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Muss eine marode, hoch verschuldete Pornoproduktion zum Erfolg führen: die biedere Hausfrau Marie (Valerie Niehaus)

Porno-Komödie läuft im Free-TV

Hamburg - Das Thema Porno wird im Fernsehen meist nur in Dokumentationen, Reportagen oder auch Krimis aufgegriffen. In der kommenden Woche gibt es nun eine andere Herangehensweise im Free-TV zu sehen.

Porno ist ein Schmuddelgeschäft. Frauen werden ausgebeutet, Männer beuten aus - so die allgemeine Vorstellung. Der ideale Hintergrund für finstere Krimis. Aber auch für eine beschwingte Komödie? Regisseur Andi Niessner hat sich daran versucht und nach einem Buch von Ilja Haller den Sat.1-Film “Ausgerechnet Sex!“ (Dienstag, 20.15 Uhr) inszeniert, in dem die Porno-Welt eher locker daherkommt, mehr zum Schmunzeln als zum Gruseln. “Hut ab vor Sat.1, dass die das gewagt haben“, meint dazu Produzent Boris Ausserer.

Der Plot erinnert von Ferne an Curt Goetz' unverwüstliche Komödie vom “Haus in Montevideo“, wo ein moralinsaurer Studienrat einen vermeintlichen Puff erbt und mit dieser Erbschaft nun fertig werden muss. In der Sat.1-Produktion erfährt eine in einer abgesicherten, garantiert keimfreien Wohlstandswelt lebende junge Frau nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes, dass der sein Geld im Porno-Geschäft verdient hat und, schlimmer noch, seine Firma ziemlich pleite ist.

Witwe Marie hat die Wahl. Entweder sie bringt das Unternehmen mit neuen Ideen sozusagen auf Vordermann oder sie verscheuert es schleunigst. Aber da sind all die Beschäftigten, und die sind so nett, eine richtig liebe Porno-Familie, viel sympathischer als mancher, der sich von jedem Porno voll Ekel abwendet. Oder wenigstens so tut.

“Unser Film polarisiert, ich weiß“, meint Ausserer. Das hatte er schon bei der Besetzung gemerkt: “Ich kann doch keinen spielen, der den Rollennamen “Roy das Rohr“ trägt, hatte einer gemeint.“ Renommierte Bühnendarsteller wie die große alte Hildegard Schmahl als guter Geist der Firma oder Helmfried von Lüttichau als schmierig-charmanter Porno-Regisseur waren wiederum mit schmunzelndem Vergnügen dabei. Aber auch Marie-Darstellerin Valerie Niehaus musste erstmal nachdenken, ob sie in solch einem Film zu sehen sein wollte: “Es kam ganz auf das Wie an bei diesem Stoff. Er durfte kein Vorwand sein, möglichst viel nackte Haut zu zeigen“, sagt sie.

An der Rolle selbst und Maries allmählicher Wandlung vom Heimchen am Herd zur unerschrockenen Unternehmerin war reizvoll, “wie da eine Frau allmählich erkennt, was sie wirklich kann und wozu sie in der Lage ist, um eine Firma und ihre Arbeitsplätze zu retten.“ Und ein Vergnügen wurde auch das Zusammenspiel mit Partner Tom Beck als Porno-Star Roy, den prompt die sonst vor der Kamera allzeit bereite Manneskraft verlässt, als er ein erstes Mal so “richtig“ liebt: “Schon beim Casting habe ich gemerkt, wie verspielt und selbstverständlich er an die Rolle heranging, dass irgendwelche Peinlichkeit zwischen uns gar nicht erst aufkam.“

Die beiden haben die einzige Bettszene des Films, wobei ihre Körper eine Decke schamhaft verhüllt. Wie überhaupt in Sachen Erotik und Nacktheit eine bemerkenswerte Dezenz waltet. Gerade einmal ist ein splitternackter Mann zu sehen, und selbst darüber hatte es in der Produktion heftige Diskussionen gegeben. Obwohl der Adam nichts Sündhafteres tut als ein Glas Milch zu trinken. Und die ist ja gesund.

dpa

 

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