+
Sauer auf die Kollegen: Charly Hübner (re.) als Hauptkommissar Sascha Bukow in "Familiensache".

Heikles Thema, anfällig für Klischees

"Polizeiruf 110" aus Rostock: Die Kritik

  • schließen

Rostock - Es fühlt sich an, als reiße hinter ihm die Straße auf, er will nicht fallen, er läuft davon, aber dann steht er vor dieser Wand, nichts geht mehr. Da beginnt das Drama im aktuellsten Polizeiruf aus Rostock.

Arne Kreuz (Andreas Schmidt), das ist nach diesem Selbstbekenntnis klar, wird durchdrehen und Frau und Kinder mit in den Abgrund ziehen. Bei „Familiensache“, dem „Polizeiruf 110“ aus Rostock, jagen die Ermittler eine menschliche Zeitbombe. So klassisch diese Konstruktion ist, so bestürzend gut funktioniert sie.

Das ist vor allem das Verdienst von Schmidt. Die kühle Entschlossenheit, mit der er seine Figur ins Verderben rennen lässt, macht psychologische Erklärungen überflüssig. „Ich lasse meine Familie nicht im Stich“, sagt Kreuz einmal. Da hat er seine Frau und zwei seiner Kinder längst umgebracht. Er glaubt, ihnen Gutes zu tun. Im Tod, so heißt die kranke Logik, können sie alle miteinander wieder glücklich sein.

Das Thema ist zweifellos heikel und anfällig für Klischees. Gerade darum tut Regisseur und Drehbuchautor Eoin Moore gut daran, aus seinem Protagonisten kein Monster zu machen. Zwar ist Kreuz keine Identifikationsfigur. Aber der Zuschauer begreift, dass hier kein Dämon am Werk ist, sondern ein zerrütteter Geist, der sich im Tod eine neue Ordnung bauen will: Frau und Kinder bettet er auf Rosen, nachdem er sie getötet hat; die Schwiegereltern, die er für alles mitverantwortlich macht, lässt er einfach liegen.

Mit all dem treibt Kreuz die Ermittler Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau) vor sich her. Zum Luftholen bleibt keine Zeit. Der Spannung tut das gut. Nur manchmal wünscht man sich, Regisseur Moore hätte sich mehr Zeit gelassen, die Psyche des Täters auszuleuchten. Dafür hätte er gerne an den Heul-Attacken von Kreuz’ Schwester Miriam (Friederike Wagner) sparen dürfen.

Umso eleganter gelingt es ihm, den Zerfall einer Familie mit dem Bröckeln einer zweiten kurzzuschließen. Als Bukow von der Affäre seiner Frau mit Kollegen Pöschel (Andreas Guenther) erfährt, reagiert er gar nicht. Doch es brodelt in ihm. Beim Showdown schießt er Pöschel an. Aus Versehen? Am Ende scheint jeder Zweifel ausgeräumt. Trotzdem regt sich da eine Frage: Wer weiß schon, wie er reagiert, wenn sein Leben zerbricht?

Marcus Mäckler

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Versehrte Seelen“: Das passiert in der neuen Folge vom Bergdoktor 
Bergdoktor-Zuschauer warten schon seit langem darauf: Endlich wird das Geheimnis um Oma Lisbeth gelüftet. Dazu behandelt Martin Gruber eine Patientin, deren Heilung von …
„Versehrte Seelen“: Das passiert in der neuen Folge vom Bergdoktor 
ESC 2018: Das sind die sechs Songs für den ESC-Vorentscheid 
Der ESC findet dieses Jahr in Lissabon statt. Wer für Deutschland antreten wird, entscheidet sich am 22. Februar im Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. Nun steht …
ESC 2018: Das sind die sechs Songs für den ESC-Vorentscheid 
ESC 2018: Ernsthaft? DAS sind die Kandidaten für den deutschen Vorentscheid
ESC 2018: Die Kandidaten und Songs für den deutschen ESC-Vorentscheid am Donnerstag, 22. Februar, stehen fest. Echte Stars treten heuer aber nicht an.
ESC 2018: Ernsthaft? DAS sind die Kandidaten für den deutschen Vorentscheid
GNTM 2018: Wer ist schon raus? Wer ist noch beim Model-Casting dabei?
Das gab‘s noch nie bei GNTM: 50 Möchtegern-Models durften diesmal zu Beginn der 13. Staffel darauf hoffen, Deutschlands nächstes Topmodel zu werden. Wer beim Casting …
GNTM 2018: Wer ist schon raus? Wer ist noch beim Model-Casting dabei?

Kommentare