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Nach zwei Jahren ist er wieder da: Peter Weck spielt im Wiener „Tatort“ den Altersheimbewohner Paul, der flüchten will. Die ARD zeigt ihn ab 20.15 Uhr am Sonntag.

Im Wiener "Tatort"

Peter Weck: „Die Rolle war der richtige Köder“

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München - Peter Weck über seine Trauerbewältigung nach dem Tod seiner Frau und warum der Part im Wiener „Tatort“ wieder Freude in sein Leben zurückgebracht hat.

Zwei Jahre hat man nichts von ihm gehört oder gesehen. Nach dem überraschenden Tod seiner Frau Ingrid, mit der er 45 Jahre lang verheiratet war, hatte sich Peter Weck aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nun feiert der 84-Jährige ein kleines TV-Comeback. Im ORF-„Tatort“ „Paradies“, der am Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen ist, spielt er einen Altenheimbewohner, der von seiner Tochter verraten wurde und eine Menge kriminelle Energie hat...

Was war das Entscheidende, dass Sie diese Rolle angenommen haben?

Ich habe mich für diese Rolle entschieden, weil sie Gott sei Dank andere Farben von mir verlangt hat als die des ewig freundlich-charmanten Familienvaters oder später dann Großvaters, den ich so viele Jahre so oft gespielt habe.

Wie einst in der Serie „Ich heirate eine Familie“.

Ja genau.

Haben Sie das denn nicht gerne gemacht?

Doch, und ich bin auch dankbar und froh, dass mir diese Serie „passiert“ ist. Sie war sehr gut gemacht und zurecht ein großer Erfolg. Aber wenn man Schauspieler geworden ist, wenn man durch die Schauspielschule gegangen ist – dann will man ein größeres Spektrum an Charakteren spielen. Immer das Gleiche ist einfallslos! Und deswegen bin ich so dankbar, dass Uli Brée (der Drehbuchautor, Anm. d. Red.) mir diese Rolle nun geschrieben hat.

Seit dem Tod Ihrer Frau wollten Sie nicht mehr drehen.

Ich hätte es gar nicht gekonnt! Ich habe alles abgesagt, was an Angeboten reinkam. Ich habe diese Zeit gebraucht, um wieder zu mir zu kommen. Ich habe Zeit für mich gebraucht. Mit dieser Rolle kam wieder ein Stück Freude in mein Leben. Sie war sozusagen der richtige Köder, um mich in den Beruf und ins Geschehen zurückzuholen. Ich habe zum ersten Mal wieder Spaß am Drehen gehabt. Das hat mir Mut gemacht. Und nun wissen die Leute, dass ich wieder da bin und dass es noch klappt mit dem Textlernen und dass ich auch Rollen spielen kann, in denen ich nicht nur nett sein muss. (Lacht.)

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Ihre Einstellung zum Leben ist bemerkenswert. Das wird Menschen in ähnlichen Situationen Mut machen.

Ja, vielleicht. Ich habe tatsächlich den Eindruck, dass viele Menschen Anteil genommen haben an meinem Schicksal. Mich sprechen Leute auf der Straße an und sagen: „Wie schön, dass es Ihnen wieder besser geht. Wir freuen uns, wenn wir Sie wieder im Fernsehen sehen.“ Das ist nett, aber mich irritiert so etwas trotzdem.

Warum?

Ich bin ein zurückhaltender und introvertierter Mensch. Mir ist es unangenehm, in der Öffentlichkeit über private Dinge zu reden und sie mit Menschen zu teilen, die mich „nur“ aus dem Fernsehen kennen. Aber das gehört zu meinem Beruf wohl dazu, das habe ich lernen müssen. Durch das Fernsehen landet man bei den Menschen im Wohnzimmer und manche meinen dann, man gehöre tatsächlich zur Familie oder wenigstens zum Mobiliar. (Lacht.)

Kommen wir zurück zum „Tatort“. Er zeichnet ein düsteres Bild vom Alt-Sein. Man sieht ausschließlich unglückliche verzweifelte Menschen im Heim...

Das ganze Altersheim-Wesen ist ja auch eine trostlose Sache! Auf der einen Seite ist es natürlich gut, dass es solche Einrichtungen gibt, vor allem für behinderte oder pflegebedürftige Menschen. Aber wenn man in einem Heim ist, weil die Familie einen abgeschoben hat, dann ist das sehr traurig. Da verliert man das Selbstwertgefühl.

Wohnen Sie noch in Ihrem Haus in Wien?

Nein, das habe ich aufgegeben. Die Erinnerungen an meine Frau waren mir dort zu gegenwärtig. Sie hatte so ein großes Geschick, alles schön zu gestalten, wir hatten es immer gemütlich. Nun bin ich in eine Wohnung gezogen, in der es ausschaut wie in einem Hotel, und die Gemütlichkeit ist der Nüchternheit gewichen. Aber der Kontrast tut mir gut.

Planen Sie nach der guten „Tatort“-Erfahrung Ihren nächsten Film?

Langsam, langsam, vergessen Sie mein Alter nicht. (Lacht). Dinge, die mich fordern, also ernsthafte Rollen, die würde ich annehmen. Leider gibt es davon heute nicht mehr so viele. Es ist alles so beliebig geworden, und belanglos. Allein schon diese Menge an Krimis!! Das ist lächerlich. Ich frage mich: Gibt es nichts anderes mehr als Verbrechen? Ich mag Krimis – sonst hätte ich im „Tatort“ nicht mitgespielt – aber zu viel vom selben sollte es eben auch nicht geben. Also, wenn mir etwas Schönes auf den Schreibtisch kommt, denke ich drüber nach. Das Gute ist ja: Karriere muss ich nicht mehr machen.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

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