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Taucht in seine eigene Internatsvergangenheit ein: Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt).

"Smoke on the water"

"Polizeiruf 110" aus München: Die Kritik

München - Der "Polizeiruf 110" aus München trägt den Titel "Smoke on the water" und ist eine rauschehafte Inszenierung einer fast surreal anmutenden Welt. Die Kritik zum ARD-Krimi vom Sonntag:

Eine Journalistin ist erschlagen worden, schon nach wenigen Filmminuten legt der bis zu diesem Zeitpunkt einzige Verdächtige ein Geständnis ab. Eine Dramaturgie, die nicht nur passionierte Krimifans sicher sein lässt, dass das erst der Anfang war, dass der Thrill jetzt erst richtig losgeht. Schnell und souverän löst sich Regisseur Dominik Graf in „Smoke on the water“, dem jüngsten Münchner „Polizeiruf 110“, vom klassischen Muster, nach dem erst am Ende, nach eineinhalb Stunden intensiver Ermittlungsarbeit, der Mörder überführt ist.

Graf und Kameramann Hendrik A. Kley befördern Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) und die anderen Figuren von Beginn an in eine fast surreal anmutende Welt, in die auch der Zuschauer hineingezogen wird. Der labile Musiker (Marek Harloff), der sich einer Tat bezichtigt, die er nicht begangen hat, der adelige Politiker (Ken Duken), der mit der Rüstungsindustrie verbandelt ist, die Freundin der Toten (Judith Bohle), die in rührender Anhänglichkeit mit von Meuffels gemeinsam den Fall lösen will – wie in einer Art Fieberwahn scheinen sich die Charaktere in Zeit und Raum zu bewegen, in einer Welt, in der die Akteure in allen entscheidenden Momenten allein zu sein scheinen.

Nach dem Drehbuch von Günter Schütter erschafft der Regisseur, unterstützt von treibenden Jazzrhythmen, ein stets leicht verzerrtes Bild der Wirklichkeit mit seltsam aggressiven (Friedens-)Aktivisten, obskuren Politikerzirkeln und jeder Menge falscher Polizisten. Das Ganze reichert er an mit Sequenzen, die die Überwachung der jeweiligen Szenerie suggerieren. „Big Brother“ ist überall.

Als konventionell erzählter Politthriller wäre dieser Krimi – bis hin zum brutalen Showdown im Schloss – Kintopp geworden, ohne jede Logik. Grafs virtuose, rauschhafte Inszenierung rettet diesen Plot, und stellt, auch dank des wie immer hervorragenden Hauptdarstellers, diesen „Polizeiruf“ auf eine Stufe mit den besten Folgen in der Ära Brandt.

Rudolf Ogiermann

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