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Der "Preuße vom Dienst": Horst Jüssen wollte ihn wieder spielen.

Nachruf: Horst Jüssen ist tot

Preuße vom Dienst

Er war überzeugt davon, den Krebs zu besiegen. "Ich will im Herbst, wenn meine Freunde vom Chiemgauer Volkstheater ihr nächstes Stück aufzeichnen, wieder mit von der Partie sein - als Preuße vom Dienst", hatte Horst Jüssen noch im Frühjahr angekündigt. Doch es sollte kein Comeback mehr für ihn geben.

Gestern ist der Schauspieler, Kabarettist und Autor in München an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. Er wurde 67 Jahre alt.

München war die Wahl-Heimat des aus Recklinghausen (Nordrhein-Westfalen) stammenden Künstlers, der in Husum (Schleswig-Holstein) aufwuchs und zunächst eine Banklehre absolvierte, bevor er zur Schauspielerei kam. In Krimis, Boulevardkomödien und Klassikern von Molière und Shakespeare war er in ganz Deutschland auf Tournee.

Bis der Mann mit den blitzenden Augen und der bis zuletzt jugendlichen Frisur und Ausstrahlung in der bayerischen Landeshauptstadt sesshaft wurde, als ihn Sammy Drechsel 1969 für das Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft engagierte. Bis 1972 spielte er an der Seite von Dieter Hildebrandt, Klaus Havenstein, Jürgen Scheller und Ursula Noack.

Zu großer Bekanntheit verhalf Jüssen seine Mitwirkung in der ARD-Kultserie "Klimbim" von Regisseur Michael Pfleghar. Als flotter "Adolar von Scheußlich" schrieb der Schauspieler in den 70ern Fernsehgeschichte, zusammen mit Elisabeth Volkmann, Ingrid Steeger und anderen in der schräg-frivolen Serie. Diesen Erfolg konnte Jüssen wie auch seine "Klimbim"-Kollegen anschließend nicht wiederholen, es blieb bei kleinen Rollen in Krimireihen wie "Derrick" und "Florida Lady".

Vielleicht deshalb wagten die Darsteller von einst unter Jüssens Führung im Jahr 2004 ein Comeback des Klassikers auf der Bühne der Münchner Kleinen Komödie am Max II, das von der Kritik zurückhaltend aufgenommen wurde, der Truppe aber eine lange Deutschlandtournee bescherte.

Jüssen, der das "Klimbim"-Stück verfasste, hatte sich schon vorher auch einen Namen als (Bühnen-)Autor gemacht. So schrieb er das Kindertheaterstück "Kaspar und der Löwe Poldi" und dramatisierte Gerhart Hauptmanns Novelle "Wanda". Auch drei Romane stammen aus seiner Feder, nämlich "Jeschua", "Teufelskreis" und zuletzt "Joseph Satan".

Seit 30 Jahren war Jüssen mit der Sängerin Lena Valaitis verheiratet, das Paar hat zwei erwachsene Söhne. Die Familie war bei ihm, als Jüssen jetzt den Kampf gegen den Krebs verlor.

Rudolf Ogiermann

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