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Halluzinationen: Immer wieder erscheint Hanns von Meuffels (Matthias Brandt, r.) der Mann, der ihn anschoss (Georg Friedrich).

"Fieber"

Polizeiruf 110-Kritik: Das Gift der Effizienz

München - „Es wird alles wieder gut“, sagt der behandelnde Arzt am Anfang zum soeben operierten Kommissar – vom Ende her betrachtet klingt dieser Satz alles andere als beruhigend.

Die Klinik, den Ort, an dem Leute (wieder) gesund gemacht werden sollen, führt uns Regisseur Hendrik Handloegten im jüngsten Münchner „Polizeiruf 110“ (ARD) als Ort des Schreckens und des Todes vor. Hier sind nicht nur gefährliche Keime daheim, hier können auch Pillen und Spritzen zu veritablen Waffen werden.

„Fieber“ (Buch: Alex Buresch und Matthias Pacht) heißt diese Episode um Hanns von Meuffels (Matthias Brandt), den Preußen in München, und der Regisseur nutzt dieses titelgebende Krankheitssymptom, um den bei einem Einsatz angeschossenen Ermittler in einen Zustand zwischen Tag und (Alb-)Traum zu versetzen, von dem der Zuschauer von der ersten Minute an angesteckt wird. Dass Menschen „verschwinden“, dass Krankenzimmer mit eben noch recht lebendigen Patienten plötzlich leer sind – Wahnvorstellung oder Wirklichkeit?

In seiner spannenden Geschichte, die im Grunde nur einen Schauplatz kennt, beschreibt Handloegten das Gift der Effizienz, die in einem am größtmöglichen Profit interessierten Betrieb wichtiger ist als alles andere, auch wenn es um des Menschen höchstes Gut geht, die Gesundheit. Und ganz en passant werden die Nebenwirkungen vorgeführt, die dieses Gift hat – schlechtes Betriebsklima, überarbeitetes Personal, Ärzte im Griff der Sucht.

Handloegten verabreicht seinen in allen Rollen hervorragend besetzten Krimi wie ein leichtes Narkotikum, nicht ohne Witz und Ironie, und bewahrt den Zuschauer so vor dem Schmerz der platten Klage über skandalöse Zustände in deutschen Krankenhäusern. Findet überdies in seinen Sequenzen aus der weißen, kalten, berauschend schönen Bergwelt eine ideale Metapher für die Gratwanderung seines Protagonisten zwischen Dies- und Jenseits.

Wer jetzt diagnostiziert, von Meuffels hätte doch wissen müssen, dass ihn seine Schnüffelei über kurz oder lang selbst in größte Gefahr bringt, ist vielleicht schon immun gegen Krimis, die etwas anders sind als das, was die Kasse bezahlt.

Rudolf Ogiermann

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