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TV-Kritik

Polizeiruf 110: Der bessere "Tatort"

Fast dokumentarisch wirkte der Polizeiruf 110 "Der Tod macht ENgel aus uns allen" vom Sonntagabend. Die Szenen sorgten für die enorme Plastizität, die diesen ARD-Film aus München aus der Masse der Sonntagskrimis heraushebt.

Ein Mädchen beschuldigt ein paar Burschen, ihr das Handy gestohlen zu haben, zufällig anwesende Polizisten greifen ein, es gibt einen Wortwechsel, Rangeleien, auch später auf der Wache ist die Stimmung äußerst gereizt. Fast dokumentarisch wirken diese Szenen (und nicht nur diese), sie sorgen für die enorme Plastizität, die diesen „Polizeiruf 110“ (ARD) aus München aus der Masse der Sonntagskrimis heraushebt.

Wieder – wie jüngst auch im Münchner „Tatort“ – geht es um Polizeigewalt, aber anders als dort, wo so vieles auf den Effekt hin inszeniert wurde, ist die Geschichte hier in sich stimmig, alles ist im Fluss.

Drehbuchautor Günter Schütter und Regisseur Jan Bonny hatten mit „Der Tod macht Engel aus uns allen“ kein Thesenstück im Sinn, die prügelnden Polizisten sind hier nicht nur Täter, sondern auch Opfer. Abgestumpft im täglichen Kampf, so etwas wie die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten, Ziel von Gewalt, die irgendwann Gegengewalt provoziert.

In diesen Plot, den Bonny mit fiebrig geführter Kamera ins nächtliche, grelle, schmutzige Bahnhofsviertel hineinpflanzt, fügt sich auch die Figur des Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) ein, der im Fall eines im Polizeigewahrsam zu Tode gekommenen Transsexuellen schlecht gelaunt zu ermitteln beginnt, seine Assistentin (Anna Maria Sturm) schikaniert, dann doch noch einen enormen Eifer entwickelt und sich am Ende auf einen – wie sich herausstellt – faulen Kompromiss einlässt. Ein Kriminaler, der einen kapitalen Fehler macht, obwohl – oder weil – er das Beste für alle Beteiligten wollte, das passt zu diesem Fall, es macht ihn auch unter diesem Aspekt außergewöhnlich.

Ob so viel Naturalismus sein muss, dass man mitunter Mühe hat, alle Dialoge zu verstehen, sei einmal dahingestellt. Das schmälert jedoch – jedenfalls hier – nicht die Leistung der ausnahmslos gut ausgesuchten Darsteller. Hans-Jochen Wagner, Shenja Lacher, Anne Müller, Murathan Muslu und Mathias Kupczyk spielen die in Verdacht geratene Polizeitruppe völlig uneitel, sie zeigen die Menschen unter der Uniform, deformiert durch den Umgang mit denen, die „ganz unten“ sind, durch eigene Existenzängste und das Gefühl, allein gelassen zu sein mit den schlimmen Erfahrungen in ihrem Dienst.

Beeindruckend einmal mehr auch Lars Eidinger als Transsexuelle(r) Almandine Winter. Eidingers vollständiges Verschmelzen mit der schwierigen Rolle ist ein weiteres Highlight des Films. Dieser „Polizeiruf“ ist der bessere „Tatort“.

Rudolf Ogiermann

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