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"Der Primus" wirft Schlaglichter auf das Leben von FJS.

Zum 100. Geburtstag

"Der Primus": Filmporträt über Franz Josef Strauß

München - Am 6. September wäre Franz Josef Strauß 100 Jahre geworden. Das Erste würdigt den gehassten wie verehrten Bundespolitiker und bayerischen Ministerpräsidenten mit einem Filmporträt.

Franz Josef Strauß: Ein Name, der polarisierte. Anhänger verehrten den langjährigen CSU-Chef und ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten mit nahezu kultischer Hingabe fast wie einen König. Gegner sahen in dem genussfreudigen Mann mit der barocken Figur eine Gefahr für Frieden und Rechtsstaat. Ein Dokumentarfilm im Ersten versucht eine Annäherung an den wortgewaltigen und extrem scharfzüngigen Politiker, der am 6. September 100 Jahre alt geworden wäre. „Der Primus - Franz Josef Strauß“ nennt sich der Streifen von Erica von Moeller, den das Erste am Montag (27. Juli) um 22.50 Uhr zeigt.

Rahmenhandlung sind die Geschehnisse rund um die Bundestagswahl 1980, in der Strauß als Kanzlerkandidat der Union gegen den SPD-Politiker Helmut Schmidt und dessen sozialliberale Koalition antrat - und unterlag. Dazwischen gibt es zahlreiche Rückblenden: Alte originale Aufnahmen, von Schauspielern gespielte Szenen und aktuelle Interviews mit Verwandten, Weggefährten, aber auch Kritikern. Am Ende soll sich alles zur Geschichte vom Aufstieg des Metzgersohnes zu einem der meistverehrten und auch meistgehassten Politiker fügen.

Dabei bietet das Porträt nach dem Drehbuch von Werner Biermann, Autor der Biografie „Strauß: Aufstieg und Fall einer Familie“, wenig Überraschendes. Die Persönlichkeit des Vollblut-Politikers wird nur schlaglichtartig beleuchtet und bleibt daher im Dunkeln. Ein Erklärungsversuch, warum Strauß wie kaum ein anderer Politiker gleichzeitig so sehr gehasst und geliebt wurde, fehlt.

Trotzdem gibt es interessante Aspekte aus dem Leben des CSU-Chefs, der am 6. September 1915 in München geboren wurde. Der eifrige Ministrant, der wegen seiner Lateinkenntnisse dem Pfarrer auffällt, auf dessen Anraten hin aufs Gymnasium geschickt wird und dort als Einserschüler Abitur macht. Der Soldat, der kein Nazi sein will und gegen Kriegsende mutig Menschenleben rettet. Der junge Mann, der in seiner neuen Heimat Schongau ein Frauenschwarm ist und erst spät mit Marianne Zwicknagel eine Familie gründete und drei Kinder bekommt. Und der ehrgeizige und machtbewusste Jungpolitiker, der sich beharrlich ins Bundeskabinett hocharbeitet und mit bebender Stimme und kernig-deftigen Worten vom Rednerpult gegen seine Gegner donnert: „Ihr seid ja Gehirnprothesenträger, Ihr habt ja gar keine eigene Meinung, Ihr brüllt ja bloß!“

Die Zeit als bayerischer Ministerpräsident, in der „FJS“ von vielen wie ein König verehrt wurde, wird dagegen nur angerissen und spärlich illustriert. So fehlen Bilder seiner fast monarchisch inszenierten Beerdigung, die Strauß-Gegner als völlig überzogen werteten. Mit 73 Jahren hatte Strauß während eines Jagdausflugs bei der Fürstenfamilie Thurn und Taxis in Regensburg einen Herzstillstand erlitten und war zwei Tage später am 3. Oktober 1988 gestorben, vier Jahre nach seiner Frau Marianne. Die Familiengruft in Rott am Inn, in der Strauß seine letzte Ruhe fand, wurde zur Wallfahrtsstätte.

Auch die Kritiker kommen in dem Film eher oberflächlich zu Wort. Ausnahmen sind etwa die Spiegel-Affäre oder der Starfighter-Skandal, bei dem auch über Schmiergeldzahlungen an Strauß gemunkelt wurde. Die „Stoppt Strauß“-Demos rund um das Wahljahr 1980 etwa schildert das Porträt überwiegend aus Sicht des Politikers selbst. Sein Kommentar: „Die san ja narrisch, diese linke Bagage, verzogene Wohlstandskinder.“

dpa

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