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Filmproduzent Oliver Berben hat Grund zu lachen: Die von ihm produzierte Hitler-Satire "Er ist wieder da" lockt die Zuschauer in Scharen in die Kinos.

Merkur-Interview

Oliver Berben: „Deutsches Fernsehen ist so gut wie nie“

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München - Filmproduzent Oliver Berben spricht im Interview über sein neues Projekt, die Mini-Serie „Bier Royal“, und die Zukunft des analogen TV.

„Heute ist ein wunderbarer Tag“, sagt Oliver Berben und strahlt übers ganze Gesicht. Der 44-Jährige hat gerade die Besucherzahlen für die von ihm produzierte Hitler-Satire „Er ist wieder da“ bekommen. In den ersten drei Wochen sahen über eine Million Zuschauer den Film, der damit seit Montag auf Platz 1 der deutschen Kinocharts steht.

So leidenschaftlich, wie sich Berben über die Kinoerfolge aus dem Hause Constantin freuen kann, wo er Geschäftsführer der Produktion ist, so leidenschaftlich produziert er auch seine Fernsehfilme. Im Interview erzählt der gebürtige Münchner von seinem neuen Projekt, das den schönen Titel „Bier Royal“ trägt, und erklärt, warum er auch in Zukunft an das Fernsehen glaubt.

„Bier Royal“ wird eine Mini-Serie, die die Geschichte einer sehr erfolgreichen, aber total zerstrittenen Brauereifamilie erzählen soll. Dass man als Münchner sofort an „Kir Royal“ denkt, ist gewollt, oder?

Ich würde nie behaupten, dass „Bier Royal“ in die Richtung von „Kir Royal“ geht – dafür habe ich viel zu große Hochachtung vor Helmut Dietl und all dem, was er geleistet hat. Ich bin aber davon überzeugt, dass gesellschaftskritische Geschichten, wie er sie einst gedreht hat, im heutigen TV fehlen. Vor allem bei Mehrteilern und Mini-Serien.

Derzeit gibt’s vor allem Krimis und Historisches.

In den Bereichen sind wir auch sehr gut. Beides hat eine große Akzeptanz bei den Zuschauern. Aber wir sollten uns neben den Kriminalgeschichten auch wieder mehr mit Themen wie Familie, zwischenmenschliche Beziehungen oder gesellschaftlichen Aspekten auseinandersetzen. Wir sollten mehr erzählen, was uns jeden Tag bewegt.

Und in diese Richtung soll „Bier Royal“ gehen?

Die Bühne ist die Geschichte einer Brauereifamilie, in der nach dem Tod des Patriarchen die Messer gewetzt werden und ein gnadenloser Kampf um die Herrschaft über das Unternehmen entbrennt. Im Eigentlichen geht es um Konflikte, um Traditionen, aber auch um die Frage, wie gehe ich als Mensch mit anderen Menschen und mit dem Thema Globalisierung um.

Klingt ein bisschen nach den „Guldenburgs“ der heutigen Zeit.

Durchaus. Die „Guldenburgs“ waren genau die Form von Dramaserie, die ich meine. Die Zuschauer haben sie inhaliert. Wichtig ist mir, dass wir die Geschichten mit einem Augenzwinkern erzählen. Als Drehbuchautorin konnten wir Carolin Otto gewinnen, eine der Autoren von Franz Xaver Bogners „München 7“. Ich bin ein großer Fan der Serie.

Wissen Sie schon, wer die Hauptrollen spielt?

Wir haben bei manchen Figuren Schauspieler im Kopf. Aber es ist so: Wenn man zu früh Namen nennt, und dann werden es die Betreffenden doch nicht, sind sie traurig. Und wenn man sie nennt, und sie können nicht, sind wir traurig. Also sage ich lieber nichts. (Lacht.)

Trend ist ja, dass MiniSerien wie „Weissensee“ quasi am Stück gesendet werden, an mehreren Tagen hintereinander. Wäre das wünschenswert auch für „Bier Royal“?

So wird es entwickelt. Als großes Programm für alle Generationen. Eventuell zum Jahresauftakt, auf jeden Fall als Event-Programmierung.

Warum?

Je „eventisierter“ ein Programm ist, desto leichter werden die Zuschauer sagen: „Das schau’ ich mir an.“ Wir haben die Event-Programmierung zum Jahresauftakt ja vor über zehn Jahren selbst mit begründet. Damals lief „Die Patriarchin“ als Mehrteiler im ZDF. „Afrika, mon amour“, „Krupp“, „Adlon“ und viele weitere folgten. Das Interessante ist, dass die Event-Programme von ARD und ZDF die Möglichkeit bieten, sowohl die jüngere Zielgruppe anzusprechen als auch ältere Generationen.

Glauben Sie, dass es normales Fernsehen in zehn Jahren noch geben wird? Oder laufen Serien dann erst in der Mediathek oder bei Diensten wie Netflix?

Die Konkurrenz des Internets ist natürlich groß. Aber das lineare Fernsehen wird weiter bestehen. Es ist additiv zu betrachten, nicht als Ersatz.

Was macht Sie sicher?

Auch in Zukunft werden die Menschen – in den meisten Fällen jedenfalls – tagsüber zur Arbeit gehen und abends zu Hause sein und dann unter anderem fernsehen. Wo und mit welcher Technik sie das machen, ist erst mal zweitrangig. Es geht um die Inhalte. Wer die hat, ist der König. Die Menschen erleben gerne gemeinsam ein Programm, und am nächsten Tag im Büro sprechen sie darüber. Natürlich gibt es genug Menschen, die sich Sendungen in den Mediatheken anschauen, zeitlich unabhängig. Unsere Reihe „Schuld“ konnte man bereits vor der TV-Ausstrahlung online anschauen. Das wird in Zukunft mehr passieren. Aber dass der eine Verbreitungsweg den anderen komplett verdrängt, das glaube ich auf keinen Fall.

Die Serie „Deutschland 83“ von Nico Hofmann oder Ihre Produktion „Shadowhunters“ feierten zuerst in den USA Premiere, ehe sie hierzulande laufen werden. Das deutsche Fernsehen scheint international gefragt.

Ich komme gerade von der Fernsehmesse in Cannes. Das Interesse des Auslands an deutschen Produktionen ist wahnsinnig hoch. Das Nationale ist sogar – anders als vor ein paar Jahren – ein echter Verkaufsfaktor geworden.

Woran liegt das?

Zunächst sicher an der Qualität. Das deutsche Fernsehen ist im Moment so gut wie noch nie. Wir sind das Volk der Dichter und Denker und können großartige Geschichten schreiben. Wichtig scheint mir, dass die Geschichten einerseits überall spielen können, aber letztlich lokal angesiedelt sind. In dem Moment, in dem wir eine Serie wie „Bier Royal“ zum Beispiel in Bayern drehen, erfährt der Zuschauer ganz viel von dem Land, von der Region. Die Deutschen erkennen sich wieder – und für das Ausland ist es auch sehr attraktiv.

Das Gespräch führte Stefanie Thyssen.

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