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Satelliten-Antennen auf dem Gebäude der ProSiebenSat.1 Media AG in Unterföhring bei München (Archivfoto vom 02.08.2007).

ProSiebenSat.1 verlegt Sat.1 nach München - Stellenabbau

München - Im Zuge eines weitreichenden Konzernumbaus verlagert der TV-Konzern ProSiebenSat.1 seinen Sender Sat.1 von Berlin nach München.

Wie das wegen des schwachen Werbemarktes zuletzt unter Druck stehende Unternehmen am Donnerstag in München mitteilte, werden neben Sat.1 auch sämtliche Verwaltungsfunktionen sowie die Vertriebsgesellschaften SevenOne Media und SevenOne Interactive nach Bayern verlagert. Der Nachrichtensender N24 und die Zentralredaktion von Sat.1 bleiben in der Hauptstadt. Vom Sat.1-Umzug sind den Angaben zufolge 350 Mitarbeiter betroffen, 225 Stellen sollen im Zuge des Umbaus ganz wegfallen. Der Betriebsrat von Sat.1 und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierten die Entscheidung.Der Umbau hat auch personelle Konsequenzen im Management. Der für das deutsche Fernsehgeschäft zuständige Konzernvorstand Andreas Bartl bekommt den bisherigen Sat.1-Geschäftsführer Matthias Alberti zur Seite gestellt. Neuer Sat.1-Chef wird Guido Bolten, bisher für Kabel eins verantwortlich. Offen ist noch die Frage, wer Guillaume de Posch als Vorstandsvorsitzender zum Jahresende nachfolgt.Jeder Berliner Mitarbeiter soll ein Jobangebot in München oder eine angemessene Abfindung erhalten, kündigte das Unternehmen weiter an. Insgesamt beschäftigt ProSiebenSat.1 derzeit rund 6000 Mitarbeiter, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Über die Bühne gehen soll der Umbau bis Juni 2009. Damit sitzen künftig die wichtigsten deutschen Sender des Konzerns in München. Neben Sat.1 sind dies ProSieben und Kabel eins. Die Leitung des verkleinerten Sitzes mit 450 Mitarbeitern in der Hauptstadt übernimmt N24-Chef Torsten Rossmann.Erst vor wenigen Tagen hatte der Konzern wegen der weiteren Eintrübung des Werbemarktes und anhaltender Probleme bei einem neuen Modell der Werbezeiten-Vermarktung sein Gewinnziel für 2008 zusammengestrichen. Der Ende des Jahres ausscheidende Vorstandschef de Posch hatte die Belegschaft auf weitere Einschnitte eingestellt und gewarnt: "2009 wird ein sehr schwieriges Jahr. Wie viele andere Marktteilnehmer müssen auch wir unser Haus winterfest machen." Dies funktioniere aber nur über strikte Kosteneinsparungen. Die Höhe hatte er noch nicht beziffern wollen. Kosteneinsparungen von 70 Millionen Euro bis Jahresende waren ohnehin vorgesehen.Die Mitarbeiter seien am Morgen in zwei Versammlungen über den geplanten Umzug informiert worden, sagte der Sprecher von ProSiebenSat.1. Die Reaktionen seien "unterschiedlich" gewesen. Der Betriebsrat von Sat.1 protestierte heftig gegen die Entscheidung. Damit werde "Raubbau an der Marke Sat.1" getrieben, der Sender werde in der Münchner Konzernzentrale sein eigenständiges Profil einbüßen, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Uwe Theuerkauff am Donnerstag in Berlin. "Die Stimmung in der Belegschaft ist auf Krawall gebürstet." Es gebe große Zweifel, dass mit dem Umzug die wirtschaftlichen Probleme des Senders gelöst werden könnten. "Die Krise ist wegen schwerer Fehler des Managements hausgemacht", sagte Theuerkauff.Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte den Konzern auf, die Pläne zur Umstrukturierung der Sendergruppe nicht weiter zu verfolgen. "Der offenbar geplante Umzug wichtiger Teile von Sat.1 von Berlin nach München und der Abbau von über 200 Stellen degradieren Sat.1 vom Vollprogramm zur belanglosen Abspielstation", kritisierte der Verband in einer Mitteilung. Diese Maßnahmen ließen sich nur mit überzogenen Renditeerwartungen der Eigentümer KKR und Permira erklären.Aus Bayern kam hingegen ein eher positives Echo. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) begrüßte den Umzug in einer Mitteilung. ProSiebenSat.1 hebe so Synergieeffekte und stärke seine Handlungsfähigkeit. Der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Wolf-Dieter Ring, äußerte zumindest Verständnis für den Umzug angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation. "Auch wenn der jetzt angekündigte Umzug für viele Mitarbeiter von Sat.1 problematisch ist, muss man dem Unternehmen zu Gute halten, das alle aktuellen Arbeitsverträge auch für den neuen Standort Gültigkeit haben."

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