich's bedauert, dass die mich nicht haben wollten, später dann wahrscheinlich sie selbst. Niemand hatte so viele Zuschauer wie wir, nicht mal der ,Komödienstadel.

Auch mit dem Vorwurf, die bevorzugten Stücke bedienten sämtliche Klischees, handelten immer noch vor allem von verliebten Knechten und Mägden, militanten Hausdrachen und gamsigen Großvätern, kann Steiner umgehen: "Warum gibt's einen Flohmarkt, wo die Leut' die alten Sachen suchen, die's im Laden schon lange nicht mehr gibt?" So verhalte es sich auch mit dem Bauerntheater: "Wir bringen ein wenig die Zeit zurück, so wie sie früher war." Dramen seien in seiner Art von Theater nicht vorgesehen, "damit kann man keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervorlocken."

Seine Aufgabe sieht der Bühnenberserker in der Unterhaltung der Zuschauer, übrigens nicht nur der älteren, wie er unterstreicht: "Die hören, sehen und lesen so viel von Mord und Totschlag. Wir wollen, dass sie zwei Stunden unbeschwert sind und lachen können."

Peter Steiner im TV:

Der Heimatkanal zeigt aus Anlass des Geburtstags mehrere "Theaterstadl"-Produktionen, unter anderen "Jessas, i bin Vater", (7. 9., 21.45 Uhr), "Die Keuschheitskonkurrenz" (11. 9., 20.15 Uhr), "Loch in der Wand" (18. 9, 20.15 Uhr) und "Das rotseidene Hoserl" (25. 9., 20.15 Uhr).

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