+
Im Saloon eines Freizeitparks ist die ungeliebte Chefin nackt zusammengebrochen, Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) ermitteln

TV-Kritik

Untergangsstimmung beim "Polizeiruf 110"

München - Der Herbst naht und eine Werft kämpft ums Überleben, dazu ein in die Jahre gekommener Polizeimeister, der der auf Mörderjad geht. Der "Polizeiruf 110: Vor aller Augen" strotzt vor Untergangsstimmung - urteilt unser TV-Kritiker.

Die Blätter verfärben sich, die Tage werden kürzer, und morgens überzieht feiner Raureif die Landschaft. Die Herbststimmung in diesem Film lässt sich leicht auf die Geschichte übertragen, die hier erzählt wird. Eine kleine Werft kämpft ums Überleben, nur in der jungen Geschäftsführerin ist noch Leben, fast der gesamte Rest der Belegschaft welkt dahin – ohne Hoffnung auf bessere Zeiten.

Als ob die Kühle des Spätjahrs auch jede Emotion ersterben ließe, wirkt dieser Fall der Potsdamer „Polizeiruf 110“- Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon). „Vor aller Augen“ – so auch der Titel dieser Episode – windet sich die ungeliebte Chefin röchelnd auf dem Bretterboden des Saloons, und niemand rührt einen Finger, ihr zu helfen. Ein Motivationstraining in einer Westernstadt, die schon bessere Zeiten gesehen hat, Mitarbeiter, denen das Mittelmaß aus den Gesichtern schaut – man muss sich auf diesen surreal anmutenden Krimi bewusst einlassen, um Freude daran zu haben.

Autor und Regisseur Bernd Böhlich findet lange, ruhige Einstellungen für die Ermittlungsarbeit (Kamera: Florian Foest), die sich, wenig überraschend, im Kreis der Firma abspielt. Und doch sieht man gerne dabei zu, was vor allem an Maria Simon liegt. Nur auf den ersten Blick ist ihre Olga Lenski, um deren Privatleben es nicht zum Besten steht, infiziert von der Untergangsstimmung, die über dem Geschehen liegt. Unter der zarten Melancholie blitzt die Lust auf, diesen Fall zu klären, mit der sanften Kraft einer natürlichen Autorität arbeitet sich Lenski der Lösung entgegen.

Wie geschaffen für dieses Ambiente des Verfalls ist die Figur des in die Jahre gekommenen Polizeimeisters Krause (Horst Krause), dessen Bewegungen man anmerkt, dass auch bei ihm der Lebensabend längst begonnen hat. Und im Spiel Otto Sanders als verwittert-verbittertem Seniorchef hält dieser im besten Sinne solide Krimi immer wieder sogar ein paar schauspielerische Kabinettstückchen bereit.

Rudolf Ogiermann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dschungelcamp 2018: Die ersten Kandidaten für die neue Staffel stehen fest
Und jährlich grüßt das Känguruh: Auch im Januar 2018 werden wieder so genannte Stars ins Dschungelcamp einziehen. Wir sagen Ihnen schon jetzt, was Sie dazu unbedingt …
Dschungelcamp 2018: Die ersten Kandidaten für die neue Staffel stehen fest
„Der rote Schatten“ – ein „Tatort“, der lange im Gedächtnis bleibt
Der Münchner Regisseur Dominik Graf verknüpft im „Tatort: Der rote Schatten“ die sogenannte Todesnacht von Stammheim mit einem aktuellen Mordfall. Ob ihm das geglückt …
„Der rote Schatten“ – ein „Tatort“, der lange im Gedächtnis bleibt
Den Mördern auf den Fersen: Hinter den Kulissen von „Aktenzeichen XY“
Seit 50 Jahren hilft „Aktenzeichen XY... ungelöst“ dabei, reale Verbrechen aufzuklären. Doch wie entsteht das ZDF-Erfolgsformat? Ein Blick hinter die Kulissen.
Den Mördern auf den Fersen: Hinter den Kulissen von „Aktenzeichen XY“
Jo Groebel: „Die Zuschauer erleben doppelten Nervenkitzel“ bei Aktenzeichen XY
Jo Groebel ist Medien-Experte und erklärt die Faszination hinter „Aktenzeichen XY... ungelöst“.
Jo Groebel: „Die Zuschauer erleben doppelten Nervenkitzel“ bei Aktenzeichen XY

Kommentare