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Die schlechteste Ermittlerfigur in der Geschichte der ARD? Claudia Michelsen als Doreen Brasch im Magdeburger "Polizeiruf".

Kritik zum Debüt aus Magdeburg

„Polizeiruf 110“: Fehlstart eines „bösen Mädchens“

Sprüche, die cool klingen sollen, notorisches Geduze, Prügel für Typen, die die Ermittlerin im richtigen Leben mit zwei Fingern zerdrücken würden: Der "Polizeiruf 110"-Neustart ist komplett missglückt. Die Kritik:

Sie trinkt Wodka wie Wasser, fährt mit dem Motorrad auch mal Treppen rauf und runter und bezeichnet sich selbst als – aufgepasst! – „böses Mädchen“. Christoph und Friedemann Fromm (Buch und Regie) müssen selbst ordentlich Alkohol konsumiert haben, bevor sie sich diese Polizistin ausgedacht haben. Nichts gegen etwas speziellere Charaktere im Fernsehkrimi – man will sich ja von den anderen unterscheiden –, aber Doreen Brasch (Claudia Michelsen) ist die lächerlichste, falscheste Ermittlerfigur in der Geschichte des ARD-„Polizeiruf 110“ seit dem Jahr 1990.

Sprüche, die cool klingen sollen, notorisches Geduze, (Verhör-)Prügel für Typen, die diese Frau im richtigen Leben mit zwei Fingern zerdrücken würden – in diesem Debütfilm aus Magdeburg über einen inszenierten Mord an einem Afrikaner, der einem Russen in die Schuhe geschoben werden soll, stimmt nichts. Tiefpunkt von „Der verlorene Sohn“ ist die durchchoreografierte Prügelei der Hauptkommissarin mit ihrem in rechte Kreise abgerutschten Filius (Vincent Redetzki).

Ja, es geht um Rechtsradikalismus, um „Bimbos“, „ausländische Parasiten“ und „Kinder, die einmal zu anständigen Menschen werden (sollen)“, um „Freunde, die mehr wert sind als die eigene Familie“. Und das ist das wirklich Skandalöse an diesem Krimi, der so schrecklich „brisant“ sein will – dass die Gebrüder Fromm alles, was es zweifellos an Phrasen und Formeln aus diesem Milieu gibt, eingesammelt und ihrem Personal reihum in den Mund gelegt haben. Ideologen, Glatzen, Amazonen – wie im schlechten Schülertheater sagen hier alle ihren Text auf.

Ach ja, einen Partner hat Brasch auch noch. Sylvester Groth spielt den korrekten Jochen Drexler, der fließend Französisch spricht und mit der Tochter des toten Afrikaners Flugzeuge fliegen lässt. Gegen diesen traurigen Kriminaler wirken die ausrangierten Schmücke und Schneider (Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler) aus Halle im Rückblick wie wahre Stimmungskanonen. Aber vielleicht spiegelt sich in Groths zerknautschtem Gesicht auch nur die Verzweiflung über diesen missratenen Neustart.

Rudolf Ogiermann

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