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Daniel Christensen als Xaver Edlinger in dem "Polizeiruf 110" "Schuld" von Hans Steinbichler

„Polizeiruf 110“-Kritik: Mit groben Werkzeugen

München - Der Xaver (Daniel Christensen) schwitzt am Hobel, die Späne fliegen. Sieht gut aus, dynamisch. Später gibt es eine zünftige Verlobung, und jemand wird feierlich sagen: „Die Zeit heilt Wunden.“

Doch dann kommt alles ganz anders. Es sind grobe Werkzeuge, mit denen Regisseur Hans Steinbichler dieses Drama bearbeitet. „Schuld“, der neueste Münchner „Polizeiruf 110“ (ARD), handelt von einem jungen Mann, der einst vom Vorwurf des Mordes freigesprochen wurde und nun, einige Jahre später, von einer aus dem gleichen Ort stammenden Polizistin, zugleich die Schwester seiner Braut, der Tat überführt wird.

Und weil das Unheil, das durch eine solche Entwicklung heraufbeschworen wird, nur in einem kleinen, hermetischen abgeschlossenen Raum denkbar ist (deswegen wird das Dorf stets nur „das Dorf“ genannt), wo jeder jeden kennt, werden die Charaktere und die Welt, in der sie leben, von Steinbichler, der damit ein Drehbuch von Stefan Kolditz umsetzte, bis zum Exzess stilisiert.

Es ist eine Welt, in der eine Heimkehrerin mit einem erstaunten „Was duasdn Du da!?“ begrüßt wird und man sich später im Wirtshaus zusammenrottet, um vor das Haus des Täters zu ziehen. Die Straßen hierher sind schmal und kurvenreich, aus den Hähnen fließt kaltes Wasser – und im Hintergrund ragen die schroffen Berggipfel in den Abendhimmel.

Man liest diese archaische (Bild-)Sprache – und ist verärgert, weil sie ein Milieu beschreibt, das es so nun einmal nicht (mehr) gibt – vom Dialekt einmal ganz abgesehen. Handy und DNA auf der einen und rechtsfreie Räume auf der anderen Seite, das passt nicht zusammen. Und so wirkt, was Saft und Kraft ausstrahlen soll, immer blutleerer und absurder, je länger dieser Film dauert. Das zeigt sich an den handelnden Figuren, die nur brüllen, weinen oder versteinert dastehen dürfen, Anna Maria Sturm als junge Kriminalerin Anna Burnhauser (leider!) eingeschlossen. Der Regisseur lässt sie allein in ihrer Rolle als schluchzende Schicksalsgöttin.

Einzig Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels wirkt authentisch. Ein (preußischer) Städter, der sich auf dem Land wie ein Außerirdischer fühlen muss, der einzige echte Mensch unter Typen, die einem vorkommen wie aus Holz geschnitzt. Mit groben Werkzeugen.

Rudolf Ogiermann

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