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In größter Gefahr: Sascha Bukow (Charly Hübner).

TV-Kritik

Der Polizeiruf: Nichts für schwache Nerven

Rostock - Blutig war der neunte Fall von Anneke Kim Sarnau (41) und Charly Hübner (41). Hier lesen Sie die Kritik des „Polizeiruf 110“ (ARD) aus Rostock.

Der Ermittler bangt um seinen nach Luft ringenden Sohn, während seine Frau sich im Hotelzimmer mit seinem Kollegen heimlich zum Sex trifft – Szenen einer aus dem Leim gehenden Familie bestimmen schon bald den Rhythmus dieses „Polizeiruf 110“ (ARD) aus Rostock. Der Fall eines Mannes, der mit herausgeschnittener Zunge tot aufgefunden wurde, läuft dagegen lange (fast) nebenher. Die erzählerische Souveränität, mit der Autor und Regisseur Thomas Stiller diese beiden Fäden mehr und mehr miteinander verwebt, ist die große Stärke von „Liebeswahn“, dem jüngsten Fall der Rostocker Kommissare Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Sascha Bukow (Charly Hübner).

Schon die Ermittlungsarbeit im Fall des Lehrers, der, wie’s scheint, Opfer eskalierter sadomasochistischer Sexpraktiken wurde, inszeniert Stiller auch dank guter Schauspielerleistungen realistischer, als ihm das zuletzt im Münchner „Tatort“-Fall „Macht und Ohnmacht“ gelang. Doch seine besondere Qualität zeigt er im virtuosen Spiel mit den Elementen des Horrorfilms. Kamerablicke aus dem Gebüsch heraus (Marc Liesendahl), im Grau der Nacht lauernde Gestalten, unheimlich klingende (Brief-)Botschaften – sie illustrieren, wie sich die Bedrohung unter den Augen des Zuschauers langsam auf die Ermittler zubewegt, namentlich auf den um seine Ehe kämpfenden Bukow.

Dass die Regie die Böse (ebenso sanft wie verrückt: Alma Leiberg) schon nach zwei Dritteln des Films enttarnt, schmälert nicht eine Sekunde den Thrill – bis zum spektakulären Showdown im Klinikkeller. Nach der Logik im Detail zu fragen, wäre kleinlich angesichts der so lebensecht gezeichneten Hauptfiguren und ihres vielschichtigen Beziehungsgeflechts. Apropos Beziehungen – die Affäre Frau Bukows (Fanny Staffa) mit Herrn Thiesler (Josef Heynert) ist noch nicht zu Ende erzählt. Beim Rostocker „Polizeiruf“ bleibt es spannend.

Rudolf Ogiermann

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